Informationsveranstaltungen zur Suizidprävention in Korbach und Bad Arolsen
Korbach/Bad Arolsen. Im Rahmen der Suizidpräventionsarbeit im Landkreis Waldeck-Frankenberg finden im Juni zwei öffentliche Informationsveranstaltungen statt, die einen sensiblen und zugleich gesellschaftlich hochrelevanten Themenkomplex in den Mittelpunkt stellen: den Zusammenhang von Einsamkeit, Altersarmut und dem Wunsch nach (assistiertem) Suizid im hohen Alter. Unter dem Titel „Altersarmut bekämpfen heißt (assistiertem) Suizid vorbeugen“ referiert Sandra Voß, leitende Koordinatorin des Ökumenischen ambulanten Hospiz Korbach e.V., Palliativfachkraft, Trauerbegleiterin, Ethikberaterin sowie Leiterin von Letzte Hilfe- und Letzte Hilfe Kids-Kursen. Einsamkeit gehört für viele hochbetagte Menschen zum Alltag – oft leise, gesellschaftlich wenig sichtbar und mit weitreichenden Folgen. Der Verlust von Partnern und Freunden, körperliche Einschränkungen und eine zunehmend eingeschränkte Teilhabe am sozialen Leben können zu einer tiefen existenziellen Not führen. Häufig geht diese Situation auch mit materiellen Sorgen einher. Altersarmut verschärft dabei Gefühle von Abhängigkeit, Perspektivlosigkeit und sozialem Rückzug.
In diesem Kontext wächst nicht selten der Wunsch nach einem vorzeitigen Lebensende. Der Vortrag macht deutlich, dass solche Suizidwünsche im hohen Alter häufig nicht Ausdruck einer freien und uneingeschränkten Selbstbestimmung sind, sondern vielmehr als Hilferuf verstanden werden müssen – ausgelöst durch Einsamkeit, Überforderung und fehlende soziale Anbindung.
Anhand aktueller Studien, Zahlen aus Deutschland sowie praktischer Erfahrungen aus der Hospiz- und Trauerarbeit zeigt Sandra Voß auf, wie stark soziale Lebensbedingungen die Wahrnehmung von Lebensqualität, Hoffnung und Entscheidungsfähigkeit beeinflussen. Auch Unterschiede zwischen Frauen und Männern im hohen Alter werden thematisiert, ebenso wie die Frage, welche Rolle gesellschaftliche Rahmenbedingungen dabei spielen, ob Menschen ihr Leben als weiterhin lebenswert empfinden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den ethischen Fragestellungen rund um Autonomie, Schutz und gesellschaftliche Verantwortung. Dabei geht es auch um die Frage, wie eine Gesellschaft gestaltet sein muss, die ihrer Verantwortung für ältere Menschen gerecht wird – insbesondere in Phasen von Krankheit, Verlust und zunehmender Abhängigkeit.
Im Zentrum des Vortrags steht die Frage, was es braucht, damit Leben auch im hohen Alter als lebenswert erfahren werden kann. Deutlich wird dabei die große Bedeutung von zwischenmenschlicher Nähe, verlässlichen Beziehungen, sozialer Sicherheit und einer Kultur des Hinsehens statt Wegsehens. Die Veranstaltungen richten sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger, Angehörige, Ehrenamtliche sowie Fachkräfte aus Pflege, Medizin und sozialen Arbeitsfeldern. Neben fachlichen Impulsen besteht die Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion.
Die Termine im Überblick
Die erste Veranstaltung findet am Montag, 15. Juni, um 18.30 Uhr im Stadtteiltreff Johannes, Karpatenstraße 2 in Korbach, im Rahmen der Reihe „Auf den Punkt“ statt. Ein weiterer Termin folgt am Dienstag, 16. Juni, um 17.00 Uhr im Bürgerhaus Bad Arolsen, Rathausstraße 3. Diese Veranstaltung wird in Kooperation mit der Stadt Bad Arolsen durchgeführt. Mit den Veranstaltungen soll ein Beitrag dazu geleistet werden, Suizidprävention weiter aus der Tabuzone zu holen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie eng soziale Bedingungen, Würde im Alter und individuelle Lebensperspektiven miteinander verknüpft sind. Ziel ist es, Menschen zu ermutigen hinzusehen, zuzuhören und Verantwortung füreinander zu übernehmen.



















