Winter lässt Arbeitslosigkeit steigen

Quote bei 3,2 Prozent, Kurzarbeits-Anzeigen nehmen wieder zu
Korbach(pm). Der Beginn der kalten Jahreszeit macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. So waren im Dezember in den Kreisen Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder mit 5960 Arbeitslosen 183 mehr gemeldet als im November, das entspricht einem Plus von 3,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Korbach steigt von 3,1 auf 3,2 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 4,4 Prozent gelegen, damals waren 7081 Menschen ohne Arbeit. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bewege sich im Durchschnitt der vergangenen Jahre und sei kein Grund zur Sorge, kommentiert der Leiter der Korbacher Agentur für Arbeit, Uwe Kemper. Gleichzeitig nähmen jedoch die Anzeigen von Kurzarbeit wieder zu. „Dies geht sicher sowohl auf die Corona-bedingten Einschränkungen als auch auf globale Einflüsse wie gestörte Lieferketten zurück.“ Eine gewisse Unsicherheit auf Arbeitsgeberseite macht Kemper auch daran fest, dass weniger Arbeitslose als im vorigen Jahr in eine Erwerbstätigkeit gewechselt sind. „Mit Einstellungen halten sich die Arbeitgeber derzeit etwas zurück – das ist einerseits der kalten Jahreszeit geschuldet, andererseits wird auch Sorge vor dem weiteren Verlauf der Pandemie eine Rolle spielen.“ Bei Betrachtung der einzelnen Personengruppen ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit insbesondere bei den Männern (plus 5,7 Prozent) und bei den Älteren (plus 3,4 Prozent) zu beobachten. Demgegenüber stagniert die Arbeitslosigkeit bei den Frauen und Ausländern, bei den Jüngeren ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Der Zuwachs bei der Arbeitslosigkeit geht zum größten Teil auf den Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) zurück. Die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld stieg um 171 auf 2733 (plus 6,7 Prozent), während es bei den Beziehern von Grundsicherung (Rechtskreis SGB II) nur 12 Personen mehr waren (jetzt 3227, plus 0,4 Prozent). Als positiv sieht Kemper, dass der stetige Aufbau der Langzeitarbeitslosigkeit im Jahresvergleich gestoppt ist. Nachdem die Zahl im Monatsvergleich seit Mai sinkt, ist für Dezember erstmals seit längerem auch ein niedriger Wert als im Vorjahr zu verzeichnen. 1803 Langzeitarbeitslose waren im Dezember gemeldet, das sind 29 weniger als im November und 53 weniger als im Dezember 2020. Der Bestand an offenen Stellen im Agenturbezirk ist seit November zwar etwas zurückgegangen auf jetzt 3762 (minus 102). Damit sind aber 1246 mehr Stellen zu besetzen als vor einem Jahr, das entspricht einem Zuwachs um 49,5 Prozent. Auch der Vergleich mit dem Dezember 2019 vor der Pandemie ergibt ein ausgeprägtes Plus: Damals waren 2794 offene Stellen gemeldet, 968 weniger als in diesem Jahr. Die meisten Arbeitskräfte wurden im Dezember in der Zeitarbeit (991), im Gesundheits- und Sozialwesen (605) und im verarbeitenden Gewerbe (469) gesucht. Im Agenturbezirk haben bis zum 27. Dezember 72 Betriebe neu Kurzarbeit angezeigt, die bis zu 778 Beschäftigte betreffen kann. Im November hatte es 26 neue Anzeigen für maximal 415 Personen gegeben. Im Dezember vor einem Jahr waren es 331 neue Anzeigen für bis zu 2389 Beschäftigte, im Dezember 2019 vor der Pandemie 12 Anzeigen für maximal 551 Beschäftigte. Ob und in welchem Umfang die Betriebe tatsächlich kurzarbeiten, wird erst mit der Abrechnung deutlich, für die sie drei Monate Zeit haben. Für diese realisierte Kurzarbeit gibt es auf Agenturebene Hochrechnungen bis August, als in 389 Unternehmen insgesamt 2055 Beschäftigte kurzgearbeitet haben (Juli: 559 Betriebe, 2956 Beschäftigte).

