Regierungspräsident Ullrich verabschiedet künftige DFB-Sportdirektorin Nia Künzer

Gießen(pm). Nia Künzer kennt Abschiedsrunden, wie die von der eigenen aktiven Fußballkarriere, gekrönt mit einem sensationellen Golden Goal-Kopfball zum WM-Titel vor 20 Jahren. Oder zuletzt die als TV-Expertin bei der ARD im Spätsommer. Gerade ist sie erneut dabei, sich zu verabschieden, diesmal von ihrem fast 40 Köpfe starken Team beim Regierungspräsidium (RP) Gießen im Dezernat Integration, Sozialbetreuung und Ehrenamt. Ab 1. Januar wird sie als Sportdirektorin zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach Frankfurt wechseln. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich wollte sich persönlich von der Dezernatsleiterin verabschieden und machte das da, wo sich die 43-jährige Mutter zweier Kinder am wohlsten fühlt: in der Schule der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen.

„Ich kann mich mit dem Thema zu hundert Prozent identifizieren“, sagt sie über ihre Arbeit in der Flüchtlingsaufnahme. „Beschulung ist für mich das Kernthema dieses Dezernats und es ist zugleich eines der wichtigsten Themen der Gesellschaft.“ Der Klassenraum der vierten Klasse berichtet an seinen Wänden und mehreren Tafeln davon, was hier von Montag bis Freitag stattfindet. Laminierte Zahlen, Erklärungen der Artikel „der“, „die“, „das“, eine Magnettafel, an der neben dem Wort „Schere“ eine richtige Schere zur Visualisierung hängt – hier werden die ersten schulischen Schritte in Deutschland gegangen. „Die Kinder, die hier bei uns sind, haben schon einiges verpasst und sollten keinen weiteren Tag verpassen.“

Nach ihrem Examen zur Diplom-Pädagogin war Nia Künzer ab 2008 bis 2017 im hessischen Innenministerium, zwischenzeitlich für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig und wechselte vor fast sieben Jahren zum RP Gießen in die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. „Die Arbeit hier ist keine klassische Verwaltung, sondern sehr pragmatisch, aber das ist es auch gerade, was mir so gut gefällt.“ Regierungspräsident Ullrich lobt vor allem ihr Engagement im Dezernat. „So wie sie sich im Sport nach vielen Verletzungen bis zum WM-Titel immer wieder zurück gekämpft hatte, hat sie sich auch hier beim RP Gießen für ihre Aufgaben eingesetzt.“ Als kleinen Dank und vor allem als Erinnerung an die Gießener Zeit überreichte er ihr unter anderem den RP-eigenen Kalender und einen Kaffeebecher.

Fast sieben Jahre später räumt sie nun als Regierungsdirektorin ihren Schreibtisch, kein leichter Schritt, wie sie betont. „Ich habe engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, tolle Kolleginnen und Kollegen und einen sehr guten Chef.“ Gemeint ist Manfred Becker, der als Abteilungsleiter die Erstaufnahmeeinrichtung hessenweit verantwortet. „Und ich bin jeden Tag gerne hierhergekommen, manchmal geht aber eine Tür auf und dann musst du dich entscheiden.“ Ihr Arbeitsbereich beschränkte sich nicht nur auf das weitläufige Areal in der Rödgener Straße. In der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen gibt es zwischen Kassel und Darmstadt landesweit zehn Standorte, an denen Flüchtlinge leben. Entsprechend viel war sie in den Wochen vor Weihnachten landesweit unterwegs, um „Tschüss“ und „Danke“ zu sagen.

Das Angebot, die Position der Sportdirektorin zu besetzen, hatte Nia Künzer selbst überrascht. „Es war definitiv nicht geplant.“ Hier und da hätte sie als Expertin auch den DFB kritisiert. „Wenn man dann gefragt wird, Verantwortung zu übernehmen, ist das eine große Chance, aber auch eine ebenso große Herausforderung. Ab 1. Januar wird sie nun die erste Sportdirektorin Frauenfußball und ist damit für den Bereich der Frauen-Nationalmannschaft und der weiblichen U 20-Auswahl verantwortlich.

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