Korbach(Tanja Fieseler). Im Rahmen des diesjährigen Ausstellungsprogramms des Kunstvereins Hansestadt Korbach e.V. präsentiert die Stiftung Kunstsammlung Professor Dr. Reimund Seidelmann, in Zusammenarbeit mit der Stadt Korbach unter dem Titel „Französische Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts – Zwischen Tradition und Neuerung – Die Wegbereiter des Impressionismus“ herausragende Werke einer bedeutenden kunstgeschichtlichen Epoche. Die Präsentation der entsprechenden Arbeiten erfolgt in der Zeit vom 27.09.2023 bis zum 07.01.2024 im Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach; die Eröffnung der Ausstellung findet mit einer Charity-Vernissage am 27. September 2023 um 19.00 Uhr , im Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach statt. Die Ausstellung der Werke aus dem Bestand der „Stiftung Kunstsammlung Professor Dr. Reimund Seidelmann“ dokumentiert schlüssig die Entwicklung der französischen Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert, die zunächst unbeachtet dann verachtet und polarisierend sowie letztlich transformierend, sich von den tradierten Vorstellungen der historischen Malerei des Klassizismus lösend, eine Neubestimmung des Kunstbegriffs herbeigeführt und hierdurch den Weg zur modernen Malerei im Allgemeinen bereitet hat.
Maßgebliche Protagonisten dieser Entwicklung sind u.a. die Maler der sogenannten „Schule von Barbizon“, wie Jean-Baptiste Corot, Théodore Rousseau, Jules Dupré, Narcisse Diaz de la Pena, Charles Emile Jacque, Gustave Courbet, und Charles-Francois Daubigny; Werke aller vorgenannten Künstler sind in musealer Premiumqualität Exponate der Ausstellung und spiegeln als „plein-air“ und „paysage intime“ die zentrale Rolle der französischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts für die malerische Entwicklung von der Romantik bis hin zum Impressionismus und Postimpressionismus wieder; die impressionistische und postimpressionistische Malerei sind ohne den Rückgriff auf die Landschaftsmalerei der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die Maler von Barbizon nicht denkbar. Obwohl die historische Landschaft als Sujet mit ihren im Atelier durchkomponierten Motiven, harmonisch gegliedert und farblich ausgewogen, italienisierend und mit Ruinen bestückt, sich noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wachsender Beliebtheit erfreute, galten die Landschaftsmaler im zweiten Kaiserreich Frankreichs als Oppositionelle und fand der Aufschwung des noch nicht einmal die Urwüchsigkeit der Landschaft als reines Naturerlebnis darstellenden Genre, im restaurativen politischen Umfeld zur Jahrhundertmitte sein jähes Ende.
Noch schlimmer stand es um diejenigen Maler, die sich ab den 1830er Jahren in Barbizon, dem kleinen Ort 60 Kilometer südlich von Paris zusammengefunden hatten, um ihre Landschaftsmalerei abseits der Klassizisten mit ihrer akademischen Ateliermalerei zu praktizieren, als Abbildung der Natur, so wie diese von ihnen tatsächlich wahrgenommen wurde, einfache Motive, auch sozialer Milieus, nicht als ruinenbestückte Ideallandschaft im Sonnenuntergang. Den Gegnern der Landschaftsmalerei von Barbizon fehlten die klaren Umrisse als Abgrenzung zwischen den Details, die nun nicht mehr streng farblich voneinander abgegrenzt waren und störte die Sichtbarkeit des Pinselduktus, alles gänzlich anders als in der von ihnen als das Maß aller Dinge angesehenen Historienmalerei. Das alles, obwohl sich abseits der staatlichen Kunstpolitik bei den neuen Landschaftsmalern bereits erste Verkaufserfolge einstellten; die Bourgeoisie sammelte Landschaften, was naturgemäß auch die Interessen der Kunsthändler weckte, teilweise waren sie auch in Ausstellungen des „Salon“ vertreten; ein deutlicher Wandel ihres Images setzte allerdings erst ab 1871 in der Dritten Republik ein. Barbizon-Maler wie Corot, de la Pena, Daubigny oder Rousseau, wurden nun zu Jury Mitgliedern des „Salon“; der zuvor mit Boudin, Courbet, Millet, Daubigny und Lépine am häufigsten aus dem Kreis der Barbizon-Maler abgelehnte Rousseau wurde gar Präsident der Jury.
Bis dahin ein beschwerlicher Weg, der allerdings die Protagonisten der freien Malerei in ihrer künstlerischen Entwicklung nicht aufhalten konnte. Gerade weil sie nicht beachtet waren, konnten sie in Barbizon neue Maltechniken erproben und neue Theorien diskutieren, um so neue Impulse zu generieren. In einer Art Künstlerkolonie arbeiteten sie abseits jedweder Reglementierungen und Hierarchien in einer offenen Gemeinschaft unter Gleichen, und doch, obwohl in inhaltlicher Abkehr von der Kunstmetropole Paris, dieser räumlich entfernungsmäßig nah genug, um in der dortigen Kunstszene mehr und mehr wahrgenommen, diskutiert, beachtet und schließlich auch ausgestellt zu werden. Das kleine Dorf Barbizon als Namensgeber der sogenannte „Schule von Barbizon“ bildete dabei einen Kulminationspunkt für die unterschiedlichsten Charaktere der zusammentreffenden Künstler. Was sie einte, war das gemeinsame Malen in Freien in der Nähe des Waldes von Fontainebleau, dessen kontemplative Stimmung dem künstlerischen Anliegen einer reinen Landschaftsmalerei in den Ausdrucksformen des Naturalismus und Pleinairismus entsprach und damit das Bestreben, sich so von den tradierten Vorstellungen einer historischen (Landschafts-) Malerei zu lösen.
