Landkreis errichtet Containersiedlung zur Unterbringung von Flüchtlingen

Korbach(pm). Mit einem Pressetermin im Kreishaus stellten Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese, der Korbacher Bürgermeister Klaus Friedrich und die Leiterin des Sozial- und Kulturamtes in Korbach, Ute Jennemann, die Pläne vor. Das Gelände ist zunächst für zwei Jahre angemietet worden. Rund 3,75 Millionen Euro kostet die Errichtung des Containerdorfes zuzüglich Kosten für die Unterhaltung, die bisher noch nicht beziffert werden können. Wenn alles nach Plan läuft, beginnen die Aufbauarbeiten Mitte kommender Woche, aber spätestens in der Woche danach. Bezugsfertig sollen die Container Ende Januar 2023 sein. Der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland und damit auch die Zuweisung an die Landkreise und kreisfreien Städte ist unvermindert hoch. Derzeit kommen wöchentlich etwa 25 Personen in Waldeck-Frankenberg an, die aufgenommen und untergebracht werden müssen. Insgesamt befinden sich aktuell 3.933 geflüchtete Menschen und damit 1.794 Personen mehr als 2015 im Kreisgebiet. Davon sind 2.548 Personen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

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Wie der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese berichtete, stammen die meisten Geflüchteten aus Nordafrika, aus arabischen Ländern sowie aus den Staaten der früheren Sowjetunion. Bei den wöchentlichen Zuweisungen machen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine mit weniger als fünf Personen pro Woche derzeit nur noch einen kleinen Teil des Kontingents aus. Jedoch sei aufgrund der systematischen Zerstörung der Energieversorgung in der Ukraine durch die russischen Aggressoren auch hier mit wieder ansteigenden Zahlen zu rechnen. Zumal die beiden größten ukrainischen Netzbetreiber die Bevölkerung zur Flucht ins Ausland aufgefordert haben, damit wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser ausreichend versorgt werden können. Zusätzlich erschwert wird die Situation noch dadurch, dass zwei Gemeinschaftsunterkünfte in Willingen und Usseln demnächst aus der Nutzung genommen werden müssen. Dort sind derzeit knapp 220 Menschen untergebracht.
„Die Aufnahmekapazität der Städte und Gemeinden ist erschöpft“, betont der Erste Kreisbeigeordnete. „Wohnraum ist ohnehin knapp, derzeit ist praktisch nichts mehr verfügbar“.

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Vor diesem Hintergrund habe man sich entschlossen, eine mobile Wohnsiedlung zur errichten, um den Menschen, die von den Strapazen und Gefahren der Flucht gezeichnet und teilweise traumatisiert sind, eine menschenwürdige Unterkunft zur Verfügung stellen zu können. Im Bereich Nordring/Flechtdorfer Straße in Korbach konnte ein Gelände gefunden werden das dem Bedarf genau entspricht.  Ursprünglich waren Zelte geplant, man sei aber froh, dass es kurzfristig gelungen sei, Wohncontainer zu beschaffen, die gerade im bevorstehenden Winter einen besseren Schutz bieten, so der Erste Kreisbeigeordnete. Frese bedankte sich beim Bürgermeister der Kreis- und Hansestadt Korbach, Klaus Friedrich, der das Projekt unterstützt und ermöglicht habe. Friedrich betonte, dass es angesichts der humanitären Herausforderung selbstverständlich gewesen sei, hier helfend einzugreifen. „Mittelzentren müssen sich ihrer Verantwortung stellen, genauso wie alle Kommunen sich solidarisch erklären müssen“, so der Bürgermeister. Für eine gesellschaftliche  Akzeptanz werde es ganz entscheidend sein, dass die eigenen Bedürfnisse der hier lebenden Menschen nicht ins Hintertreffen geraten. Denn, so Friedrich: „Wir wollen in Korbach nicht, dass wieder Dorfgemeinschaftshäuser und Turnhallen geschlossen werden.“ Die Wohncontainer, die demnächst in Korbach zum Einsatz kommen, sind jeweils für zwei Personen ausgelegt. Hinzu kommen noch weitere Container mit Duschen sowie Gemeinschaftseinrichtungen, etwa zum Essen oder für gemeinschaftliche Aktivitäten. Alle Beteiligten hoffen, dass die Containersiedlung nur eine Übergangslösung sein wird. Derzeit brauche man sie aber, um den geflüchteten Menschen angemessene Unterkünfte bieten zu können.(od)

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