Zeitvorsprung bei Schlaganfallverdacht: Viessmann Foundation spendet CT-Perfusion

Frankenberg. Im Notfall zählt jede Sekunde – besonders bei einem Schlaganfall. Um die neurologische Notfallversorgung in der Region zu stärken, hat das Klinikum Waldeck-Frankenberg (KWF) am Standort Frankenberg eine neue Zusatzausrüstung für das CT, die sogenannte CT-Perfusion, in Betrieb genommen. Ermöglicht wurde diese Investition durch die großzügige Unterstützung der Viessmann Foundation, vermittelt durch den Förderverein des Kreiskrankenhauses Frankenberg.
Präzisionsdiagnostik: Was ist CT-Perfusion?
Die CT-Perfusion ist ein spezialisiertes bildgebendes Verfahren. Während ein Standard-CT lediglich zeigt, ob bereits Hirngewebe geschädigt ist, blickt die Perfusion in die unmittelbare Zukunft: Sie misst den Blutfluss durch die feinsten Kapillaren des Gehirns in Echtzeit. Durch den Einsatz der Software wird sichtbar, welches Gewebe aktuell zwar unterversorgt, aber noch zu retten ist (die sogenannte „Penumbra“). Diese Information ist entscheidend für die weitere medizinische Versorgung.
Ein Quantensprung für die Patientenversorgung
Für die Patientinnen und Patienten bedeutet diese Technik vor allem eines: Sicherheit und individuelle Therapie. Die bisherige Versorgung gibt ein klassisches Zeitfenster von maximal sechs Stunden nach dem Schlaganfall vor, in denen eine medikamentöse Auflösung des Gerinnsels (Lyse-Therapie) erfolgsversprechend ist. Man spricht vom sogenannten Lyse-Fenster. Dieser Richtwert ist jedoch nicht unumstößlich. „Aktuelle Studien zeigen, dass bei bestimmten Patienten mit noch ausreichender Kollateralisierung (Gefäße, die die Engstelle umgehen, also eine
Umleitung bilden) auch bis zu neun Stunden, manchmal sogar bis zu 24 Stunden nach Symptombeginn rettbares Gewebe vorhanden sein kann. Außerdem gibt es häufiger Patienten, bei denen der genaue Zeitpunkt des Schlaganfalls unklar ist, zum Beispiel wenn erst beim Aufwachen morgens bemerkt wird, dass etwas nicht stimmt (Wake-up-Stroke). Dank der Perfusion können wir nun auch bei diesen Patienten präzise bestimmen, ob eine Lyse- Behandlung noch erfolgreich sein kann. Diese Information ist neben der Darstellung der hirnversorgenden Arterien (CT-Angiographie) entscheidend für die weitere medizinische Versorgung“, konkretisiert der Sektionsleiter der Neurologie, Dr. med. Wael Marouf.


Lebenswichtig für den ländlichen Raum
In unserer ländlich geprägten Region ist der Faktor Zeit oft die größte Herausforderung. Lange Wege zum nächsten Maximalversorger können ohne präzise Erstdiagnose wertvolle Zeit kosten. „In der Schlaganfallversorgung gilt das Credo: ‚Time is Brain‘ – Zeit ist Gehirn“, erklärt Dr. med. Wael Marouf, Sektionsleiter der Neurologie in der Klinik für Innere Medizin. „Durch die neue Technik können wir hier vor Ort in Minuten entscheiden, was früher wertvolle Transportzeit gekostet hätte. Mit dieser Methode können auch diejenigen Betroffenen identifiziert werden, die
zunächst milde Symptome aufweisen, bei denen jedoch ein hohes unmittelbares Risiko für eine Verschlechterung besteht. Wir bringen eine hochpräzise Diagnostik direkt zu den Menschen in der Fläche.“
Dank an die Viessmann Foundation
„Die Spende der Viessmann Foundation ist ein klares Bekenntnis zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Mit der neuen CT-Perfusion stellen wir eine innovative Diagnosetechnologie bereit, die es ermöglicht, bei Schlaganfallpatienten vor Ort schneller und präziser lebenswichtige Behandlungsentscheidungen zu treffen. Dies wertet die medizinische Versorgung am Standort Frankenberg gezielt weiter auf“, sagt Annette Viessmann. Die Installation des Systems wäre ohne externe finanzielle Unterstützung nicht möglich gewesen. Angesichts der allgemein angespannten Finanzlage im Gesundheitswesen und begrenzter Investitionsmittel der Klinik übernahm die Viessmann Foundation die kompletten Anschaffungskosten und Schulungskosten von 83.000 €. „Das innovative Projekt ist ein Meilenstein in der Behandlung der Volkskrankheit „Schlaganfall“, die im Krankenhaus Frankenberg häufig behandelt wird. „Wir bedanken uns im Namen aller Patienten und ihrer Angehörigen bei der Viessmann Foundation“, erläutert der Vorsitzende des Fördervereins des Kreiskrankenhauses Frankenberg, Dr. med. Harald Schmid. „Durch diese gemeinsame Anstrengung zusammen mit Klinik und Förderverein werden die Menschen hier vor Ort nach einem Schlaganfall eine bessere Chance auf ein Leben ohne bleibende Behinderungen haben.“


