„Eingeliefert ins KZ“ – Aquarelle von Johannes Steyer

Die Sonderausstellung ist noch bis zum 16. April im Burgsaal der Wewelsburg ausgestellt

Kreis Paderborn(krpb). Das Kreismuseum Wewelsburg zeigt noch bis zum 16. April Aquarelle des Künstlers Johannes Steyer. „Diese Ausstellung ist etwas ganz Besonderes für den Kreis Paderborn, denn erstmalig wird ein Gemäldezyklus eines Zeugen Jehovas gezeigt, der die Erinnerungen an seine jahrelange KZ-Haft in den 1970er Jahren in ausdrucksstarken Aquarellen festgehalten hat.“, so der stellvertretende Landrat Hans-Bernd Janzen im Rahmen der Ausstellungseröffnung. Johannes Steyer wurde 1908 geboren und geriet 1935 als bekennender Zeuge Jehovas in KZ-Haft. Die Nationalsozialisten verschleppten ihn in mehrere Konzentrationslager, u.a. Buchenwald, Sachsenhausen und Mauthausen. Seine Bilder zeigen die Entbehrungen und Misshandlungen durch die SS ebenso wie seine Hoffnung auf die Freiheit. Die 30 Aquarelle sind im Burgsaal der Wewelsburg ausgestellt, der Eintritt ist frei. Täglich steht eine Ansprechperson der Jehovas Zeugen für Rückfragen zur Verfügung.

Die Zeugen Jehovas wurden 1933 als erste Glaubensgemeinschaft im Dritten Reich verboten. Mitglieder, die ihre Arbeit in der Illegalität fortsetzten, waren einer konsequenten Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Viele von ihnen wurden verhaftet und in Konzentrationslager eingewiesen. Die Nationalsozialisten ermordeten etwa 1.800 Zeugen Jehovas, weil sie den Kriegsdienst und den Führerkult verweigerten, christlichen Widerstand gegen den Terror der Nationalsozialisten leisteten und anderen Verfolgten beistanden. Im Konzentrationslager in Wewelsburg bildeten die Ernsten Bibelforscher, wie die Zeugen Jehovas früher genannt wurden, nicht die größte Häftlingsgruppe, aber sie übernahmen eine entscheidende Rolle in der Geschichte des Lagers. Mehrere Jahre stellten die Häftlinge mit dem lila Winkel fast die gesamte Häftlingsbelegschaft und besetzten Funktionsstellen wie Lagerältester oder Blockältester. Ihr Verhalten im Lager war sehr durch Solidarität und ihren standhaften Glauben geprägt. Aus diesem religiös motivierten Widerstand heraus gelang es ihnen in Wewelsburg, religiöse Schriften illegal zu drucken und aus dem Lager zu schmuggeln, um sie heimlich im gesamten norddeutschen Bereich verteilen zu lassen.

 

Das Kreismuseum Wewelsburg erinnert an die Verfolgung der Zeugen Jehovas im Dritten Reich in der Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“, in dem die Schicksale der inhaftierten Zeugen Jehovas vorgestellt werden. Es werden zahlreiche originale KZ-Briefe ausgestellt, die belegen, wie sehr sich die inhaftierten Zeugen Jehovas bemühten, Kontakt zu ihren Familien zu halten und ihnen trotz aller eigener Leiden Trost zu spenden. Seit 1992 luden die Mitarbeitenden des Kreismuseums Überlebende des Konzentrationslager Niederhagen ein. Darunter waren viele Zeugen Jehovas, die bereitwillig von ihren leidvollen Erfahrungen im KZ berichteten. Die Erzählungen wurden auf Tonband und auf Video aufgezeichnet und archiviert. Auszüge dieser Interviews werden ebenfalls in der Dauerausstellung präsentiert und geben Zeugnis von den Erlebnissen der Bibelforscher-Häftlinge. Sie werden neben der originalen Häftlingskleidung gezeigt, die von den Bibelforscher-Häftlingen des Restkommandos stammen und belegen, unter welchen Entbehrungen die Männer die Konzentrationslagerhaft ertragen mussten. „Die Kontakte zu den früheren Bibelforscherhäftlingen wurden intensiv gepflegt, häufig entwickelten sich enge Freundschaften, die bis zum Tod der Zeugen Jehovas hielten. Vielfach setzten sich die freundschaftlichen Kontakte bei den Angehörigen, den Ehefrauen und Kindern fort. Diese Beziehungen sind uns bis heute sehr wichtig, sind sie doch ein bedeutender Teil der Gedenkstättenarbeit.“, verdeutlicht Museumsleiterin Kirsten John-Stucke.

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