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Die Arbeitsmarktzahlen in den Landkreisen:

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg waren im Dezember 2806 Menschen arbeitslos gemeldet, 62 mehr als im November (plus 2,3 Prozent) und 622 weniger als vor einem Jahr (minus 18,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote steigt auf 3,2 Prozent (plus 0,1 Prozentpunkte), im Vorjahr hatte sie bei 3,9 gelegen. Der Stellenbestand im Landkreis geht um 61 auf 2055 zurück, gegenüber Dezember 2020 entspricht das einem Zuwachs von 675 Stellen (Bestand Dezember 2019: 1622). 50 neue Kurzarbeits-Anzeigen gingen in Waldeck-Frankenberg ein, die für maximal 651 Personen gelten (November: 12 neue Anzeigen für bis zu 366 Beschäftigte). Im Dezember 2020 waren es 167 neue Anzeigen, für bis zu 1481 Personen. Auf Landkreisebene liegen Hochrechnungen zur tatsächlichen Kurzarbeit bis Juli vor: Danach waren in Waldeck-Frankenberg 1882 Beschäftigte in 322 Betrieben in Kurzarbeit (Juni: 3339 Personen in 519 Unternehmen).

Korbach mit Bad Wildungen. 1367 Menschen ohne Arbeit waren im Dezember in Korbach und Bad Wildungen gemeldet, 37 mehr als im November (plus 2,8 Prozent) und 209 weniger als vor einem Jahr (minus 13,2 Prozent). Die Quote erhöht sich um 0,1 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent, gegenüber Dezember 2020 entspricht das minus 0,5 Prozentpunkten.

Geschäftsstelle Frankenberg. 796 Arbeitslose verzeichnet die Geschäftsstelle Frankenberg im Berichtsmonat, 2 weniger als im Vormonat (minus 0,3 Prozent) und 278 weniger als im Dezember 2020 (minus 25,9 Prozent). In Frankenberg stagniert die Quote bei 2,8 Prozent (Dezember 2020: 3,7 Prozent).

Geschäftsstelle Bad Arolsen. 634 Menschen auf Jobsuche waren in der Geschäftsstelle Bad Arolsen erfasst. Im Vergleich zu November entspricht das einem Anstieg um 27 Personen (plus 4,4 Prozent) und zu Dezember des Vorjahres einem Rückgang um 135 Personen (minus 17,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote steigt von 3,5 auf 3,6 Prozent (Dezember 2020 4,3 Prozent).

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Landkreis Schwalm-Eder. 3154 Arbeitslose waren im Dezember im Schwalm-Eder-Kreis registriert, 121 mehr als im November (plus 4,0 Prozent) und 499 weniger als im Vorjahresmonat (minus 13,7 Prozent). Die Quote liegt mit 3,2 Prozent um 0,1 Prozentpunkte höher als im November und um 0,5 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahresmonat. 1707 offene Stellen waren im Landkreis gemeldet, 41 weniger als im November und 571 mehr als im Dezember 2020 (Dezember 2019: 1172). Im Schwalm-Eder-Kreis haben 22 Betriebe für maximal 127 Mitarbeiter neu Kurzarbeit angezeigt (November: 14 Anzeigen für bis zu 49 Beschäftigte, Dezember 2020: 164 neue Anzeigen für bis zu 908 Personen). Nach der Hochrechnung über die tatsächliche Kurzarbeit haben im Juli im Landkreis 1074 Arbeitnehmer in 237 Betrieben kurzgearbeitet. Im Mai waren es 1973 Beschäftigte in 363 Betrieben.

Geschäftsstelle Fritzlar-Homberg. 1468 Arbeitslose waren in der Geschäftsstelle Fritzlar-Homberg erfasst – ein Zuwachs um 86 gegenüber November (plus 6,2 Prozent) und ein Rückgang um 165 im Vergleich mit dem Vorjahr (minus 10,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,1 Prozent. Im November hatte sie 3,0 Prozent betragen und im Vorjahresmonat 3,5 Prozent.

Geschäftsstelle Melsungen. In der Geschäftsstelle Melsungen waren im Dezember 817 Personen arbeitslos gemeldet, 19 weniger als vor vier Wochen (minus 2,3 Prozent) und 186 weniger im Jahresvergleich (minus 18,5 Prozent). Die Arbeitslosenquote sinkt erneut um 0,1 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent (Dezember 2020: 3,9 Prozent).