Drei Neuerungen für eine bessere Patientenversorgung
Die Aufrüstung des CTs mit der Perfusion ist nur eine von drei aktuellen Investitionen in den Standort Frankenberg. Der Computertomograph selbst wurde ebenfalls ausgetauscht. Mit dem neu eingebauten Hochleistungs-CT verbessern sich die Diagnostik und die Strahlenbelastung für alle Patienten, die eine Untersuchung benötigen – egal, ob sie Erkrankungen des Bewegungsapparates, der inneren Organe oder des Gehirns zu uns führen. Andrea Schreiner, Leitende MTRA, erläutert die Vorteile: „Das neue CT kann wesentlich mehr Daten erfassen bei gleichzeitig geringerer Strahlenbelastung für den Patienten und verkürzter Untersuchungsdauer. Das ist ein enormer technologischer Fortschritt. Die Darstellung der Bilder ist phänomenal. Man erhält eine 3D-Ansicht des Organs, das man zur genauen Betrachtung beliebig drehen kann. Gefäße und deren Durchblutung können mit den hochauflösenden Bildern sehr genau beurteilt werden. Bei Aufnahmen des Bewegungsapparates, zum Beispiel bei der Kontrolle eines Implantats, kann das CT differenzierte Darstellung aus einer Aufnahme liefern. So kann man
wählen, ob man nur die Knochenstruktur oder nur die eingesetzten Schrauben und Implantate sehen möchte.“ Verstärkung in der Neurologie Das Klinikum Waldeck-Frankenberg am Standort Frankenberg wurde auch personell aufgewertet. Die Klinik für Innere Medizin, Sektion Neurologie, verstärkte ihr Team mit dem Oberarzt Atif Elatana. Herr Elatana studierte Medizin in Berlin und Iaşi (Rumänien). Seine Facharztausbildung zum Neurologen, die er 2022 abschloss, absolvierte er vornehmlich in Kasseler Kliniken in den Abteilungen Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie. Zuletzt war er als Facharzt für Neurologie in der Bad Wildunger Westend-Klinik beschäftigt. Seit Ende letzten Jahres arbeitet er im Krankenhaus in Frankenberg und ist zudem im MVZ tätig, wodurch in den neurologischen Sprechstunden deutlich mehr ambulante Patienten versorgt werden können. Auch der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin Chefarzt PD Dr. med. Matthias Klingele, freut sich sehr über die Verstärkung: „Herr Elatana ist eine Bereicherung für unser Team. Die Notfallversorgung neurologischer Patienten aber auch aller Patienten mit neurologischen Symptomen aller Abteilungen profitieren von der zusätzlichen neurologischen Fachkompetenz.“


Wohnortnahe Versorgung im Fokus
Geschäftsführerin Anne Bülling betont: „Wir verstärken unsere Teams stetig, um das Angebot für unsere Patientinnen und Patienten weiter auszubauen. Da wir im Bereich Neurologie ein steigendes Patientenaufkommen verzeichnen, sichern wir mit Herrn Dr. Marouf und Herrn Elatana eine exzellente wohnortnahe Versorgung.“ Auch am zweiten Standort des zukünftigen Klinikum Waldeck-Frankenbergs (KWF) in Korbach wird eine qualitativ hochwertige Schlaganfallversorgung nach modernsten Standards angeboten. „Die Stärkung der Neurologie und die Versorgung von Schlaganfall-Patienten mit aktueller Technik und Know-how ist uns eine Herzensangelegenheit. Im Rahmen der Fusion der Kliniken in Korbach und Frankenberg zum Klinikum
Waldeck-Frankenberg stand dieser Auftrag von Anfang an auf der Agenda.“ „Wir möchten der Bevölkerung in Waldeck-Frankenberg aufzeigen, dass die Fusion nicht auf den Abbau von Leistungen zielt, sondern im Gegenteil, die Versorgung an beiden Standorten aufwerten wird“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Landrat Jürgen van der Horst.