Wie nach einem Tsunami – THW Frankenberg beim Einsatz im Ahrtal

Frankenberg(od). Kurz nach 14 Uhr am Sonntag trafen die ehrenamtlichen Helfer des THW Ortsverbandes Frankenberg wieder auf ihrem Stützpunkt am Grün in Frankenberg ein. Zurück im Ahrtal blieb die Fachgruppe „Räumen“ des THW Frankenberg, die dort u.a. mit einem Radbagger eine 120 Tonnen Behelfsbrücke über die Ahr bauen. Empfangen wurden die THWler unter anderem von Michaels Fröchtnichts Vater Ralf Fröchtenicht und Kameraden des THW Frankenberg. Am Donnerstag vormittags kam der Einsatzbefehl, gegen 12 Uhr fuhren dann die Katastrophenhelfer unter Leitung von Zugführer Michael Fröchtenicht mit Blaulicht in Richtung Ahrtal. Nach vier Stunden Fahrt meldete sich Zugführer Fröchtenicht im Bereitstellungsraum in der Ortschaft Grafschaft. Nach einer kurzen Ruhepause kam auch gleich der erste Einsatz: „Tatortabsicherung“ mit der Kriminalpolizei in Sinzig.

Dort waren in einer Behindertenwohngruppe 12 Menschen ertrunken, die Leichen waren schon geborgen worden und die Aufgabe der Frankenberger war es das Gebäude zu sichern, also Türen und Fenster mit Spanplatten zu verschließen, damit keine Unbefugten in das Gebäude eindringen können. „Bei 3,50 m Wasserstand hatten die Menschen keine Chance,“ fasst Zugführer Fröchtenicht zusammen. Nach kurzer Nachtruhe gab es den nächsten Eilauftrag: Menschen aus einsturzgefährdeten Gebäuden in der Ortschaft Mayschoß retten. Das Problem, es gab keine intakten Straßen oder Brücken, die zu dem bekannten Weindorf führten. Aber das war noch nicht alles, der Funkverkehr brach vollkommen zusammen und für die Mobiltelefone waren keine Netze mehr verfügbar. Die Frankenberg führen über Waldwege oberhalb des Ahrtals bis zur Höhe von Mayschoß.

Von da aus ging es nur über die schmalen Weinberg-Wege ins Tal. Die Wege waren für den THW Gerätewagen nicht befahrbar, also ging es nur mit dem Mannschaftswagen sehr vorsichtig nach unten. Unten angekommen erfuhren die Helfer, dass die Menschen bereits von der Feuerwehr gerettet worden waren. Es ging also wieder über die schmalen und unsicheren Weinbergwege zurück nach oben. Zum Ausruhen hatten der Zug von Zugführer Michael Fröchtenicht nicht viel Zeit, denn sein Zug evakuierte 40 immobile Bewohner eines Seniorenheims mitten in der Altstadt von Ahrweiler.

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Zwei Tage hatte der Leiter der Seniorenunterkunft versucht Hilfe zu bekommen, es gab weder Strom noch Trinkwasser. Die Senioren mussten zum Teil mit Tragetüchern und Notarzt-Begleitung evakuiert werden. Ohne den Einsatz der Frankenberger hätte es wohl ein weiteres Drama mit vermutlich tödlichem Ausgang gegeben, da war sich die Heimleitung sicher. „Das sind die Momente, wo man weiß, warum man sich im THW engagiert,“ sagte Zugführer Michael Fröchtenicht. Am Samstag stellte einen Fachgruppe des THW ein Wasseraufbereitungsanlage in Ahrweiler auf. Der Frankenberger Zug verlegt dann Wasserleitungen in das Krankenhaus von Ahrweiler, um dort die Frischwasserversorgung sicher zu stellen. Bevor die Frankenberger THWler ihre Eindrücke den Kameraden im Katastrophenschutzzentrum bei Pizza und Getränken schildern konnten, hieß für den Zug von Michael Fröchtenicht, Corona-Schnelltests zu absolvieren.

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Hintergrund:
Der THW Regionalbereich Gießen, zu dem auch der THW Ortsverband Frankenberg gehört, war mit 81 Helfern aus allen Ortsgruppen im Einsatz. Insgesamt waren seit Donnerstag 1.300 Einsatzkräfte im Einsatz. Bereitstellungsräume waren Grafschaft und der Nürburgring. Einsatzaufträge in Ahrweiler: Trinkwasserversorgung herstellen, Retten und Bergen, Ausleuchten von Einsatzstellen, Stromversorgung herstellen.

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