Gleichberechtigung leben – VdK fordert Verbesserungen der Rahmenbedingungen

Bottendorf(pm). Der VdK Bottendorf traf sich anlässlich des Equal Pay Day, um über Gleichberechtigung zu sprechen. Noch klafft dieselbe große Lücke zwischen den Verdiensten von Frauen und Männern. Wie 2021 hat das Statistische Bundesamt auch für 2022 beim Bruttostundenlohn einen Abstand von 18 Prozent zwischen dem Einkommen von männlichen und weiblichen Beschäftigten ermittelt. „Die Gründe für die Lohnungerechtigkeit sind vielfältig“, erklärt Dr. Daniela Sommer, Landesfrauenvertreterin im Sozialverband VdK Hessen-Thüringen und Vorsitzende des VdK Bottendorf, bei der Veranstaltung im August-Winnig-Heim: „Frauen arbeiten häufig in Branchen mit schlechteren Verdienstmöglichkeiten. Das sind zum Beispiel der Einzelhandel und die Gastronomie, aber auch soziale Berufe. Bei der Kindertagesbetreuung etwa beträgt der Frauenanteil 93 Prozent, in den Gesundheitsberufen sind vier von fünf Arbeitskräften weiblich.“


Auch der Niedriglohnsektor bleibt vornehmlich eine Frauendomäne: 61 Prozent der Beschäftigten hier sind ebenfalls weiblich. „Das allein erklärt den Unterschied im Einkommen aber nicht“, sagt Daniela Sommer: „Selbst bei gleicher Qualifikation, Arbeitszeit und identischem Arbeitsplatz geht der männliche Kollege am Monatsende mit sieben Prozent mehr Lohn nach Hause als seine Kollegin.“ Sommer erinnerte zudem an die Anfänge des Kampfes um Gleichberechtigung: So wurde 1918 das Wahlrecht für Frauen erstritten, 1949 setzt Elisabeth Selbert gemeinsam mit anderen Frauen durch, dass der „Satz Männer und Frauen sind gleichberechtigt ins Grundgesetz“ aufgenommen wird, 1959 wird das „Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter“ als Grundlage für den Mutterschutz verabschiedet, erst ab 1969 wurde eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen und durfte u.a. ein Konto eröffnen, 1977 wurde das Ehe- und Familienrecht reformiert und 2022 der Paragraph 219a abgeschafft – um einige Meilensteine hervorzuheben. Das bislang Erreichte ist vor Rückschritten nicht gefeit und die Corona-Pandemie zeigte deutlich, dass weiterhin Frauen die Mehrfachbelastungen tragen mussten.


„Zum diesjährigen Equal Pay Day fordert der VdK daher nicht nur endlich eine gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, sondern auch die Gründung echter Ganztagsschulen und kostenlose Plätze in Kitas und Krabbelstuben für alle Kinder. Es braucht zudem Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote für Frauen, flexible und familienfreundliche Arbeitsbedingungen sowie bessere Rahmenbedingungen für unbezahlte Sorgearbeit von der Kinderbetreuung bis zur Pflege“, so Andrea Grün-Greese, die Vertreterin der Frauen des VdK-Ortsverbandes Bottendorf. Für Pflegende muss es aus Sicht des VdK einen angemessenen finanziellen Ausgleich geben, dessen Höhe sich nach dem Pflegegrad richtet. „Auch bei der Rente müssen Pflegezeiten stärker berücksichtigt werden als bisher, um die Altersarmut von Frauen wirksam zu bekämpfen“, so Daniela Sommer abschließend.

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.