100 Tage im Amt – Landrat Christoph Rüther zieht erste Zwischenbilanz

Kreis Paderborn (krpb). Landrat Christoph Rüther ist längst angekommen in seinem neuen Amt. Warum das so ist, was er vermisst und was er verändern möchte, erläutert er in einer ersten Zwischenbilanz nach 100 Tagen.
Der Schreibtisch wirkt aufgeräumt. „Das liegt daran, dass ich große Schubladen habe“, lacht Rüther. Mit der Leitung der Kreisverwaltung und der Kreispolizeibehörde „sind das eine Menge Themen und Termine, es ist ordentlich was zu tun“. Um Punkt 7:15 Uhr wird er von zu Hause in Bad Wünnenberg abgeholt. Bereits die Fahrt zum Kreishaus wird optimal genutzt. „Da checke ich meine Mails, führe die ersten Telefonate und stelle mich auf den Tag ein“, erzählt Rüther. Wirklich Zeit zur Einarbeitung oder Eingewöhnung blieb ihm – dank Corona – nicht.

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„Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass die Impfung für alle in absehbarer Zeit verlässlich kommt“

Die Corona-Pandemie forderte ihn sofort als Krisenmanager. Die letzten Tage „haben mich richtig angepackt“, erzählt er. Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass die Impfung für alle in absehbarer Zeit verlässlich kommt“. Der Kreis Paderborn habe ein Impfzentrum auf die Beine gestellt, welches seit Mitte Dezember letzten Jahres betriebsbereit war und Anfang der Woche erfolgreich an den Start gegangen ist. „Ich bin froh, dass die ersten Impftage – trotz der ungünstigen Witterungsbedingungen – gut gelaufen sind. Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“, ist Rüther erleichtert. „Unser Krisenstab hat alles bestens vorbereitet. Wir arbeiten hier vor Ort ganz hervorragend mit der Kassenärztlichen Vereinigung, der Bundeswehr und anderen Akteuren in dieser Krise zusammen“ betont Rüther. Er danke dem Krisenstab, allen Beteiligten, die engagiert ihren Anteil leisteten, die Corona-Krise zu bewältigen. Er danke auch den vielen Ehrenamtlichen, die Masken genäht haben und Hilfen für ältere Menschen anbieten. Ganz besonders danke er auch den Unternehmen, die alles tun würden, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. „Mir ist es ganz wichtig, auch allen im Kreis Paderborn zu danken, die sich an die Corona-Regeln halten und unserem Gesundheitsamt helfen, das Pandemiegeschehen einzudämmen“. „Wir haben gelernt, dass Nähe und Verantwortung füreinander im Augenblick Abstand halten bedeutet. Das hier ist eine Nagelprobe für die Mitmenschlichkeit. Und ich danke allen, die durchhalten und mitziehen“, unterstreicht Rüther.

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Erste strategische Weichen sind gestellt

Viele Veranstaltungen sind in der Corona-Pandemie abgesagt. Das gab ihm Zeit, das Haus und seine Ämter intensiv kennenzulernen. „Ich habe jedes Amt besucht und mir ein Bild gemacht“, erzählt Rüther. Er habe ein tolles Team vorgefunden und sei dankbar für die nette Aufnahme seitens der Mitarbeitenden. Die zweitägige Klausurtagung mit den Dezernenten am Jahresanfang habe zwar abgesagt werden müssen. In einer Videoschalte habe er jedoch die Rollen geklärt und Zuständigkeiten schärfen können. Auch seien erste strategische Ziele erarbeitet worden. „Gute Teamarbeit im Verwaltungsvorstand ist mir besonders wichtig“, betont Rüther. Es war eine intensive Zeit des Kennenlernens, in der man unter besonderer Beobachtung der Bürgerinnen und Bürger und der Kolleginnen und Kollegen steht“, sagt er lächelnd. Corona dominiere zwar die Schlagzeilen, doch andere Themen gehen weiter: Die ersten konstituierenden Kreistagssitzungen hätten bereits stattgefunden, erste politische Weichen seien gestellt, strategische Entscheidungen getroffen. Er danke der Politik für ihre Flexibilität. Gemeinsam habe man die konstituierenden Sitzungen und weitere gut hinbekommen. Er habe viele neue Gesichter gesehen, „das muss sich zusammenruckeln“, so Rüther. Er danke der Bürgermeisterin und den Bürgermeistern für die gute Zusammenarbeit und wichtigen Abstimmungsprozesse. Die großen Themen Sicherheit, Digitalisierung von Schulen und Verwaltung, dem Ausbau der Mobilfunkversorgung und des Klimaschutzes sowie der Infrastruktur stehen ganz oben auf seiner Agenda.

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Öffentliche Sicherheit: „Wir zeigen Präsenz vor Ort und werden verstärkt kontrollieren“

In Strategiemeetings sowie einer Videoschalte mit den Abteilungsleitern der Kreispolizeibehörde Paderborn habe er die Themen Verkehrsunfälle und Einbruchdiebstähle festgezurrt: Die Behördenkampagne #Passauf! zur Verhinderung schwerer Verkehrsunfälle sowie das Präsenzkonzept „Paderborn ist sicher und soll es auch bleiben“ im Innenstadtbereich /Westerntor werde fortgesetzt. „Wir zeigen Präsenz vor Ort und werden verstärkt kontrollieren“, unterstreicht Rüther.

