Wenn der Kitzel des Spiels zum Problem wird

Berufskollegs informieren Schülerinnen und Schüler über Glücksspielsucht

Kreis Paderborn (krpb). 150 Schülerinnen und Schüler im Publikum – wie viele von ihnen sind gefährdet, ein Problem mit Glückspiel zu entwickeln? Statistisch lässt sich die Frage beantworten: „Bis zu 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Berufskollegs verfügen über diverse Erfahrungen mit Glücksspielen“, berichtet Horst Brönstrup vom Projekt „Glüxxit – wer nicht zockt, gewinnt!“. Berufsschüler weisen – im Vergleich zu anderen Schulformen – ein doppelt so hohes problematisches Glücksspielverhalten auf. Deshalb klären Brönstrup und seine Kollegen mit der Unterstützung des Glücksspielexperten Dr. Tobias Hayer von der Universität Bremen über die Gefahren von Sportwetten, Poker und Spielautomaten auf. Jetzt waren sie zu Gast in den drei Paderborner Berufskollegs Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Helene-Weber-Berufskolleg und Ludwig-Erhard-Berufskolleg des Kreises Paderborn.

„Aufklärung und Prävention ist uns als Schul- und Sportamt des Kreises Paderborn ein großes Anliegen, und das macht natürlich auch nicht an der Klassentür halt. Glücksspielsucht findet im Geheimen und meistens außerhalb der Schule statt, hat aber enorme Auswirkung auf das Leben unserer Schüler“, erklärt Walter Rövekamp, Leiter des Schul- und Sportamtes des Kreises Paderborn, die Motivation für die Informationsveranstaltung. Spielotheken, Sportwettbüros und Glücksspielangebote im Internet sind mittlerweile allgegenwärtig und üben – besonders auf junge Männer – eine große Anziehungskraft aus. Schnell kann die Verlockung des schnellen Geldes zum Problem werden. Doch obwohl das Problem gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen weit verbreitet ist, wird das Thema häufig vernachlässigt. „Im Gegensatz zu anderen Suchtmittel wie Alkohol oder Drogen gerät eine Abhängigkeit nach Glückspiel nicht einfach ans Tagesicht“, so Brönstrup.

Aufmerksam hörte das junge Publikum und auch die anwesenden Lehrer sowie Schulsozialarbeiter dem Vortrag von Dr. Tobias Hayer, ausgewiesener Experte zum Thema „Jugendliche und glücksspielbezogene Probleme“, zu. Er legte anschaulich da, dass viele Jugendliche ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen und dem Irrglauben unterliegen, dass Übung und häufiges Spielen zu mehr Gewinnen und besseren Spielergebnissen führen.

Doch statt Erfolg und großem Geld stellt sich häufig das Gegenteil ein. „Die jungen Männer, die zu uns kommen, haben sich teilweise bereits erheblich verschuldet“, berichtet Eva Engelkamp von der Fachstelle Glücksspielsucht „Spielfrei?“ bei der Paderborner Caritas von ihren Erfahrungen. Sie stand den Jugendlichen an dem Informationstag als Ansprechpartnerin vor Ort zur Verfügung. „Unsere Türen stehen für die Schüler immer offen, auch beim Thema Spielsucht. Wenn durch diese Informationsveranstaltung die Schülerinnen und Schüler für das Thema sensibilisiert worden sind und wissen, dass sie uns ansprechen können, dann haben wir schon viel gewonnen“, sind die Schulsozialarbeiter Mechthild Thiele und Tim Burkamp überzeugt.

„Glüxxit – wer nicht zockt, gewinnt!“ ist ein Präventionsprojekt der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW in Zusammenarbeit mit verschiedenen Beratungsstellen gegen Glücksspielsucht NRW. Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums halten sie Schulungen und Vorträge an Berufskollegs oder stellen Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.

One Thought to “Wenn der Kitzel des Spiels zum Problem wird”

  1. […] möglich ist, auch ein schlechtes Blatt zu erkennen, beziehungsweise auszusortieren, kann man nur begrenzt von einem Glücksspiel sprechen . Dies lässt sich auch an der Tatsache erkennen, dass Profis immer wieder als Gewinner den Tisch […]

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