Innovative Ansätze für mehr Wettbewerbsfähigkeit im Bäckerhandwerk

Spagat zwischen Qualitätssicherung und Kostenkontrolle

Waldeck(pm). Obermeister Michael Bienhaus (Battenberg) begrüßte die Mitglieder der Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg zur Jahreshauptversammlung im Gasthaus Kleppe in Waldeck-Sachsenhausen. Auch in diesem Jahr überreichte Bienhaus die Urkunden und Auszeichnungen der Brot- und Brötchenprüfung an die teilnehmenden Betriebe. Betriebsberater Ralf-Jürgen Keller vom Bäckerinnungsverband, Geschäftsstelle Königstein, informierte die Mitglieder über aktuelle Kennzahlen, Marktdaten und Kostenentwicklungen 2023/2024 im Bäckerhandwerk sowie die erwarteten Kostensteigerungen in 2024. Zudem sprach er über die betriebliche Vorsorge-Vollmacht und gab Einblicke in die neue NIS-2-Richtlinie, die europaweite Gesetzgebung zur Cybersicherheit. Der Verband steht den Mitgliedsbetrieben jederzeit als Dienstleister und Ansprechpartner zur Verfügung. Obermeister Bienhaus merkte im Anschluss an den Vortrag von Keller an: „Die Mehrheit der Unternehmen und Betriebe im Landkreis und bundesweit gehört zum Mittelstand. Leider bildet die Wirtschaftspolitik dies in den vergangenen Jahren nicht ab. Der Ausgang der Europawahl lässt darauf schließen, dass ein grundlegendes Umdenken notwendig ist. Wir brauchen weniger Kontrolle und mehr Vertrauen in die Betriebe! Aus Brüssel wie aus Berlin muss das klare Signal kommen, dass die Politik verstanden hat, welche Probleme Wirtschaft und Wachstum bremsen. Politische Maßnahmen müssen wieder vom Mittelstand her gedacht werden, da dieser das zentrale Rückgrat der Wirtschaft bildet.“ Der anhaltende Mangel an Fachkräften in Produktion und Verkauf, die Anhebung des Mindestlohns, gestiegene Kosten für Energie und Rohstoffe sowie die Umsatzeinbrüche infolge der Coronapandemie im Café-Geschäft der Bäckereien machen ein kostendeckendes Wirtschaften für Bäckereien schwer.

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„Viele sind nicht mehr bereit, den Preis für Bachwaren zu zahlen, den wir als Handwerksbäcker unter Einbezug aller Kosten ansetzen müssen. Eine wachsende Anzahl kauft lieber beim Discounter. Doch mit diesen Preisen können wir nicht konkurrieren. Discounter haben bereits einen Marktanteil von 25 Prozent am Gesamtumsatz mit Brot und Bachwaren in Deutschland“, beklagt Bienhaus. „Wir brauchen noch mehr innovative Ansätze für mehr Wettbewerbsfähigkeit, um neben Aldi, Lidl und Co. bestehen zu können. Viele Projekte wurden bereits in Bäckereien und Konditoreien umgesetzt, wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Bedarfs- und Auslastungssteuerung, die kostenoptimierte Nutzung von Backöfen und Kühlgeräten sowie der Verkaufs- und Lieferungsprozess über Bestell-Apps oder Drive-in-Schalter. Weiterhin weiten viele Betriebe ihre Café- und Frühstücksplätze aus und bieten Frühstück in Form von Buffets an, sofern es die Räumlichkeiten zulassen. Auch die Ausweitung des Getränkeausschanks kann die Margen deutlich steigern. Eine weitere Option ist die Kooperation mit Discountern, bei der die Produkte des Handwerksbäckers in Backklappen des Discounters neben dessen eigenem Angebot verkauft werden“, listet Bienhaus auf. „Ob die Beseitigung des Fachkräftemangels durch globale Talentrekrutierung möglich ist, wird die Zukunft zeigen. Derzeit zeigt uns die Personalsituation im Land eine andere Sprache: zusätzliche Ruhetage, Bedienungstheken, SB-Angebote in Cafès und Restaurants. Ohne qualifizierte Fachkräfte und Nachwuchs werden wir mit den Discountern nicht Schritt halten können!“ In Hessen gibt es immer weniger Bäcker-Innungen. Aktuell sind es noch 19 Innungen, und es gibt weiterhin Verhandlungen zu Fusionen für Innungszusammenschlüsse. Die Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg steht mit aktuell 21 Mitgliedsbetrieben noch ganz ordentlich da. Ein weiterer negativer Trend zeichnet sich für 2023 bei nur 222 abgelegten Meisterprüfungen im Bäckerhandwerk deutschlandweit ab. Bei 10.000 Bäckereien ist dies viel zu wenig, um die Zahl der Bäckereien in Deutschland konstant zu halten“, äußert sich Bienhaus besorgt. „Wir müssen deutlich cleverer vorgehen und die ideologisch geführten Zuwanderungsdebatten nicht mit übertriebener Bürokratie belasten. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir unsere Probleme gezielt angehen, die unsere Wirtschaftskraft bremsen, wie Überregulierung und lähmende Bürokratie. Auch die Ausbildung muss neu gedacht werden, besonders in Berufen wie Bäcker, Fleischer und Friseur. Warum möchte die Jugend nicht in diese Berufe? Wie können wir sie attraktiver gestalten. Es sollte doch möglich sein, junge Menschen zu begeistern, zu bestärken und in unseren Berufen zu fördern“, betont Michael Bienhaus.

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