100 Jahre – so lange gibt es bereits die Arbeiterwohlfahrt

Die Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Korbach und Kreisvorstand Cornelia Gliem. Foto:EDR

Korbach(Ralf Wiegelmann). Ein triftiger Grund, einmal zünftig zu feiern. Wenig verwunderlich also, dass der AWO-Kreisverband Waldeck Frankenberg e.V. und der AWO-Ortsverein Korbach dieses zum Anlass nahmen um am Samstag, dem 24. August 2019 ins Bürgerhaus Korbach einzuladen. Die Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Korbach und Kreisvorstand Cornelia Gliem konnte zahlreiche Gäste aus nah und fern im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Bürgerhaus Korbach herzlich willkommen heißen.

Neben vielen Freunden, Gönnern und Förderern der Arbeiterwohlfahrt vor Ort freute sich die Vorsitzende besonders, den Bürgermeister der Stadt Korbach Klaus Friedrich, der selbst seit vielen Jahren aktives Mitglied des Korbacher Ortsvereins ist, die SPD-Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher und die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer, sowie den ersten Kreisbeigeordneten Karl-Friedrich Frese, den Bezirksgeschäftsführer der AWO Hessen-Nord Michael Schmidt und den Kreisvorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt Waldeck-Frankenberg e.V. Markus Jaschko herzlich begrüßen zu können. Die Kreisvorstände Cornelia Gliem und Markus Jaschko konnten im Nachgang
auf die bewegte Geschichte der Arbeiterwohlfahrt zurückblicken und gaben einen Ausblick auf den Festakt und die sich anschließende Eröffnung der Jubiläumsausstellung „100 Jahre AWO“.
Bürgermeister Klaus Friedrich ging in seiner Ansprache ebenfalls auf die bewegte Geschichte der AWO zum hundertsten Geburtstag ein und verwies auf die sich stetig in den Jahren von 1919 bis heute wandelnden Aufgaben.

Friedrich bemerkte abschließend, die AWO werde heute mehr denn je gebraucht. Die Arbeiterwohlfahrt ist einer der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege und zählt mit rund 210.000 hauptamtlichen Mitarbeitern als einer der großen Arbeitgeber in Deutschland. Ihre Hauptaufgabe sei es, sozial schlechter gestellte Menschen zu unterstützen. Heutzutage betreut sie hauptsächlich Menschen mit Behinderungen und Senioren, betreibt aber beispielsweise auch Kindergärten, offene Ganztagsschulen, psychiatrische und forensische Kliniken, Einrichtungen für Ferienfreizeit und Beratungsstellen für Migranten, Asylbewerber und Menschen in Notlagen.
Der erste Kreisbeigeordnete Klaus-Friedrich Frese überbrachte stellvertretend für den Landrat die besten Glückwünsche zum 100-Jährigen und wünschte der AWO auch für die Zukunft alles erdenklich Gute. Die Zusammenarbeit zwischen der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis und dem Landratsamt habe sich seit Jahrzehnten bewährt. An dieser wolle der Landkreis und im Besonderen und gerade wegen des demografischen Wandels, der Altenpflege und der Kindergärten gerne in Zukunft festhalten.
Als heimische SPD-Bundestagsabgeordnete folgte Esther Dilcher gerne der Einladung der Arbeiterwohlfahrt.

Die AWO sei zwar gut und ähnlich wie die alte stolze Tante SPD in die Jahre gekommen, aber keineswegs hieße das, dass sie verstaube und nicht mehr gebraucht werde.
Beide verbinde eine ähnliche Hstorie. Die Arbeiterwohlfahrt sei ein verlässlicher Partner und mahne, wenn es nötig sei. Sie könne stolz auf die solidarische soziale Arbeit der letzten Jahrzehnte sein.
Von Heinrich Albertz, ehem. AWO-Bundesvorsitzender stammt der Slogan “Wenn es unter den Schwachen Schwächere gibt, stehen wir auf der Seite der Schwächsten”. Die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer richtete in ihrer Festansprache den Blick in die Zukunft. Es sei wünschenswert, dass sich der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt auch im Südkreis wieder etabliere und Ansprechpartner für die sozial Benachteiligten und Schwachen werde. Michael Schmidt, Bezirksgeschäftsführer der AWO Hessen-Nord blickte in seiner Rede nochmals auf das historische Fundament der AWO, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Finanzierung durch den Staat und zeigte auf, dass die AWO keine Verbindungen zu den braunen Truppen Adolf Hitlers in der NS-Zeit pflegte. Ganz im Gegenteil ließ Hitler die AWO damals auflösen.

Der Bezirksgeschäftsführer der AWO Hessen-Nord Michael Schmidt verwies noch einmal auf die Aktivitäten der AWO im Landkreis Waldeck-Frankenberg, u.a. die jährlichen Ferienspiele und die Hausaufgabenhilfe. Darüber hinaus sei ein weiterer elementarer Baustein die monatlich wechselnden Aktivitäten der Seniorennachmittage und Ausflugsfahrten des Ortsvereins Korbach. Schmidt lobte abschließend das große Engagement und den vollzogenen Generationenwechsel in den Vorständen vor Ort. Waldeck-Frankenberg war und ist auch noch heute die Herzkammer der Arbeiterwohlfahrt in Nordhessen. Ein weiterer Meilenstein in Waldeck-Frankenberg sei die sog. Kinderrepublik in Vöhl gewesen, wo kurz nach Kriegsende Kinder und Jugendliche demokratische Regeln und Grundwerte einübten, nach 12 Jahren Diktatur. Der Titel der Jubiläumsausstellung “Unser Leben, unsere Zukunft und die Freiheit”, sei ein Zitat aus der Kinderrepublik und bewusst gewählt worden, so der Bezirksgeschäftsführer Schmidt abschließend. Seit 100 Jahren kämpfe die AWO für Gerechtigkeit und Solidarität, für Vielfalt und Frauenrechte. Für ein menschenwürdiges Leben, in dem niemandem Almosen zugeteilt, sondern allen Chancen für Teilhabe ermöglicht werden. Denn nur so geht echtes Miteinander.


“So freudig und gern wir alle in der Gegenwart stehen sollen, um darin das unsere zu tun, so wichtig ist es auch, immer wieder zurückzuschauen, die Gegenwart an der Vergangenheit zu prüfen und sich an dem, was gut daran war, neu zu orientieren. Nicht, um in der Vergangenheit zu beharren, sondern immer wieder, um erneut für die Zukunft bereit zu sein.”
Marie Juchacz
Das 100-jährige Bestehen feiern wir mit unserer Jubiläumskampagne. Ihr Gesicht ist das unserer Gründerin Marie Juchacz, ihre Kernthemen sind die Anliegen, mit denen Marie Juchacz das Selbstverständnis und den Anspruch der AWO geprägt hat: Frauenrechte, Vielfalt, Engagement gegen Almosen – für Teilhabe, menschenwürdiges Leben, Gerechtigkeit und Solidarität (mehr dazu hier).
Im Laufe des Jahres wollen wir die vielen Gesichter und Geschichten der AWO zeigen – aus der Vergangenheit, der Gegenwart und mit unseren Vorstellungen von der Zukunft.

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