Statt Viktor Jerofejew kommt Rüdiger von Fritsch

Früherer deutscher Botschafter in Moskau spricht über Putin und die Welt im Umbruch – Russischer Star-Autor Jerofejew sagte überraschend ab – Noch Karten verfügbar

Ellershausen(Klaus Brill). Überraschung beim „Literarischen Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“: Nach der unerwarteten Absage des russischen Star-Autors Viktor Jerofejew ist es den Organisatoren gelungen, für die am Mittwoch, dem 24. April, geplante Veranstaltung über den russischen Machthaber Wladimir Putin und die Hintergründe seines Angriffskrieges gegen die Ukraine den langjährigen deutschen Diplomaten Rüdiger von Fritsch als Gast zu gewinnen. Der Spitzenbeamte war bis 2019 deutscher Botschafter in Moskau und hat in den vergangenen Jahren drei erfolgreiche Bücher über seine Erfahrungen veröffentlicht. In seinem jüngsten Werk „Welt im Umbruch‘“ wirft er die Frage auf, welche geopolitischen Umwälzungen der russische Angriff auslösen und was nach nach dem Krieg kommen könnte. „Rüdiger von Fritsch ist wie kaum ein anderer mit allen Feinheiten der deutsch-russischen Beziehungen vertraut und hat brillante Analysen zur aktuellen Entwicklung vorgelegt“, erklärte die Festival-Leiterin Christiane Kohl. „Wir schätzen uns glücklich, dass dieser hervorragende Kenner der Materie zu uns kommt.“


Der Auftritt des Bestseller-Autors ist für Mittwoch nächster Woche um 19 Uhr in Metzen Altem Kuhstall in Ellershausen vorgesehen. Moderator ist der Journalist Thomas Urban, der lange Jahre für die Süddeutsche Zeitung als Korrespondent in Moskau und Warschau tätig war und auch selbst mehrere Bücher veröffentlicht hat. Ursprünglich sollte er zum genannten Zeitpunkt ein Gespräch mit dem bekannten russischen Schriftsteller Viktor Jerofejew führen, der dabei seinen neuen Roman „Der große Gopnik“ vorstellen wollte. Jerofejew hatte jedoch am Wochenende den Organisatoren überraschend mitgeteilt, dass er den Termin aus persönlichen Gründen nicht wahrnehmen könne. Alle Besucherinnen und Besucher, die bereits ein Ticket für das Treffen mit Jerofejew besitzen, haben damit auch Zutritt zu der Veranstaltung mit Rüdiger von Fritsch. Wer dies nicht möchte, kann die Eintrittskarte dort zurückgeben, wo sie erworben wurde, um eine Erstattung dafür zu bekommen. Für Gäste, die bisher noch kein Ticket hatten und nun den deutschen Spitzendiplomaten hören möchten, gibt es noch zusätzliche Karten: Diese sind entweder bei den Organisatoren oder auf der Website www.literarischer-fruehling.de und über Reservix zu bekommen, wo eigens eine neue Buchungsmaske für die Veranstaltung erstellt wurde.


Rüdiger von Fritsch hat im diplomatischen Dienst eine eindrucksvolle Karriere absolviert. Schon in der Zeit vor 1989 war er als Referent der deutschen Botschaft in Warschau mit dem revolutionären Umbruch in Mittel- und Osteuropa befasst. Später war er in Nairobi und Brüssel Amt tätig. Unter dem Bundespräsidenten Johannes Rau leitete er von 1999 bis 2004 dessen Planungsstab, anschließend war er Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes und Abteilungsleiter im Auswärtigen Amt. 2010 kehrte Rüdiger von Fritsch als deutscher Botschafter nach Warschau zurück, von 2014 bis 2019 leitete er schließlich die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik in Moskau und traf in dieser Funktion vielfach auch mit Wladimir Putin zusammen.
Aufsehen erregte der Autor schon 2009 durch sein Buch „Die Sache mit Tom“, in dem er ein politisches Abenteuer aus seiner Jugend erzählte. Als 20-Jähriger hatte er gemeinsam mit seinem Bruder 1973 einem in der DDR lebenden Cousin und dessen beiden Freunden zur Flucht in den Westen verholfen. Mit eigenhändig gefälschten Ausweisen schleusten sie die jungen DDR-Bürger, als westliche Weltenbummler getarnt, in Bulgarien über die türkische Grenze. Neben Rüdiger von Fritsch werden beim „Literarischen Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ in den kommenden zwei Wochen auch wieder viele andere prominente Autorinnen und Autoren erwartet. Zu ihnen zählen der frühere Bundespräsident Joachim Gauck sowie Adriana Altaras, Thea Dorn, Durs Grünbein, Terézia Mora, Anne Rabe, Rüdiger Safranski, Denis Scheck, Stephan Thome und Jan Wagner – „allesamt Persönlichkeiten, die zur ersten Garde der deutschen Gegenwartsliteratur zählen“, wie die Festival-Leiterin Christiane Kohl erklärt. Besondere Akzente setzen der Lyriker Jan Wagner mit einer Lesung in einer Backstube sowie der als „Tatort“-Kommissar bekannte Schauspieler Jörg Hartmann mit einem Erinnerungsbuch und der Autor Rafik Schami mit seinen orientalischen Erzählungen.  Eröffnet wird das Festival am Samstag, dem 20. April von dem preisgekrönten Dresdener Autor Durs Grünbein, der in seinem neuen Roman „Der Komet“ die Alltagserfahrungen seiner Großmutter und ihres Mannes, eines Metzgers, in der Nazi-Zeit literarisch aufarbeitet – bis hin zur berühmten Dresdener Bombennacht vom 14. Februar 1945. Moderator ist der bekannte Fernseh-Journalist Denis Scheck. Ein Grußwort spricht der neue hessische Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels (SPD), aus Kassel. Schon am Freitagabend findet im Hotel Schloss Waldeck ein Pre-Opening mit der Schauspielerin Adriana Altaras statt. Sie präsentiert bei einem Lese-Dinner ihr Buch „Besser allein als in schlechter Gesellschaft“ über ihre Tante Jelka und das Schicksal ihrer jüdischen Familie.

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