Mit dem Kreis dieser Künstler sind untrennbar die bereits erwähnten Maler wie Jean-Baptiste Corot, Théodore Rousseau, Jules Dupré und Narcisse Diaz de la Pena und schließlich auch Charles Emile Jacque verbunden, wobei neben diesen Hauptprotagonisten unter den Barbizon-Malern auch Gustave Courbet, Charles-Francois Daubigny zu deren Meistern zählen; maßgebliche Werke aller vorgenannten Künstler zählen zum Sammlungsbestand der „Stiftung Kunstsammlung Professor Dr. Reimund Seidelmann“ und sind die in ihrer Gesamtheit den Arbeiten der Wegbereiter des Impressionismus zuzuordnen. Unabhängig davon, wen man letztlich dem engsten Kreis dieser Meister zuordnen mag ist festzustellen, dass jedenfalls unter der Bezeichnung „Schule von Barbizon“ keinesfalls die Entwicklung eines homogenen Stils zu verstehen ist; Barbizon war vielmehr ein Ort der Auseinandersetzung von Malern mit ihren unterschiedlichsten künstlerischen Vorstellungen und gänzlich verschiedenartigen künstlerischen Traditionen und Entwicklungen, mit der Vision, diese in eine moderne Form der Malerei zu transformieren, wodurch sie letztlich zu den Wegbereitern des Impressionismus und der modernen Malerei im Allgemeinen wurden. Die vorstehend beschriebene Ausstellung soll nicht nur ihrem eigentlichen Titel entsprechend eine Präsentation bedeutender Werke der frühen französischen Landschaftsmalerei sein, sondern mit dem Untertitel Kunst hilft Kultur auch als Wohltätigkeitsveranstaltung der Unterstützung von Hilfsprojekten zugunsten der Kunst und Kultur in der Ukraine dienen, um auf diese Weise das sprichwörtlich Angenehme mit dem Nützlichen, nämlich das Interesse der Ausstellungsbesucher und sicher auch deren Freude an den ausgestellten Werken, mit der Unterstützung ukrainischer Kulturschaffender zu verbinden.
Mit dem Motto „Kunst hilft Kultur“ präsentiert sich die Ausstellung mit einem durch einen Spendenbeitrag zu erwerbenden hochwertigen, als Bildband herausgegebenen Kunstkatalog, der durch die finanzielle Unterstützung des Rotary Club Korbach-Bad Arolsen erstellt werden konnte; der so erzielte Erlös wird in voller Höhe der Aktion Deutschland Hilft e.V. für Hilfsmaßnahmen in Bereich der Unterstützung von Künstlern und kulturellen Einrichtungen in der Ukraine zur Verfügung gestellt werden. Schirmherrin des Projekts ist die Geschäftsführende Vorständin der Aktion Deutschland hilft e.V., Manuela Roßbach.
Sammlung der Kunststiftung Professor Dr. Reimund Seidelmann
Professor Dr. Seidelmann, Vorsitzender des Beirates der Stiftung, hat über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren im Zuge seiner weltweiten akademischen Lehrtätigkeit, eine bedeutende Kunstsammlung aufgebaut. Die Sammlung umfasst mehr als 400 Bilder sowie ca. 250 Objekte aus dem Bereich Chinakeramik, Chinaporzellan, Chinajade und Chinabronzen, wobei die Bezifferung der Anzahl der jeweiligen Werke sich durch regelmäßige Neuerwerbe ständig erhöht und der künstlerische Schwerpunkt der Sammlung eindeutig im Bereich der dieser zugehörigen Gemälde zu sehen ist. Die Sammlung wurde in einem ersten Teil 2015 in eine Stiftung überführt. In Sinne der Sammlung geht die Grundausrichtung der Arbeit der Stiftung dahin, die in ihrem Eigentum stehenden Werke der bildenden Kunst, mit dem Schwerpunkt der deutschen und französischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts, ergänzt durch Werke der spanischen, italienischen, dänischen und osteuropäischen Landschaftsmalerei, in vielfältiger Form einem öffentlichen Publikum zu präsentieren und wissenschaftlicher Forschung zugänglich zu machen. Ein Alleinstellungsmerkmal der Sammlung ist deren klares thematisches Profil, die in sich schlüssige Systematik und deren ungewöhnlich hohe Qualität. Insbesondere hinsichtlich der schlüssigen Struktur der Sammlung, die an die Sammlungsstrategie großer Museen angelehnt ist, unterscheidet diese sich von der oft festzustellenden fehlenden Systematik sonstiger privater Sammlungen. Bezüglich der insoweit maßgeblichen Thematik der Sammlung ist zu berücksichtigen, dass diese die Landschaftsmalerei der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die „Schule von Barbizon“ schlüssig abbildet. Darüber hinaus vereinigen die anspruchsvoll ausgewählten französischen und deutschen Gemälde im Kernbestand der Sammlung wichtige Maler und Malschulen miteinander. Der Umfang und die Qualität dieses Bestandes an Bildern erlauben so einen überzeugenden Einblick in die Entwicklung der französischen und europäischen Landschaftsmalerei.