Geschäftsstelle Schwalmstadt. 869 Menschen auf Jobsuche zeigt die Dezember-Statistik für die Geschäftsstelle Schwalmstadt, gegenüber November ein Anstieg um 54 (plus 6,6 Prozent). Im Vergleich mit dem Vorjahr sind es 148 Arbeitslose weniger (minus 14,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,3 Prozent um 0,2 Prozentpunkt höher als im November, im Dezember vorigen Jahres hatte sie 3,8 Prozent betragen.

Jahresbilanz 2021 mit Licht und Schatten – Mehr Arbeitslose, mehr offene Stellen als im Jahr vor der Pandemie

Die Talsohle ist durchschritten, aber an die Werte vor der Pandemie kann der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Korbach nur zum Teil anknüpfen, wie sich aus der Jahresbilanz für 2021 ablesen lässt. Danach waren 2021 durchschnittlich 6884 Menschen in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder auf Jobsuche, vor einem Jahr waren es noch 7452 Arbeitslose (minus 569, minus 7,6 Prozent). Zum Vergleich: 2019 waren im Jahresdurchschnitt 6171 Menschen ohne Beschäftigung. Der Wert für 2021 liegt damit noch 11,6 Prozent über den Vor-Pandemie-Zahlen. Die Arbeitslosenquote für das Jahr sank 2021 von 4,0 auf 3,7 Prozent, im Jahr vor der Pandemie hatte sie bei 3,3 gelegen.

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Der Rückgang der Arbeitslosigkeit geht allein auf die Bezieher von Arbeitslosengeld (Rechtskreis SGB III) zurück (minus 15,2 Prozent), während es bei den Empfängern von Grundsicherung (SGB II) einen kleinen Anstieg von 0,4 Prozent gab. Am stärksten sank die Arbeitslosigkeit bei den jungen Menschen (minus 18,3 Prozent), am wenigsten bei den Älteren ab 55 Jahren (minus 0,3 Prozent). Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist um 23,4 Prozent gestiegen auf 2004 (2020: 1624). Der Bestand offener Stellen hat sich im Jahresvergleich um 30,3 Prozent erhöht (2021: 3328 Stellen, 2020: 2555) und liegt deutlich über dem Wert von 2019 (3102 Stellen, plus 7,3 Prozent im Zweijahresvergleich).„Mehr Arbeitslose, aber auch mehr offene Stellen als im Jahr vor der Pandemie“, bilanziert Uwe Kemper, Leiter der Korbacher Arbeitsagentur. „Das zeigt einmal mehr, dass die Wirtschaft in den beiden Landkreisen mit einem vielschichtigen Branchenmix recht robust aufgestellt ist. Gleichzeitig wird der große Arbeitskräftebedarf deutlich.“ Sein Appell: „Qualifizierung ist weiter der Schlüssel, um den Arbeitskräftebedarf zu sichern und Arbeitslosigkeit zu verhindern.“

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Landkreis Schwalm-Eder

Um 6,1 Prozent sank 2021 die Arbeitslosigkeit im Schwalm-Eder-Kreis. 3658 Menschen waren im Jahresdurchschnitt arbeitslos, 2020 waren es 3896 (minus 238). Die Arbeitslosenquote ging wie im gesamten Agenturbezirk von 4,0 auf 3,7 Prozent zurück (2019: 3,2). Der Stellenbestand im Jahresdurchschnitt erhöhte sich von 1132 auf 1502 (plus 32,7 Prozent). Zum Vergleich: 2019 waren 1370 Arbeitsplätze zu besetzen.

Landkreis Waldeck-Frankenberg

Die Zahl der Arbeitslosen in Waldeck-Frankenberg sank im Jahresvergleich um 331 bzw. 9,3 Prozent. Durchschnittlich 3226 Menschen waren 2021 auf Arbeitssuche, 2020 waren es noch 3557 Menschen gewesen (2019: 2994). Die Arbeitslosenquote reduzierte sich ebenfalls von 4,0 auf 3,7 Prozent (2019: 3,4 Prozent). Der durchschnittliche Bestand an offenen Stellen stieg von 1424 auf 1826 (plus 28,2 Prozent) und liegt damit höher als 2019 mit 1732 Stellen.

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