„Europäischer Tag des Notrufs“ : Im Notfall 112 – Ein Notruf kann Leben retten

Kassel(pm). Im Notfall 112 wählen: In der gesamten EU und weiten Teilen Europas gibt es unter der Nummer des „Euronotrufs“ schnelle Hilfe bei Bränden, Unfällen oder medizinischen Notlagen. Hieran erinnert das Regierungspräsidium (RP) Kassel, das den Leitstellentechnischen Dienst in Hessen betreibt, zum „Tag des Notrufs“ am 11. Februar. „Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst. Wo genau ist der Notfallort?“ Auf den ersten Blick lesen sich die zwei Sätze als eher untypischer Einstieg in ein Gespräch. Dabei ist die Wortwahl der Leitstellenbeschäftigten wohlüberlegt, wenn ein Notruf über die Nummer 112 eingeht. Wie funktioniert so ein Notruf eigentlich? Was hat es mit den fünf W-Fragen auf sich und wie leistet die Leitstelle Hilfe? Zu diesen Fragen gibt Ansgar Knott, Leiter der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst im Werra-Meißner-Kreis, zum Tag des Notrufs Auskunft.

Leiter der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst im Werra-Meißner-Kreis Ansgar Knott. Foto Werra-Meißner-Kreis
In jedem Landkreis eine Leitstelle

Doch zunächst zu den Fakten. In Hessen gibt es insgesamt 25 aktive Zentrale Leitstellen für Feuerwehr und Rettungsdienst. Angesiedelt sind diese in jedem Landkreis oder kreisfreien Stadt. Eine Ausnahme bildet die Leitfunkstelle Kassel, die für das Stadtgebiet und den Landkreis zusammen tätig wird. Über die europaweit einheitliche Notrufnummer 112 erreicht man eine oder einen der dort arbeitenden Leitstellendisponentinnen oder Leitstellendisponenten. Eine „falsche“ Leitstelle gibt es an dieser
Stelle nicht. Die Zuordnung findet automatisch über die Einwahl des Telefons in das Funknetz statt. Beim Absetzen eines Notrufes wird dieser durch einen freien
Leitstellendisponenten entgegengenommen. Die Notrufannahmezeit liegt hier im Schnitt bei unter zehn Sekunden. Das Gespräch beginnt dabei recht knackig: Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst. Wo genau ist der Notfallort? „Ohne Kenntnis über den Ort des Ereignisses geht nichts“, betont Ansgar Knott. Selbst wenn nach Durchgabe des Notfallortes der Kontakt abbricht, kann so noch Hilfe geschickt werden.

Auf klare Informationen kommt es an

Die Leitstellendisponenten führen daraufhin aktiv durch das Gespräch und holen rasch und strukturiert die benötigten Informationen ein. Auf Höflichkeitsfloskeln wird aufgrund der Dringlichkeit verzichtet. Der Verlauf der strukturierten Notrufabfrage orientiert sich hierbei an den  Inhalten der fünf W-Fragen:
• Wo ist der Notfallort?
• Wer ruft an?
• Was ist geschehen?
• Wie viele Betroffene gibt es?
• Warten auf Rückfragen!
Eine Bindung an das Vorgehen gibt es jedoch nicht, die Disponenten können spezifisch auf das Ereignis reagieren. Dafür verfügen sie über eine entsprechende Ausbildung. „Die Beschäftigten in den Leitstellen müssen Feuerwehr- und Rettungsdiensthintergrund haben“, so Knott. Die Mindestqualifikation zum Einstieg in die Tätigkeit des Disponenten umfasst mindestens die Qualifikation als Gruppenführer bei einer Feuerwehr sowie einer Qualifikation zum Rettungssanitäter mit mindestens einjähriger Berufserfahrung. Dazu kommt noch die spezifische mehrwöchige Leitstellenausbildung an der Hessischen Landesfeuerwehrschule sowie einzelne Abschnitte im Rahmen der Standortausbildung, erklärt Ansgar Knott.

Je besser die Qualität der Informationen umso schneller kann ein Notrufgespräch bearbeitet werden. Hindernisse sind dabei nicht auszuschließen: Sprachbarrieren, fehlende Ortskenntnis oder die Überforderung mit der Situation als Anruferin oder Anrufer sind hier nur einige Beispiele. Das bedeutet aber nicht, dass erst nach Gesprächsende die notwendige Hilfe durch Feuerwehr oder Rettungsdienst alarmiert wird. „Bereits während der Notrufabfrage ordnen die Leitstellendisponenten
das Ereignis einem bestimmten Einsatzstichwort zu. So sind sie in der  Lage, die Einsatzmittel und somit den Rettungsdienst bzw. die Feuerwehr noch während des Gesprächs aus dem Leitstellensystem heraus zu alarmieren“, so der Leiter der Leitstelle. „Das passiert im Hintergrund. Die derzeit freien Kollegen in der Leitstelle können ebenfalls auf den angelegten Einsatz zugreifen und übernehmen dann die weitere Kommunikation mit den alarmierten Einsatzmitteln.“ Dieses Vorgehen eröffnet den Disponenten die Möglichkeit, die Anrufer so lange wie nötig zu betreuen. Hierzu zählt nicht nur die weitere Informationseinholung, sondern auch die Weitergabe von konkreten Handlungsanweisungen bis zum Eintreffen der professionellen Rettungskräfte.

