Stadtkrankenhaus verabschiedet Prokuristin nach drei Jahrzehnten: Marlies Reinhardt geht in den Vorruhestand

Korbach(pm). Nach 31 Dienstjahren im Stadtkrankenhaus Korbach verabschiedet sich Marlies Reinhardt, Prokuristin und Personalchefin, in den Vorruhestand. In der herausragenden Führungsposition begleitete sie in dem Zeitraum fünf Geschäftsführer und hat die Entwicklungen zum heutigen Hochleistungskrankenhaus organisatorisch und personell begleitet. „Ob es um die digitale Revolution durch Einführung der elektronischen Datenverarbeitung ging, die fundamentale Umstellung von den Tagespflegessätzen auf Fallpauschalen, die Implementation eines Qualitätsmanagementsystems, die Inbetriebnahme neuer Einrichtungen (z.B. Bewegungsbad, Therapiehalle, Geriatrie, Herzkathetermessplatz) oder ob es um die Änderungen infolge der Schließung der eigenen Wäscherei ging, um Telemedizin, um die gescheiterten Fusionspläne mit den Nachbarkliniken, die existenziell wichtige Gründung der Servicegesellschaften, die Anbindung von Facharztpraxen, die Gründung des Medizinischen Versorgungszentrums, die Kooperationen mit anderen Kliniken, die notwendige Spezialisierung in allen Abteilungen, die Übernahme des Hauses am Nordwall oder um die Planung und Inbetriebnahme der großen Erweiterungsbauten mit ihren vielen zu lösenden personellen und organisatorischen Fragen. Immer war auch die Personalchefin beteiligt“, resümiert Wolfgang Kluß als ehemaliger Geschäftsführer der Klinik.

Ein Anlass für die heutigen Funktionsträger im Stadtkrankenhaus die letzten drei Jahrzehnte Revue passieren zu lassen. Personalratsvorsitzende Annette Boldt sprach anlässlich der Pensionierung über die Mitarbeiterentwicklung und die zahlreichen Erweiterungen. Mit einem Gesamtgewicht von 888 g überreichte sie der scheidenden Prokuristin einen großen Korb Süßigkeiten. „888 g stehen für 888 Mitarbeiter, die heute zum Stadtkrankenhaus zählen. Als Sie bei uns gestartet sind waren es noch 300 Mitarbeiter“, so Boldt. Ärztlicher Direktor Dr. Arved-Winfried Schneider brachte dies in seinen Dankensworten auf den Punkt: „Seit 31 Jahren haben Sie das Personal des Stadtkrankenhauses fest in ihren Händen gehalten. Den größten Überblick über die Gesamtheit der Mitarbeiter des Krankenhauses hatten in den vergangenen Jahren Sie, mit Einblick in alle Teilbereiche. Sie sind dabei zu einer festen Institution des Hauses geworden, deren Fehlen in der Zukunft kaum vorstellbar ist.“

Die mittlerweile ebenfalls im Ruhestand befindliche ehemalige Pflegedienstleiterin, Gerlinde Stremme, hat 30 Jahre mit Marlies Reinhardt zusammengearbeitet. „Frau Reinhardt kam 1991, das war kurz nach der Wende, vom Klinikum Kassel ins Stadtkrankenhaus und ich kann sagen, Sie hat auch in der Klinik mit ihren sieben Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Tapferkeit, Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe eine kleine Wende vollbracht“, resümierte Stremme. „Gemeinsam haben wir das Feld der zahlreichen Krankenhausreformen beackert: Marlies Reinhardt im Bereich Personal und ich in der Pflege.“ Für künftig weniger Stress und mehr Muße überreichte Gerlinde Stremme ihr symbolisch ein Handgerät zur „Beackerung des heimischen Gartens“. In Anlehnung daran brachte Mareike Richter in ihrer Funktion als Stellvertretende Pflegedirektorin eine Blütenzauberbox für den Garten mit. „Wenn man denkt, das man am Ende einer Sache steht, steht man oft am Anfang einer neuen Sache. Und wenn die Blumen aus dem Set aufgehen, dann denken Sie vielleicht an das Team der Pflegedirektion und die vielen Dinge, die wir gemeinsam geschafft haben: Stationsschließungen und Umstrukturierungen inkl. Personalverschiebungen, Wirtschaftspläne, Personalbesetzungen in den verschiedenen Bereichen, Krisengespräche, wenn das Personal knapp war aber die Arbeit doch da“, so Richter.

