Ein Tischbein der anders hieß: Die Landschaftsgemälde des Hainaer Bäckerssohnes Ludwig Philipp Strack

Seine Mutter gehörte zur berühmten Maler-Familie – Förderung durch Onkel und Cousins

Haina(Kloster)/Klaus Brill. Er war ein Tischbein, auch wenn er nicht so hieß: Ludwig Philipp Strack, der als Sohn eines Klosterbäckers in Haina geboren wurde und in die Welt hinauszog, gilt als eines der vier bekanntesten Mitglieder der dort verwurzelten Malerfamilie Tischbein. Er war der Spezialist für bezaubernde Landschaften, während sein Onkel Johann Heinrich d. Ä. durch Historien-Gemälde, sein Cousin Friedrich August durch Porträts und sein anderer Cousin Wilhelm durch das berühmte Bild von Goethe bekannt wurden. Ludwig Philipp Strack (1761-1836) stand stets im Schatten dieser berühmten Verwandten. Im Kloster Haina aber bildet er nun den Mittelpunkt einer Ausstellung, die der Verein der Freunde des Klosters Haina der Landschaftsmalerei der Familie Tischbein gewidmet hat. Das Rätsel um den Namen ist leicht zu lösen. Wie die Kasseler Kunsthistorikerin Caroline von der Osten-Sacken als Kuratorin bei der Eröffnung erläuterte, gehörte Stracks Mutter Louisa Margaretha zu den Tischbeins der ersten Generation. Sie war die jüngere der beiden Töchter von Johann Heinrich Tischbein und Susanna Margaretha geb. Hinsing, der Stammeltern der Malersippe. Von deren sieben Söhnen wurden fünf Maler. Louisa hingegen heiratete den Bäcker Johann Heinrich Strack, der von seinem Schwiegervater die Bäckerei übernahm.


Mit mehreren Geschwistern sowie Cousins und Cousinen wuchs Ludwig Philipp Strack in der heute nicht mehr existierenden Obermühle des Klosters auf, in der sich auch die Bäckerei befand. Seine weitere Laufbahn ist nach den Worten von Caroline von der Osten-Sacken „durchaus exemplarisch für all die jungen Talente der Familie, die von Haina aus ihren Weg in der Welt machten“. Nach Abschluss der Volksschule ging der junge Mann mit 14 Jahren nach Kassel, um bei seinem älteren Vetter Johann Heinrich Tischbein d. J., einem Bruder des Goethe-Tischbein, eine Malerlehre zu durchlaufen. Ein wichtiger Lehrer war dann vor allem sein Onkel Johann Heinrich d. Ä., der Direktor der Kasseler Kunstakademie, der ihn dem Herzog von Oldenburg empfahl. In der Folge hospitierte der junge Mann auch bei seinen Maler-Onkeln Johann Anton in Hamburg und Johann Jacob in Lübeck, wo er sich mit dessen Tochter, seiner Cousine Magdalena Margarethe Tischbein verlobte, einer Blumenmalerin und Kunststickerin. Bis zur Hochzeit verging aber noch ein ganzes Jahrzehnt, das der Bräutigam zur Hälfte in Italien verbrachte, um hinzuzulernen. In Neapel half ihm sein Cousin Wilhelm, der dort von 1789 bis 1799 die Kunstakademie leitete.


Ludwig Philipp Strack weilte längere Zeit auch in Rom und bereiste zudem Sizilien und Kalabrien. Damals fertigte er, wie Caroline von der Osten-Sacken erläuterte, zahlreiche Gemälde, die in der Hainaer Ausstellung als farbige Reproduktionen zu sehen sind. Zu sehen sind etwa der Golf von Neapel und die Hafenstadt Syrakus. Von den Zeichnungen aus dieser Zeit zehrte der Künstler sein Leben lang, vor allem als er nach Deutschland zurückkehrte und wieder als Hofmaler in Oldenburg und Eutin tätig war. „Immer wieder hat er diese Vorlagen verwendet, er produzierte und verkaufte auf dieser Basis viele Bilder und er hatte großen Erfolg damit“, sagte die Kasseler Kunsthistorikerin. Abnehmer waren auch Hamburger Kaufleute. Nicht zuletzt wurde Ludwig Philipp Strack auf diese Weise zum Begründer der Landschaftsmalerei in Holstein. Als bedeutende Beispiele dafür werden reproduzierte Ansichten vom Plöner See und der Hügellandschaft der Holsteinischen Schweiz sowie des Ukleisees bei Sielbeck aus dem Jahre 1799 gezeigt. Letztere ist laut Caroline von der Osten-Sacken „ein typisches Beispiel dafür, wie Strack die topographisch genau dargestellte Landschaft mit einer vorgestellten Ideallandschaft verband, so wie er es in Italien kennen gelernt hatte“. Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober in einem Nebenraum des Kreuzgangs täglich außer Montag von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

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