Antikörper-Therapie bei Alzheimer
Frankenberg/Haina. Die Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina und das Klinikum Waldeck-Frankenberg (KWF), Standort Frankenberg, behandeln erstmals an Alzheimer-Demenz erkrankte Patienten mit einem modernen Anti-Amyloid-Medikament. Es verspricht, das Fortschreiten der Erkrankung merklich hinauszuzögern.
Antikörper-Therapie bei Alzheimer – ein neuer Ansatz
Die bisher bei Alzheimer-Patienten eingesetzten Medikamente wirken, indem sie die Signalübertragung der Nervenzellen verbessern. Sie verlangsamen damit den geistigen Abbau und erhalten die Selbstständigkeit länger, richten sich aber nicht gegen die Ursache der Nervenschädigungen. Die neu entwickelte Antikörper-Therapie hingegen packt das Problem an der Wurzel: den schädlichen Amyloid-Plaques. Auf dem Markt ist Lecanemab bereits seit dem 1. September 2025 als erstes Antikörper-Medikament verfügbar. „Es sind allerdings einige Voruntersuchungen nötig, denn das Medikament ist nur für einen Teil der Patientinnen und Patienten geeignet“, sagt Prof. Florian Metzger, Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina. Ausgeschlossen sind zum Beispiel Alzheimer-Erkrankte, die Blutverdünner nehmen, oder solche, bei denen die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist. Lecanemab bindet im Gehirn direkt an die schädlichen Eiweiße, die sich als Plaques an den Nervenzellen ablagern. Es markiert diese Proteine, die so von den körpereigenen, spezialisierten Fresszellen, den Phagozyten, erkannt und entfernt werden können. In medizinischen Studien wurde bewiesen, dass die Belastung des Gehirns mit den unerwünschten Amyloid-Plaques tatsächlich abnimmt.
„Es ist kein Wundermittel, aber es kann den Fortschritt der Erkrankung verlangsamen“, erklärt Florian Metzger. Zwar könne Lecanemab bereits abgestorbene Nervenzellen nicht wieder lebendig machen. Ein Durchbruch sei es dennoch, weil erstmals Medikamente die Ursache der Alzheimer-Erkrankung ins Visier nehmen. Die Therapie ist langfristig angelegt und es sind regelmäßige Infusionen notwendig. Dass Lecanemab im ländlichen Waldeck-Frankenberg bereits kurz nach der Zulassung im Einsatz ist, hängt vor allem mit der intensiven Kooperation zwischen Vitos Haina und der Neurologie am Klinikum Waldeck-Frankenberg am Standort Frankenberg zusammen. „Jeder bringt seinen eigenen Anteil ein“, sagt Prof. Florian Metzger. Beide Kliniken arbeiten Hand in Hand zusammen. „So schaffen wir es gemeinsam, Menschen in der schweren Krankheit zu begleiten und die Symptome zu lindern.“
Kooperation zum Nutzen der Patienten
Dr. med. Wael Marouf, Sektionsleiter der Neurologie im Frankenberger Krankenhaus, schildert das Vorgehen: „Wir sind sehr froh, dass wir unsere Expertise mit den Kollegen von Vitos bündeln und damit die beste Versorgung der Alzheimer-Patienten in unserem Einzugsbereich sicherstellen. Zunächst gilt es, die geeigneten Patienten für die Antikörper-Therapie zu selektieren. Erst wenn beide Seiten zu der Ansicht gelangen, dass die Patientin oder der Patient alle Voraussetzungen für den Einsatz des Antikörpers erfüllt, wird der Therapieplan erstellt. Zu den regelmäßigen Infusionen kommen die Patienten ambulant zu uns ins MVZ. Wir haben ein separates Infusionszimmer eingerichtet. Bei uns finden auch die engmaschigen Kontrollen statt. Die nach einem festen Schema vorgesehenen MRT-Kontrolluntersuchungen werden durch uns organisiert. Die psychiatrische Begleitung bleibt weiterhin in den Händen der Experten bei Vitos. Die Therapie wird bereits bei mehreren Patienten durchgeführt. Da auch wir hier Neuland in der Alzheimer-Therapie betreten, fiebern wir mit, dass die Anti-Amyloid-Therapie die Hoffnungen erfüllt, die sie bei Patienten, ihren Angehörigen und auch uns Ärzten weckt.“
Gesundheitspolitiker diskutieren schon länger, ob die Antikörper-Therapie bei einer Alzheimer-Erkrankung überhaupt wirtschaftlich leistbar ist. Der Einsatz der bislang zugelassenen Medikamente sei aber nicht gefährdet, sagt Prof. Florian Metzger. „Beide Hersteller haben zugesagt, die Medikamente auf dem Markt zu belassen.“
Informationen zu Lecanemab
Es handelt sich um einen Antikörper gegen Vorstufen des Beta-Amyloids. Das Beta-Amyloid ist ein körpereigener Abfallstoff, der – wenn eine Alzheimer-Erkrankung vorliegt – nicht mehr aus dem Gehirn abtransportiert werden kann und sich als Plaques ablagert. Diese Plaques führen zu Entzündungen, stören die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen und führen letztlich zu deren Absterben. Seit einigen Jahren versucht man, geeignete Medikamente gegen diese Beta-Amyloid-Plaques zu entwickeln. Ein Antikörper ist ein Eiweißstoff, der ganz spezifisch, wie ein Schlüssel in ein Schloss, auf die Zielsubstanz passt. Diese Verbindung wird dann vom körpereigenen Immunsystem erkannt, unschädlich gemacht und über das Blut abtransportiert. Ein weiteres, ähnlich wirkendes Medikament ist Donanemab. Es wurde ebenfalls im Herbst vergangenen Jahres zugelassen.






