Ausbau der digitalen Infrastruktur mit Glasfaserschließung und Mobilfunkausbau

Die Digitalisierung schreite weiter voran: Der diesjährige Neujahrsempfang, der erstmals in seiner Geschichte coronabedingt digital stattfinden musste, sei erfolgreich gewesen, er habe ein gutes Feedback bekommen. Der Kreis Paderborn habe seit April vergangenen Jahres 740 Home-Office-Arbeitsplätze eingerichtet. Das digitale Serviceportal sei auf den Weg gebracht und werde sukzessive ausgebaut: Die Bürgerinnen und Bürger können unter mein.kreis-paderborn.de Anträge stellen, Dienstleistungen bezahlen und Termine beim Kreis vereinbaren. Die Digitalisierung der gesamten Verwaltungsprozesse und Kreisschulen, den Ausbau der digitalen Infrastruktur mit Glasfasererschließung und Mobilfunkausbau werde er weiter vorantreiben. Große digitale Pläne gibt es für die Wewelsburg: Das Renaissanceschloss in der markanten Dreiecksform soll mit Hilfe von Fotodrohnen, 360-Grad-Panoramakameras und 3-D-Laserscannern komplett vermessen werden, auch um zeitgemäße und interaktive Bildungsangebote anzubieten. „Wir bringen die Wewelsburg als Bildungsstandort damit ganz weit nach vorn“ zeigt sich Rüther auch mit Blick auf die Machbarkeitsstudie überzeugt. Für 23 Millionen Euro soll das Kreismuseum erweitert und ausgebaut werden. Der Landrat ist optimistisch, dass es nach Corona auch ein Wiedererwecken der Kultur geben werde. Die Digitalisierung ermöglicht auch neue Wege in der Notfall- und Erstversorgung: Die Kreise Höxter, Lippe und Paderborn wollen ein gemeinsames Notarztsystem mit einem Telenotarzt auf den Weg bringen.

Neue Rettungswachen in Bad Lippspringe, Delbrück, Lichtenau und Salzkotten

Gleich mehrere größere Bauvorhaben stehen an: Ein Radwegekonzept sei bereits angestoßen und koordiniert. Neue Rettungswachen entstehen in Bad Lippspringe, Delbrück, Lichtenau und Salzkotten. Bad Lippspringe sei am weitesten fortgeschritten. Weitere Großprojekte sind der für rund 170 Mitarbeitende vorgesehene Kreishausneubau, der zügig voranschreitet, sowie der Neubau des zentralen Kreisbauhofs auf dem Gelände des kreiseigenen Abfallentsorgungsbetriebs an der Alten Schanze.

Bundesweit einzigartige Sanierung des Heimatflughafens

Als „Meilenstein“ in der bundesweit einzigartigen Sanierung des Paderborn-Lippstadt Airports wertet Rüther das einstimmige Votum der Gläubigerversammlung für den Insolvenzplan. Damit sei der Weg frei für einen regulären Geschäftsbetrieb. Lob für die Restrukturierung gibt es auch vom Bund der Steuerzahler, der mit Blick auf die durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Not geratenen Flughäfen Reformen fordert: „Der Flughafen Paderborn kann hierfür beispielgebend sein: Im Rahmen einer Planinsolvenz werden dort bereits Kapazitäten und Kosten gesenkt. Ziel ist es, auf diese Weise die Steuerzahlerzuschüsse zu halbieren“. Die Menschen freuen sich auf eine coronafreie Zukunft und wir sind überzeugt: Sie werden wieder von ihrem Heimatflughafen, vom Airport Paderborn-Lippstadt aus, in ihren Urlaub, zu ihrem beruflichen Termin abheben“, bekräftigt Rüther.

Fortsetzen möchte Rüther auch die Kampagne „Der Kreis Paderborn blüht und summt“ in Kooperation mit der Naturschutzstiftung Senne und der Biologischen Station Paderborn-Senne. Er hoffe zudem, im Bereich des Tourismus wieder an die Erfolge des Rekordvorjahres anknüpfen zu können, mit über einer Million Gästeübernachtungen und rund 370.000 Tagesgästen.

„Landrat zu sein ist für mich nicht nur ein Job sondern Berufung“

Dann doch noch einmal Corona: Der derzeitige Lockdown bereite ihm große Sorgen: Vor allem auch Gastronomie und Einzelhandel hätten schwer zu kämpfen. Er hoffe sehr, dass die zugesagten Corona-Hilfsgelder zeitnah ankommen. „Unsere Servicestelle Wirtschaft steht den Unternehmen zur Verfügung“, betont er. Landrat zu sein sei für ihn nicht nur ein Job, sondern Berufung. Was er wirklich vermisse, seien die Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern, Veranstaltungen da draußen, persönliche Kontakte, Zwischengespräche, mal wieder Hände schütteln dürfen. Videokonferenzen und Telefonate ersetzten keine persönlichen Treffen. „Ich will kein virtueller Landrat sein“, betont er. Auch wünsche er sich bald etwas mehr Beständigkeit und Normalität. Der Umgang mit Corona erfordere ständig Umstellungen, neue Regelungen und Maßnahmen.

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Es ist eine Menge Arbeit in schwierigen Zeiten, die auf Landrat Christoph Rüther zukommt. „Aber es macht Spaß, die vielen Dinge anzustoßen und gemeinsam mit meinem Team Lösungen zu erarbeiten. Das ist genau das Richtige für mich“, lacht Rüther. Was sagt die Familie zu all dem? „Die Familie steht voll hinter mir und hält mir den Rücken frei. Sie ist für mich ein wichtiger Ausgleich. Bei ihr und beim Laufen kann ich meine Batterien wieder aufladen“, lacht er. Überhaupt habe er gewusst, was ihn erwarte. Schließlich habe er das Amt von Manfred Müller übernommen, der ihm ein gut bestelltes Haus übergeben, mit dem er viele Gespräche geführt habe und in enger Freundschaft verbunden sei. „Ich freue mich, hier zu sein, etwas an dieser Stelle bewegen zu dürfen“, sagt er.

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