Denk‘ ich an Deutschland – Hochkultur im Hinterland

Waldeck-Frankenberg(Klaus Brill). Kant im Rittersaal, Kafka im Kurzentrum, Goethe im Gourmet-Lokal und Jan Wagner in der Backstube – der „Literarische Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ wartet 2024 wieder mit einem rasanten Mix auf. Hochkultur kann man kann man nicht nur in großen Städten genießen, sondern auch im Hinterland. Zum Beispiel im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. „Wir leben hier zwar hinterm Wald, aber nicht hinterm Mond“, sagt Christiane Kohl, die Leiterin des „Literarischen Frühlings in der Heimat der Brüder Grimm“. Jahr für Jahr geben sich bei diesem Festival bekannte Autorinnen und Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur ein Stelldichein, in diesem Jahr zum Beispiel Adriana Altaras, Durs Grünbein, Terézia Mora, Anne Rabe, Rüdiger Safranski, Stephan Thome und Jan Wagner, ferner die Moderatoren Thea Dorn und Denis Scheck. Hinzu kommen der Exil-Russe Viktor Jerofejew, der „Tatort“-Kommissar Jörg Hartmann, der Märchenerzähler Rafik Schami und der frühere Bundespräsident Joachim Gauck. Es fehlt auch nicht ein Blick in die Geschichte, denn 2024 stehen wichtige Gedenktage an. Deshalb präsentiert der „Literarische Frühling“ auch den Philosophen Kant im Rittersaal, Kafka im Kurzentrum, Goethe im Gourmet-Lokal und einen Mitbegründer des Dadaismus in seinem Heimatort Frankenau. Für Christiane Kohl und ihre Mitstreiter kommt es vor allem auf die Mischung an, wenn man möglichst vielen Einheimischen und Besuchern aus ganz Deutschland einmal im Jahr „eine kulturelle Intensivwoche“ bescheren will. Das gilt nicht nur mit Blick auf das Programm, das ebenso anspruchsvolle zeitgenössische Romane oder Lyrik bietet wie unterhaltsame Erzählungen und kulturhistorische Betrachtungen. Auch ein Krimi und ein politischer Bestseller sind meist dabei. Das Motto lautet in diesem Jahr: „Denk ich an Deutschland“.
Einen wichtigen Unterschied macht auch die Atmosphäre. „Was wir den großen Städten voraushaben, das ist die Kombination von opulenter Natur, historischer Kulisse und gutem Essen mit einem wohltuenden Ambiente, in dem sich Dichter oder Schauspielerinnen zwanglos mit Leserinnen und Lesern treffen“, sagt die Festival-Chefin, die selber Journalistin, Autorin und Hotelbesitzerin in einer Person ist. „Man lernt interessante Menschen kennen, auch unter den Besuchern, man kommt sich näher. Es entsteht ein Fluidum, das die Menschen erhebt und beschwingt, ein gewisses Kribbeln stellt sich ein. Das ist der Reiz eines solchen Kulturereignisses auf dem Land.“
Eine große Rolle spielen dabei die Räumlichkeiten, in denen die Begegnungen stattfinden. Veranstalter des Festivals sind drei komfortable Hotels, das Hotel Die Sonne Frankenberg, das Hotel Schloss Waldeck und das Romantik Hotel Landhaus Bärenmühle in Ellershausen. Sie werden unterstützt von mittlerweile 29 Unternehmen und Institutionen der Region. Darunter sind Weltfirmen wie Viessmann, Continental, Osborn oder Thonet, aber auch mittelständische und kleine Unternehmen bis hin zum Apotheker oder Bäckermeister und landwirtschaftlichen Familienbetrieb.
Für die mehr als zwei Dutzend Veranstaltungen stehen nicht nur Bankettsäle, Kaminzimmer und Gewölbekeller zur Verfügung, sondern etwa auch eine Festscheune, ein alter Kuhstall und (in diesem Jahr zum ersten Mal) eine echte Backstube: dort rezitiert der vielfach ausgezeichnete Lyriker Jan Wagner seine neuesten Gedichte. Wegen des wachsenden Publikumsandrangs müssen immer öfter auch große Säle etwa im Kurzentrum Bad Wildungen oder im renovierten Philipp-Soldan-Forum in Frankenberg (Eder) in Anspruch genommen werden. Nicht zuletzt zählt auch die Gourmet-Küche des Sterne-Restaurants „Philipp Soldan“ in Frankenberg zu den Schauplätzen des Festivals. Die von den Veranstaltern entwickelten Lese-Dinner, bei denen die Köche dem Publikum helfen, sich in die Zeit und Atmosphäre eines Romans einzufühlen,  haben sich als äußerst zugkräftig erwiesen.  Signale sendet der „Literarische Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ auch an die junge Generation. Wie jedes Jahr sind auch 2024 nicht weniger als sieben Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler im Programm. Die Gymnasiasten in Frankenberg, Bad Wildungen und Korbach erhalten in diesem Jahr Besuch von einem literarischen Übersetzer und von zwei Kritikern, die eine Kafka-Revue darbieten. Den Kleinsten lesen zwei kostümierte Marburger Schauspieler die guten alten Märchen der Brüder Grimm vor.
