Gewalt gegen Frauen hat im Kreis Paderborn keinen Platz

Gleichstellungsbeauftragte im Kreis stellen Jahresprogramm vor

Kreis Paderborn(krpb). Gewalt hat viele Gesichter. Sie betrifft Menschen jeden Alters und aller Bevölkerungsschichten. Tatorte können die eigenen vier Wände, das Dienstbüro, die Tiefgarage, Kindergärten oder andere sein. Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt. Etwa jede vierte Frau erleidet mindestens einmal körperliche oder sexualisierte Gewalt durch ihren aktuellen oder einen früheren Partner. (Stand: Nov. 2022)

Mit dem Ziel, Frauen und Mädchen vor Gewalt jeglicher Art zu schützen, Diskriminierung zu verhindern und die Rechte von Frauen zu stärken, wurde im Jahr 2011 in Istanbul die Istanbul Konvention aus der Taufe gehoben. Im Februar 2018 trat die Konvention offiziell auch in Deutschland in Kraft. Den 5. Jahrestag nehmen die Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen im Kreis Paderborn und die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Paderborn zum Anlass, die Inhalte und Ziele der Konvention explizit in den Fokus zu rücken und das Jahr 2023 zum Schutz und zur Aufklärung über Gewalt zu nutzen. Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung gaben die Frauen jetzt in Lichtenau ganz offiziell den Startschuss für ein Jahr, das gefüllt ist mit verschiedenen Veranstaltungen, Themenabenden, Filmvorführungen und Workshops rund um das Thema Gewalt gegen Frauen. „In diesem Jahr werden die von Gewalt betroffenen und bedrohten Personen in den Fokus des Handelns gestellt, aber auch die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Paderborn auf das Thema aufmerksam gemacht und für das Thema sensibilisiert“, betonte die stellvertretende Landrätin Verena Haese im Rahmen der Veranstaltung. Genaues Hinsehen und Hinhören, sich einmischen und Mut machen, Zivilcourage im ursprünglichsten Sinne könne helfen, Betroffenen Hilfe und Wege aus der Gewalt aufzuzeigen, ergänzte Lichtenaus Bürgermeisterin Ute Dülfer.

Und auch die Landtagsabgeordnete Norika Creuzmann war gekommen, um die Veranstaltung zu unterstützen. Es war besonders ihre Initiative im Kreistag Paderborn gewesen, die eine deutlichere Umsetzung der Istanbul Konvention im Kreis Paderborn gefordert hatte. Die Inhalte der Istanbul Konvention, des Übereinkommens des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt, machte die Fachanwältin für Strafrecht und Fachanwältin für Migrationsrecht, Martina Lörsch, am Vortragsabend für die Anwesenden greifbar. Gemäß der Konvention soll Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Rahmen von Opferschutz, Prävention und Strafverfolgung sowie durch die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen und Rechtssystemen umfassend bekämpft werden.


Cornelia Schmiegel, Leiterin des Frauenhauses Salzkotten und ihre Kollegin Edeltraud Weritz, berichteten aus dem herausfordernden Alltag in einem Frauenhaus und zeigten dabei auf, wie wichtig und notwendig der Erhalt und Ausbau dieser Einrichtungen ist. Frauen aus schwierigen und gewalttätigen familiären Verhältnissen suchen oftmals mit ihren Kindern Schutz in Frauenhäusern – um Sicherheit vor einem gewalttätigen Partner zu finden, zur Ruhe zu kommen, sich neu zu sortieren oder erste Schritte für ein „Leben danach“ anzugehen. 26 Frauenhäuser gibt es aktuell in NRW. Fast alle angebotenen Plätze sind belegt. „Oft ist es für betroffene Frauen und ihre Kinder sehr schwierig einen freien Platz in einem Frauenhaus zu finden“, erzählt Cornelia Schmiegel aus Erfahrung. Sie und ihre Mitarbeitenden erhalten viele Hilferufe, können aber oft keinen Platz anbieten. „Wir zeigen dann lediglich weitere Möglichkeiten der Unterstützung, wohl wissend, dass diese oft nicht ausreichen, um die Situation für die Frauen dauerhaft und nachhaltig zu verbessern und ihnen ausreichend Schutz zu bieten“, so Schmiegel. Das sei eine sehr belastende Situation für alle Beteiligten.

Hilfs- und Informationsangebote für interessierte Frauen und Mädchen haben die Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen im Kreis Paderborn und die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Paderborn in das Jahresprogramm „Schutz vor Gewalt“ fließen lassen, das Miriam Arens von der Stadt Salzkotten am Abend vorstellte. „Es lohnt sich der Blick in unser Programm, welches neben einer Filmvorführung auch Vorträge zur gewaltfreien Kommunikation anbietet oder mögliche „Wege aus der Brüllfalle“ aufzeigt. Selbstbehauptungskurse in den Kommunen im Kreis Paderborn sind ebenfalls dabei“, so Arens. „Mit der Kampagne „Komm sicher nach Hause im Kreis Paderborn“ möchten wir darüber hinaus die Ängste der Frauen ernstnehmen, die abends allein und in Dunkelheit unterwegs sind. Verschiedene Projekte und Aktionen sollen Aufmerksamkeit schaffen und das subjektive Sicherheitsgefühl stärken“, ergänzt Kreisgleichstellungsbeauftragte Simone Böhmer. „Unser gemeinsames Ziel ist sowohl die Sensibilisierung und Aufklärung als auch der Schutz und die Hilfe für die Betroffene.“ Das Jahresprogramm startet am Donnerstag, den 27. April 2023 in Odins Filmtheater im Arminiuspark 7 in Bad Lippspringe. Um 19.30 Uhr wird dort der Film „Mein Körper gehört mir“ gezeigt. Das Jahresprogramm und die Anmeldemöglichkeit zu den einzelnen Veranstaltungen ist im Internet zu finden unter: www.kreis-paderborn.de/jahresprogramm-gleichstellung.

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