Geschäftsführer Sassan Pur verdeutlichte die lange Zugehörigkeit: „11.532 Tage sind Sie heute im Stadtkrankenhaus. Gemessen daran begleite ich Sie mit 1.438 Tagen gerade einmal zwölf Prozent dieser Zeit“, so der Klinik-Chef. „Aber ich kann behaupten: Wir waren vom ersten Tag an ein sehr gutes Team und ich werde Sie vermissen.“ Pur verlas zudem einen persönlichen Brief von Wolfgang Kluß, der als Geschäftsführer im Stadtkrankenhaus insgesamt 16 Jahre mit der scheidenden Prokuristin zusammengearbeitet hatte, aber nicht persönlich erscheinen konnte. Kluß erinnerte an die historischen Wendungen im Stadtkrankenhaus und beschreibt diese folgendermaßen: „1991 befand sich das Stadtkrankenhaus Korbach in einer existenziell höchst kritischen Lage. In den Jahren zuvor waren hohe Verluste eingefahren worden. Die Patientenzahlen hatten mit jährlich 5.400 Patienten einen historischen Tiefstand erreicht. Die Krankenkassen redeten unverhohlen davon, dass eine Krankenhauslandschaft in Waldeck auch ohne das Krankenhaus Korbach denkbar sei. Die Kassen rügten insbesondere die im Vergleich zur geringen Auslastung viel zu hohen Personalkosten. Tatsächlich gab es im Krankenhaus sehr viele Baustellen: Insbesondere personelle, organisatorische, aber auch richtige mit Schmutz und Presslufthämmern. Mit seinen vielen kleinen Abteilungen war das Haus wirtschaftlich nicht zu betreiben und war auch wenig attraktiv. Es hatte überwiegend 3- und 4-Bettzimmer, die lediglich mit einem Waschbecken ausgestattet waren. Die Gemeinschaftstoiletten waren nur über den Flur erreichbar. Die meist vollgestellten engen Gänge, damals normal, würden heute eher an ein Flüchtlingslager erinnern. Es gab ein einziges Telefon für alle Patienten des Hauses unten an der Pforte, die man mit seinem kleinen Fensterchen tatsächlich für eine mittelalterliche Klosterpforte halten konnte. In einer schwierigen Lage war auch die Personalabteilung. Sie, liebe Frau Reinhardt, haben zunächst als inoffizielle, später dann als offizielle Personalleiterin aus der chaotischen eine leistungsfähige Personalabteilung geschmiedet. Schon nach kurzer Zeit wurde in der Abteilung motiviert und strukturiert gearbeitet und stand das notwendige Zahlenmaterial zur Verfügung. Auch ist es Ihnen in der Ihnen eigenen Art gelungen, in einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Personalrat, der Pflegedienstleitung, den Chefärzten usw. immer wieder die anstehenden Probleme zu lösen – trotz natürlich oft unterschiedlicher Interessenlagen.“ Armin Müller, Geschäftsführer von 2005 bis 2010, beschreibt Marlies Reinhardt als loyal, fleißig, korrekt, bescheiden, zuverlässig, kompetent und spricht von einem „gewissen Schalk“, der hin und wieder aufgeblitzt sei. Christian Jostes, Geschäftsführer von 2014 bis 2019, spricht von einem „immer verlässlichen Ruhepol, der mit großer Souveränität, Professionalität und klarem Blick den wichtigen Personalpart gesteuert hat“. Wenn sie ihn vertreten musste, habe er das Haus in guten Händen gewusst.

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