Trainieren für den Ernstfall: Schockraum-Simulation in der Kreisklinik

Frankenberg(pm). Wird ein Patient mit lebensbedrohlichen Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert, ist die erste Anlaufstelle der Schockraum, in dem er untersucht und behandelt wird. Hier müssen alle Ärzte und Pflegekräfte schnell und effektiv Hand in Hand arbeiten, um Menschenleben zu retten. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Abläufe im Schockraum regelmäßig geübt und trainiert werden. Im Kreiskrankenhaus findet dazu regelmäßig ein Training statt, das durch das Simulationszentrum Mittelhessen geleitet wird, welches dazu ihren mitgebrachten „Notfallpatienten“ in Form eines lebensechten Patienten-Dummys „einliefert“. Die Puppe ist programmierbar, um verschiedene medizinische Notlagen zu simulieren. So kann sie zum Beispiel Symptome von Atemnot, Kreislaufstörungen, Krampfanfall, Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe und vielem mehr aufweisen. Sie verfügt über Herzschlag, Atmung, Pupillenreflexe und weitere für die Prüfung der Vitalfunktionen wichtige Parameter.


Das Team des Kreiskrankenhauses – bestehend aus Ärzten und Mitarbeitern der Anästhesie, Chirurgie, Inneren Medizin, Notfallambulanz, Röntgenabteilung und Labor – stand wie im echten Fall an der Notaufnahme bereit, um den „Patienten“ vom Notarztwagen in Empfang zu nehmen. Sie hatten nun die Aufgabe zu untersuchen, zu diagnostizieren und zu behandeln, um den Patienten zu stabilisieren. Der Dummy reagiert dabei auf alle Maßnahmen, die durchgeführt werden. Ob künstliche Beatmung, Medikamentengabe, Punktion oder Luftröhrenschnitt – sofort wird sichtbar, ob das gewählte Vorgehen erfolgreich ist oder sich der Zustand des Patienten sogar verschlechtert.


In drei verschiedenen Szenarien – vom Polytrauma nach Verkehrsunfall, Herz-Rhythmus-Störungen bis zur Milz-Ruptur nach einem Unfall – wurden insgesamt 20 Mitarbeiter der Kreisklinik geschult. Der Chefarzt für die Zentrale Notaufnahme, Gheorghe Ionescu Doctor-medic berichtet: „Besonders wichtig für alle an der Versorgung beteiligten Mitarbeiter ist es, Sicherheit zu gewinnen, Wissen aufzufrischen und zu vertiefen, Abläufe zu verinnerlichen aber auch zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verbessern. Im Training werden zudem die Sinne geschärft, um auch Symptome und medizinische Probleme zu erkennen, die nicht offensichtlich sind.“ Auch wenn alles klar auf eine medizinische Ursache hindeutet, sollten andere Möglichkeiten offen ausgesprochen und diskutiert werden. Die Kommunikation im Schockraum ist immer wieder entscheidend – über die möglichen Diagnosen, die daraus resultierenden weiteren Behandlungsschritte und ganz besonders über deren Priorisierung. Hierzu ist der Teamleiter als Koordinator aller Maßnahmen eine wichtige Instanz. Seine Aufgabe ist es, die notwendigen Checklisten bereit zu haben, Anweisungen für Untersuchungen zu geben, Aufgaben zuzuweisen und bei Bedarf weitere Kollegen aus den Fachgebieten hinzuzurufen. Er protokolliert die erhobenen Diagnosen und behält die Übersicht und entlastet damit die Mitarbeiter, die am Patienten im Einsatz sind.


Das Simulationsteam beobachtete das Geschehen im Schockraum und greift nicht ein. Ist der Patient soweit stabilisiert, dass er im Realfall an die zuständige Station oder den Not-OP übergeben worden wäre, endet die Simulation. Direkt im Anschluss wird mit dem Simulationsteam und allen beteiligten Mitarbeitern reflektiert, was gut und was weniger gut gelaufen ist. Das Kreiskrankenhaus ist als Mitglied des Traumanetzwerkes Hessen ein anerkanntes und zertifiziertes Traumazentrum. Das bedeutet, dass Ausstattung und Personal bestens auf die Erstversorgung Schwerverletzter Notfallpatienten vorbereitet sind. Von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ins Leben gerufen, ist es als weltweit einzigartiges Erfolgsmodell fester Bestandteil der unfallchirurgischen Versorgung schwerverletzter Patienten.

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.