Kreis Paderborn: Neue Preise für Umwelt- und Klimaschutz vergeben

Landrat Rüther zeichnete die Preisträger für ihr nachhaltiges und vorbildliches Engagement aus
Kreis Paderborn (krpb). Die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und für die nachfolgenden Generationen zu sichern, ist eine der ganz großen Aufgaben in Gegenwart und Zukunft: Der Kreis Paderborn hat deshalb in diesem Jahr erstmalig einen Preis für Umwelt- und Klimaschutz ins Leben gerufen, um außergewöhnliches Engagement auf diesem Gebiet auszuzeichnen und gleichzeitig andere zu motivieren, es ihnen gleich zu tun und sich ebenfalls einzubringen. Bewerben konnten sich bis Ende Juni Personen, Vereine oder auch Firmen aus der Region, die sich mit ihren Projekten nachhaltig und vorbildlich für die Umwelt, für Tiere, Pflanzen, den Boden, das Wasser oder die Atmosphäre stark machen In diesem Jahr geht der Preis an: Fritz Buhr, den Vauß-Hof in Salzkotten-Scharmede sowie an die enviplan® Ingenieurgesellschaft mbH in Lichtenau-Henglarn. Landrat Christoph Rüther zeichnete im Rahmen der jüngsten Kreistagssitzung die diesjährigen Preisträger aus.

Fritz Buhr kam 1964 als Referendar nach Paderborn und wurde im November des darauffolgenden Jahres dem Reismann-Gymnasium als Lehrer für Englisch und Sport zugewiesen. Buhr engagierte sich schon sehr früh auch für den Umweltschutz und machte sich sehr schnell als engagierter Kämpfer einen Namen, der andere zum Nachdenken und Mitmachen motivierte. 1975 zählte er zu den Gründungsmitgliedern des „gemeinnützigen Grünflächenvereins pro grün“, dem heutigen „gemeinnützigen Umweltschutzverein pro grün e.V. Paderborn“, der zweitweise 300 Mitglieder führte. Ziel des Vereines ist es nach wie vor, dem Verbrauch von Grünflächen durch Auflösung, Zerteilung und Bebauung, zu begegnen und die vorhandenen Grünflächen in ihrer Geschlossenheit zu bewahren. Als ehemaliger Vorsitzender des Vereins wies er die Öffentlichkeit auf viele Planungen hin, die den Bestand der Grünflächen in Paderborn erheblich bedrohten. So kämpfte er unter anderem gegen Pläne, den Mittleren Ring durch die Paderaue zu vollenden, in der Gemarkung Dreihausen/Sander Bruch die Freiräume als Industriegebiet auszuweisen oder eine Multifunktionshalle am Schützenhof zu errichten. 1989 regte Buhr an, das Vereinsziel zu erweitern und den Umweltschutz mit in den Vereinsnamen aufzunehmen. In der Folgezeit setzten sich die Vereinsmitglieder auch für den Erhalt von Naturschutzgebieten ein. Zahlreiche Projekte, die der Natur hätten schaden können, mit irreversiblen Folgen, seien aufgrund seiner Hinweise bereits in der Planungsphase nachgebessert, umgeplant oder auch verhindert worden, betonte der Landrat. Immer wieder habe er seinen Sachverstand unter Beweis gestellt und Schwachstellen der einzelnen Projekte in Planung oder Vorbereitung aufgezeigt. In der Mitgliederversammlung des Vereins wurde Buhr 1993 einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Von 1984 bis 1989 und erneut von 1999 bis zum Jahr 2004 gehörte Buhr dem Beirat der unteren Landschaftsbehörde des Kreises Paderborn als stellvertretendes Mitglied an, immer den Natur- und Landschaftsschutz im Blick. Insbesondere bei Planfeststellungsverfahren zur Abgrabung von Kies und Sand oder dem Schutz von Naturdenkmalen war Buhr involviert. Seit 1999 gehörte Buhr als Vertreter der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt Nordrhein-Westfalen e.V. (LNU NRW) dem Beirat an. Buhr ist zudem örtlicher Vertreter der LNU NRW, was bedeutet, dass er Stellungnahmen der anerkannten Verbände im Kreis Paderborn koordiniert und im Rahmen von laufenden Verfahren Stellungnahmen abgibt. Fritz Buhr habe stets mehr als seine Pflicht erfüllt und hervorragende Leistungen für die Gemeinschaft erbracht, betonte der Landrat. Selbstlos, konsequent und mit dem erforderlichen Durchhaltevermögen habe er Dinge bewegt und durchgesetzt. Für dieses Engagement erhalte er den Preis für Umwelt- und Klimaschutz des Kreises Paderborn.

