Auf den Pfaden des Rechts im Paderborner Land

Kreis Paderborn (krpb). Ein gräfliches Patrimonialgericht, „moderne“ Gefängniszellen aus dem 18. Jahrhundert, die älteste noch erhaltene Fachwerksynagoge Westfalens und die facettenreiche Biografie eines jüdischen Pädagogen – all das erlebten über 30 Interessierte auf einer Bus-Exkursion der Arbeitsgruppe „Streitkulturen – Herren, Hexen und Halunken im Hochstift Paderborn“. Die Bustour zu Stätten der Rechtsgeschichte war zugleich der öffentliche Auftakt für ein Projekt, das bekannte und weniger bekannte Orte im südlichen Paderborner Land und in angrenzenden Gebieten bekannter machen möchte. Unter der Federführung des Kreismuseums Wewelsburg und seines Fördervereins sowie weiterer Projektpartner sollen diese Orte zu einer neuen touristischen Marke auf- und ausgebaut werden.

Unter der Reiseleitung von Andreas Weiß, stellvertretender Leiter des Kreismuseums, besuchte die Gruppe zunächst das Alte Patrimonialgericht in Fürstenberg als herausragendes rechtsgeschichtliches Zeugnis und Bauwerk der Region. Der Historiker Frank Huismann und Bernhard Nolte, der das Museum in Fürstenberg mitbetreut, erzählten vom Fluch und Segen dieser juristischen Einrichtung der Grafen von Westphalen, da der Weg zum Notar oder Richter nicht weit war und dementsprechend häufig eingeschlagen wurde. Die Zellen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erzeugten zwar bei allen Teilnehmenden ein Gruseln, waren aber, wie Nolte betont, für ihre Erbauungszeit durchaus modern: Sie besitzen relativ hohe Decken und vergitterte Oberlichter zum Gang für eine bessere Durchlüftung.

Nach einer Einführung in die verwickelte Besitz- und Familiengeschichte der Herren von Padberg während des Mittagessens in Helminghausen öffnete eine weitere baugeschichtliche Sehenswürdigkeit ihre Pforte für die Exkursion: Die Synagoge in Padberg, die älteste noch erhaltene Fachwerksynagoge Westfalens. Zwei Vorträge von Claudia Linnenbrink vom Förderverein Ring Padberg e. V. machten mit der Baugeschichte dieses Gotteshauses, der Geschichte der Juden in Padberg und ihrer Begräbnisrituale vertraut. Die besondere Rechtstellung der Landjuden am Beispiel Padbergs bildet eine weitere spannende Facette im Gesamtprojekt „Streitkulturen“. Passend dazu bot die Veranstaltung am Ende eine Führung durch die aktuelle Sonderausstellung „Aus zwei Quellen“ des Kreismuseums Wewelsburg. Kuratorin Frauke Pixberg informierte in ihrem Rundgang über das noch wenig bekannte Leben und Werk des jüdischen Pädagogen und Schriftstellers Jakob Loewenberg (1856 – 1929), der aus Niederntudorf stammte.

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Die Exkursion wird im kommenden Jahr mit einer veränderten Reiseroute, zu anderen Stätten von „Streitkulturen“ angeboten. Bis dahin soll auch eine handliche Broschüre fertig sein, die auf etwa 96 Seiten alle historischen Orte vorstellt und mit Karten und touristischen Hinweisen angereichert sein wird.

Hintergrund:

Zahlreiche Stätten der Rechtsgeschichte prägen im südlichen Paderborner Land und im angrenzenden Hochsauerlandkreis die Kulturlandschaft und ihre Geschichte. Teilweise sind sie Bestandteil musealer Einrichtungen, wie der „Hexenkeller“ im Kreismuseum Wewelsburg oder das „Alte Patrimonialgericht“ in Bad Wünnenberg-Fürstenberg. Teilweise handelt es sich um wenig geläufige Sehenswürdigkeiten in Ortschaften, wie zum Beispiel einstige Hinrichtungsplätze bei Fürstenberg oder der Schandpfahl in Obermarsberg. In jedem Falle sind diese Orte prägende Bestandteile der Kulturlandschaft, die im gemeinsamen Projekt bekannter gemacht werden sollen. Das Projekt „Streitkulturen – Herren, Hexen und Halunken im Hochstift Paderborn“ wird im Rahmen der LEADER Aktionsgruppe „Südliches Paderborner Land“ als Projekt aus dem Bereich der Natur- und Kulturlandschaft EU-gefördert.

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