Die Brüder Grimm als Sprachforscher, Literaten und weltbekannte Nordhessen sind die spirituellen Schutz- und Namenspatrone. Die irdische Schirmherrschaft haben die literaturbegeisterte Schauspielerin Iris Berben und der aus Biedenkopf in Mittelhessen stammende Schriftsteller Stephan Thome übernommen. Weitere Informationen finden sich auf der Website www.literarischer-fruehling.de.
Der Spielplan – eine Übersicht
Freitag 19, April
18:00 Uhr – Hotel Schloss Waldeck
PREOPENING: „Besser allein als in schlechter Gesellschaft“ – mit Adriana Altaras (Lese-Dinner)
Samstag 20. April
19:00 Uhr – Metzen Alter Kuhstall Ellershausen  ERÖFFNUNG: „Der Komet“ – mit Durs Grünbein und Denis Scheck
Sonntag 21. April
11:00 Uhr – Restaurant „Philipp Soldan“ im Hotel Die Sonne Frankenberg Küchenlesung mit Sam Michelson aus „Die Leiden des jungen Werther“ von J. W. Goethe (I)
11:30 Uhr – Schloss Friedrichstein Bad Wildungen „Die Möglichkeit von Glück“ – mit Anne Rabe
14:00 Uhr – Schloss Friedrichstein Bad Wildungen „Die Möglichkeit von Glück“ – mit Anne Rabe
15:00 Uhr – Bäckerei Weber in Sachsenberg „Steine & Erden“ – mit Jan Wagner
15:30 Uhr – Restaurant „Philipp Soldan“ im Hotel Die Sonne Frankenberg Küchenlesung mit Sam Michelson aus „Die Leiden des jungen Werther“ von J. W. Goethe (II)
18:00 Uhr – Romantik Hotel Landhaus Bärenmühle „Es riecht nach Pommes, Ilija kommt“ – mit Ilija Matusko (Lese-Dinner)
Montag 22. April
11:30 Uhr – Restaurant „Philipp Soldan“ im Hotel Die Sonne Frankenberg Küchenlesung mit Sam Michelson aus „Die Leiden des jungen Werther“ von J. W. Goethe (III)
 16:00 Uhr – Restaurant „Philipp Soldan“ im Hotel Die Sonne Frankenberg
Küchenlesung mit Sam Michelson aus „Die Leiden des jungen Werther“ von J. W. Goethe (IV)
19:00 Uhr – Wandelhalle am Kurpark Bad Wildungen „Kafka – Schreiben, um zu überleben“ – Mit Rüdiger Safranski
Dienstag, 23. April 19:00 Uhr – Philipp Soldan Forum Frankenberg „Denk ich an Deutschland“ – mit Joachim Gauck
Mittwoch 24. April 19:00 Uhr – Metzen Alter Kuhstall Ellershausen „Der Große Gopnik“ – mit Viktor Jerofejew
Donnerstag 25. April 19:00 Uhr – Kellerwaldhalle Frankenau „Und DADA kam aus Frankenau“ – Bühnen-Show mit Michael Quast
Freitag 26. April 16:30 Uhr – Landgut Walkemühle Frankenberg „Das kann gut werden“ – mit Bettina Musall
19:00 Uhr – Philipp-Soldan-Forum Frankenberg „Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“ – mit Rafik Schami
Samstag 27. April 16:00 Uhr – Landgut Walkemühle Frankenberg  „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ – mit Terézia Mora
19:00 Uhr – Wandelhalle am Kurpark Bad Wildungen „Der Lärm des Lebens“ – mit Jörg Hartmann
Sonntag 28. April 11:30 Uhr – Rittersaal Hotel Schloss Waldeck „Kant – Die Revolution des Denkens“ – mit Marcus Willaschek
18:00 Uhr – Landhaus Bärenmühle Ellershausen „Die Spiele“ – mit Stephan Thome (Lese-Dinner)
Kontakt: Literarischer Frühling in der Heimat der Brüder Grimm
Klaus Brill, c/o Landhaus Bärenmühle 35110 Frankenau, Tel. 06455 – 755.195

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