Telefonreanimation: Unterstützung für die Anrufenden

Ein prägnantes Beispiel hierfür stellt die Telefonreanimation dar. Sobald die Notrufabfrage eine nicht ansprechbare Person mit unzureichender Atmung identifiziert, versuchen die Leitstellendisponenten, die Anrufenden zu einer Reanimation anzuleiten. „In solchen Fällen bleiben wir so lange am Telefon, bis wir selbst die Kollegen von Rettungsdienst und/oder Feuerwehr am Ende der Leitung hören“, führt Knott aus. Die Anrufenden dabei abzuholen und zu motivieren, zählt hier mit zu den
Kernaufgaben. „Aus der beruflichen Tätigkeit im Rettungsdienst sind wir es gewohnt, selbst zu agieren“, sagt Knott. Bei der Tätigkeit als Leitstellendisponent sind jedoch die Anrufer ausführendes Organ und brauchen jegliche telefonische Unterstützung. Im ersten Schritt werden die Anrufer gebeten das Telefon auf Lautsprecher zu stellen, damit die Hände frei sind. Außerdem wird auf den Vorrang des Eigenschutzes hingewiesen. Wenn eine Herz-Lungen-Wiederbelebung unter Ausschluss der eigenen Gefährdung möglich ist, muss der Patient in Rückenlage auf einem nicht federnden Untergrund gebracht werden. Dann folgen die weiteren Handlungsanweisungen zur richtigen Beatmung und Thorax-Kompression. „Wir helfen den Anrufenden falls nötig, den richtigen Druckpunkt zu finden und erklären,
wie tief sie an dieser Stelle wirklich drücken müssen. Zusätzlich können wir ein akustisches Signal direkt im Telefon wiedergegeben, das die richtige Druckfrequenz vorgibt.“

Eine Viertelmillion Notrufe im Regierungsbezirk

Ein Großteil der Notrufeingänge resultiert tatsächlich in Einsätzen innerhalb des Rettungsdienstbereiches. Im Jahr 2022 gab es in den sechs Leitstellen des Regierungsbezirkes Kassel 256.034 Anrufe über die Notrufnummer 112. Insgesamt wurden durch die sechs Leitstellen im Regierungsbezirk Kassel 269.125 Rettungsdiensteinsätze und 13.454 Feuerwehreinsätze disponiert. Letztlich nehmen die Leitstellen für den Rettungsdienst und die Feuerwehren eine wesentliche Aufgabe im Rahmen der öffentlichen Sicherheit wahr. „Die Anrufenden können sich darauf verlassen, dass bei einer benötigten Hilfe über die einheitliche Rufnummer 112 schnell die richtigen und notwendigen Einsatzmittel disponiert werden“, so Ansgar Knott abschließend.
Hintergrund:
Der Leitstellentechnische Dienst (LTD) des RP Kassel leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Funktionsfähigkeit aller Zentralen Leitstellen in Hessen ständig gewährleistet ist. Dies umfasst die Leitstellen von Feuerwehren und Rettungsdiensten, aber auch weiterer für die Krisenkommunikation erforderlicher Stellen und Einrichtungen, wie etwa die Standorte der Rettungshubschrauber. Der LTD ist für den reibungslosen technischen Betrieb der Kommunikations- und Funktechnik an 365 Tagen im Jahr verantwortlich. Dies wird u.a. durch eine dauerhafte Rufbereitschaft gewährleistet. Hierdurch können die Mitarbeitenden des LTD im Bedarfsfall eine schnelle Entstörung in ganz Hessen durchführen. Hierzu betreibt der LTD zusätzlich eine Test- und Release-Plattform mit allen erforderlichen technischen Komponenten. Neben diesen Tätigkeiten ist der LTD mit weiteren Sonderaufgaben für das Land Hessen betraut. Hierunter fallen die Unterstützung bei der Sicherstellung der Informations- und Kommunikationsstrukturen bei Großschadenslagen, Krisen oder im Katastrophenfall. Außerdem übernimmt der LTD die Planung und Durchführung von Projekten zur Erweiterung und Modernisierung des Funktionsumfanges der Leitstellen in Hessen. Nähere Informationen zum Leitstellentechnischen Dienst und der Arbeit des Brand- und Katastrophenschutzes beim RP Kassel gibt es im Internet unter:
https://rp-kassel.hessen.de/sicherheit/gefahrenabwehr.

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