Im Krieg gedient und später ermordet

Jungsozialisten gedachten an Stolpersteinen auch der Euthanasie-Opfer
Frankenberg(pm). In ihr Gedenken zum Volkstrauertag an die Opfer von Krieg und Gewalt bezogen die Frankenberger Jungsozialisten in diesem Jahr besonders den von den Nationalsozialisten zynisch „Euthanasie“ genannten Massenmord an kranken und behinderten Menschen mit ein, dem allein aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg mehr als 500 Bürgerinnen und Bürger zum Opfer fielen. Am Stolperstein für Rudolf Dilloff in der Steingasse 20, der 1940 aus Haina in die Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg verschleppt wurde, stand ihnen beispielhaft das Schicksal der jüdischen Behinderten vor Augen.

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Rudolf Dilloff war als Soldat im Ersten Weltkrieg verschüttet worden war und schwer traumatisiert („nervenkrank“) heimgekehrte, lebte von 1920 bis zur Deportation in der Landesheilsanstalt Haina. Die NS-Schergen kümmerte sein Einsatz fürs Vaterland nicht. Sie ordneten für das Hospital Haina zuerst die Vernichtung der jüdischen Patienten an, die in verschiedenen Transporten zu den Euthanasie-Mordstätten abgeholt wurden. Die Juso-Gruppe bezog auch Dilloffs ermordete Schwestern Recha Joseph und Hedwig Heinrich in ihr Gedenken ein.
Seit 2012 reinigt alljährlich die die SPD-Jugend aus Frankenberg in eigener Initiative, ausgerüstet mit speziellem Putzzeug, die 38 im Stadtgebiet vom Künstler Gunter Demnig verlegten kleinen Metall-Gedenkplatten. Sie verbindet dies in Erinnerung an die Reichspogromnacht mit einem öffentlichen Stadtrundgang, mehrfach begleitet von Zeitzeugen. In diesem Jahr traf die Gruppe auf dem Obermarkt Edmund Völker, der ihnen davon berichtete, wie die Nazi-Schläger am 9. November 1938 die Frankenberger Synagoge im Scharwinkel verwüsteten und die Thora-Rollen im Freien anzündeten: „Ich habe dies als Kind miterlebt.“

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Pandemiebedingt verzichtete die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer auf die Nachbereitung des Stadtrundgangs zu den Stolpersteinen wie bisher bei einem „Kaffeeplausch mit Tiefgang“. Zusammen mit den Frankenberger Jungsozialisten und ihrer Vorsitzenden Jessica Heß lud sie stattdessen vorher vor dem Rathaus während des Wochenmarktes interessierte Passanten zum Kaffee und Gespräch über NS-Gewalt damals und den heute wieder erstarkenden Rechtsextremismus ein. Gemeinsam dachte die Juso-Gruppe des im April im Alter von 92 Jahren verstorbenen Zeitzeugen Fritz Neuschäfer, der ihr regelmäßig als Gesprächspartner für die NS-Zeit zur Verfügung gestellt hatte.

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