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Preisträger ist zudem der Vauß-Hof, der von der Familie Pötting zu einem Ökohof mit Direktvermarktung ausgebaut wurde. Durch den Verzicht auf Pestizide und chemische Dünger, dem schonenden Umgang mit der Ressource Wasser und dem Anbau samenfester und biologischer Gemüsesorten stelle sich der Hof zukunftsgerichtet auf, betonte Landrat Christoph Rüther. In 2016 wurde die gemeinnützige Genossenschaft „SoLawi Vauß-Hof eG“ gegründet: Das Prinzip einer solidarischen Landwirtschaft ist es, gemeinsam mit anderen die Landwirtschaft zu finanzieren, den Anbau zu begleiten und die Ernte zu teilen, nach dem Motto „gemeinsam ackern, gemeinsam ernten“. So werden die Erzeugnisse lokal verbraucht. Das ist auch positiv für die Klimabilanz, da so Transportketten erheblich verkürzt oder sogar vermieden werden. Bereits über 250 Mitglieder engagieren sich auf dem Hof. Durch Bildungsangebote soll all das weitermittelt werden: Zentrale Themen sind Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Landschafts- und Naturschutz. Auch Kitas und Schulklassen sind auf dem „Lernort Bauernhof“ herzlich willkommen. Angestrebt wird ein Agroforstprojekt welches der Bodenerosionen entgegenwirkt, die Fruchtbarkeit des Bodens steigert und die Biodiversität fördert. Dieses Projekt stehe für die zukunftsgerichtete Denkweise und den Willen zur Weiterentwicklung, betonte der Landrat. Durch die solidarische Landwirtschaft mit lokalen Produkten und einem hohen Maß an Wissensvermittlung werde in vorbildlicher Weise zum Umwelt- und Klimaschutz im Kreis Paderborn beigetragen, würdigte der Landrat die Verdienste der Hofgemeinschaft.

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Die enviplan® Ingenieurgesellschaft mbH in Lichtenau-Henglarn wurde für ihre Entwicklung von Technologien zur Erhaltung und Verbesserung der Gewässerqualität, für „jahrzehntelange Innovationskraft“ als international tätiges Unternehmen aus der Region ebenfalls mit dem Preis für Umwelt- und Klimaschutz des Kreises Paderborn ausgezeichnet. Der Geschäftsführer und Gründer Roland Damann nahm den Preis entgegen. Wasser sei eine der wichtigsten Ressourcen, mit der verantwortungsvoll und nachhaltig umzugehen sei, die es zu schützen gilt, betonte der Landrat. Der Aufbereitung von Abwässern komme dabei eine besondere Bedeutung zu: Durch die Befreiung des Wassers von umweltgefährdenden Stoffen werden Natur und Umwelt sowie das Grundwasser geschützt. Auf diesem Gebiet hat sich die enviplan® Ingenieurgesellschaft mbH in Lichtenau-Henglarn einen internationalen Namen gemacht: Sie hat Verfahren und Techniken zur Abwasserbehandlung entwickelt. enviplan® Technologien ebneten unter anderem auch den Weg zur energieautarken Kläranlage. Auch der Platzbedarf verringert sich erheblich durch den Wegfall von Klärbecken. Die Produkte finden international in 50 Ländern mit über 330 Anlagen, sogar Offshore, auf hoher See, Verwendung. Im Jahr ihres 30-jährigen Firmenjubiläums in 2016 eroberten sie den chinesischen Markt. „Doch nicht nur in der Abwasserreinigung leisten Sie vorbildliche Arbeit, auch für die Gewässersanierung bieten sie innovative Lösungen an“, so Landrat Christoph Rüther. Durch die Anreicherungen von Nährstoffen wie Phosphat und Nitrat verändert sich der Sauerstoffgehalt in den betroffenen Gewässern und raubt vielen Lebewesen ihre Lebensgrundlage. Das Unternehmen entwickelte ein Verfahren, mit dem es möglich ist, diese zu eliminieren. „Sie leisten hier in vorbildlicher Weise weit über den Kreis Paderborn hinaus einen international bedeutsamen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz“, unterstrich der Landrat.

Hintergrund:

Umwelt- und Klimaschutz kann nur erfolgreich sein, wenn alle sich einbringen. Auf dieser Idee basiert der neue Preis für Umwelt- und Klimaschutz des Kreises Paderborn, der in diesem Jahr erstmalig vergeben wurde. Bis zu drei Personen oder Institutionen sollen pro Jahr ausgezeichnet werden. Bewerbungen waren in diesem Jahr bis Ende Juni möglich. Die Satzung sieht vor, dass die ausgezeichneten Leistungen außergewöhnlich und von öffentlichem Interesse sowie für die Region bedeutungsvoll sein sollen. Die Kreisverwaltung hat die Bewerbungen geprüft, die interfraktionellen „Arbeitsgruppe Klimaschutz“ hat sich mit den drei Gewinnvorschlägen befasst, die vom Ausschuss für Natur, Umwelt und Klimaschutz am 16.08, bestätigt wurden. Die abschließende Entscheidung traf der Kreis- und Finanzausschuss in seiner Sitzung am 30. August. Insgesamt werden in diesem Jahr Preisgelder von 2.400 Euro an die Gewinner ausgezahlt, also 800 Euro pro Gewinner. Überreicht wurden neben einem symbolischen Scheck und einer Urkunde auch ein Insektenhotel mit einem Glas Honig.

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