Vitos Haina: Personal ist das A und das O

Haina(pm). Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Dr. Daniela Sommer und der Hainaer Bürgermeister Alexander Köhler haben gemeinsam mit der stellvertretenden Kreistagsvorsitzenden und Mitglied im Psychiatriebeirat in Waldeck-Frankenberg Iris Ruhwedel die Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina besucht. Mittlerweile haben die Treffen der Abgeordneten mit dem Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Florian Metzger, dem Geschäftsführer Matthias Müller, Betriebsrat und der Pflegedirektoren Nina Kuhl Tradition. Geschäftsführer Müller stellte den aktuellen Stand der strategisch-baulichen Zielplanung von Vitos Haina vor. Noch in diesem Jahr soll mit dem Ersatzneubau für die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina begonnen werden. Für das nächste Jahr ist der Baubeginn für die neue Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina geplant. Im Oktober soll der Neubau für die Vitos psychiatrische Tagesklinik und die Vitos psychiatrische Ambulanz in Bad Wildungen in Betrieb genommen werden. Bereits umgesetzt sind zwei Maßnahmen: die Eröffnung der Vitos psychiatrischen Ambulanz Frankenberg am Kreiskrankenhaus und der Bezug des neuen Apartmenthauses der Vitos Besonderen Wohnform Haina.

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Einen Überblick über den Maßregelvollzug gab Dr. Sven Krimmer, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina. Er berichtete vom enormen Belegungsdruck – nicht nur in der größten Maßregelvollzugseinrichtung in Hessen, sondern bundesweit. Die Gerichte würden immer mehr psychisch kranke Rechtsbrecher in den forensischen Kliniken unterbringen. Bei regulär 415 Behandlungsplätzen war die Hainaer Klinik in diesem Jahr in Spitzenzeiten mit 431 Patientinnen und Patienten belegt. Die Hintergründe dieser Entwicklung seien vielschichtig. Insbesondere während der Corona-Pandemie sei der hohe Belegungsdruck herausfordernd gewesen, da trotz hoher Immunisierungsquoten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Patienten Infektionsgeschehen zu meistern gewesen wären.

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Prof. Metzger berichtete erneut von dem großen Problem, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Assistenzärzte zu gewinnen. Sommer war bereits einige Mal deswegen im Austausch mit Metzger. Der Arztberuf müsse attraktiver, die Dokumentationslast geringer und die Anerkennung verbessert werden. Die Ausübung eines akademischen Heilberufes in Deutschland ist nur mit einer Approbation oder einer vorübergehenden Erlaubnis (Berufserlaubnis) zulässig. In Hessen dauert das Verfahren zur Erteilung der Berufserlaubnis für ausländische Ärzte sehr lange, so dass Kliniken Probleme haben, die potenziellen Arbeitnehmer langfristig zu binden. Eine entsprechende Anfrage an das Ministerium fiel dabei sehr realitätsfern aus: Das HLPUG verzögert die Übermittlung von Daten. Somit erstreckt sich die Erteilung einer Berufserlaubnis in einigen Fällen auf fast ein Jahr. Darüber hinaus sei es problematisch, dass ein ausländischer Arzt mit Berufserlaubnis nach dieser Definition nicht einem Arzt, sondern einem Studierenden im Praktischen Jahr gleichgestellt werde. „In anderen Ländern wie Bayern, Sachsen, Thüringen und Brandenburg sind die Restriktionen deutlich geringer. Dass Hessen Kliniken die Anwerbung und Anstellung von Ärzten, die dringend benötigt werden, so schwermacht, ist unverständlich!“, ärgert sich  Sommer. Darüber hinaus sei es erforderlich, neben dem Qualitätsanspruch nicht aus den Augen zu verlieren, dass so hohe Pflegequoten bedingen können, das Stationen schließen. Dies sei nicht im Interesse aller Beteiligten.

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Außer Geschäftsführer Müller und Ärztlichem Direktor Prof. Metzger nahm die Pflegedirektorin der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Nina Kuhl, an dem Austausch teil. Sie verwies auf die besondere Bedeutung der Mitarbeitergewinnung. „Nur mit ausreichend qualifiziertem Personal können wir unseren hohen Qualifizierungs- und Qualitätsgrad im Haus aufrechterhalten. Ein verlässlicher Dienstplan trägt gerade für das Pflegepersonal elementar zur Mitarbeiterzufriedenheit bei“, sagte die Pflegedirektorin.
„Wir werden uns dafür einsetzen, die Bedingungen für Patienten wie Mitarbeiter zu verbessern. Psychiatrische Therapie ist Betreuungs- bzw. Bezugsarbeit, die sich nicht auf Bezugskontakte von wenigen Minuten reduzieren darf. Dadurch ist sie direkt vom Personal abhängig. Wir brauchen dringend mehr Personal, eine bedarfsgerechte Personalplanung und ein solides Ausfallmanagement“, forderte Sommer und will damit auch die gute Arbeit in Haina unterstützen.

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