Frauen in der Landwirtschaft sichtbarer machen

Weltbauerntag am 1. Juni

Kassel. LLH würdigt die Leistungen von Landwirtinnen und setzt im UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft einen Schwerpunkt auf Rollenbilder, Nachfolge und Vereinbarkeit von Beruf und Familie Frauen prägen die Landwirtschaft in Hessen und Deutschland längst entscheidend mit – oft dort, wo Verantwortung besonders groß ist. Sie organisieren Buchhaltung und Personal, entwickeln neue Betriebszweige, kümmern sich um Vermarktung und halten gleichzeitig Familie und Betrieb zusammen. Viele dieser Aufgaben bleiben in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch weniger sichtbar als die Arbeit im Stall oder auf dem Feld. Genau darauf macht der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) zum Weltbauerntag am 1. Juni aufmerksam. „Frauen in der Landwirtschaft sind nicht nur mithelfende Familienangehörige: Sie entwickeln Höfe weiter und halten sie zusammen“, erklärt Katrin Walmanns, kommissarische Leitung des LLH. „Wenn wir Frauen sichtbarer machen wollen, müssen wir auch die Bedingungen verbessern, unter denen sie Verantwortung übernehmen können.“

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Besonders deutlich zeigt sich das bei der Hofnachfolge: In der landwirtschaftlichen Erstausbildung ist in den vergangenen Jahren ein insgesamt stabiler, leicht zunehmender Anteil weiblicher Absolventinnen erkennbar. Während der Beruf des Landwirts bzw. der Landwirtin weiterhin überwiegend von Männern erlernt wird, nimmt der Frauenanteil langsam, aber kontinuierlich zu. Von 2010 bis 2025 lag der Anteil der weiblichen Absolventinnen je nach Jahr zwischen acht und 23 Prozent. In den letzten Jahren bewegten sich die absoluten Zahlen weiblicher Prüfungsteilnehmerinnen dabei überwiegend im Bereich zwischen Mitte 20 und rund 50 Personen. 2025 wurden insgesamt 222 Abschlussprüfungen abgelegt, darunter 50 von Frauen. Die
Entwicklung zeigt, dass sich zunehmend mehr Frauen für eine Erstausbildung in der Landwirtschaft entscheiden und den Beruf aktiv mitgestalten. An den vier Fachschulen für Agrarwirtschaft des LLH lag der Frauenanteil unter den Absolventinnen und Absolventen in der Weiterbildung in den vergangenen fünf Schuljahren bei rund 19 Prozent. Im Schuljahr 2024/2025 waren acht von 40
Absolventinnen und Absolventen Frauen, im Jahr zuvor zwölf von 68. Insgesamt schlossen in den letzten fünf Jahren 274 Personen ihre Ausbildung erfolgreich ab, darunter 52 Frauen.

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„Diese Zahlen zeigen: Frauen sind in der Landwirtschaft heute deutlich präsenter, aber weiterhin unterrepräsentiert. Umso wichtiger ist es, ihre Leistungen sichtbar zu machen und mehr junge Frauen für den Beruf zu gewinnen“, betont Martin Grenzebach, Abteilungsleitung „Bildung“ im LLH. Es zeichnet sich ein langsamer Wandel ab: Zunehmend entscheiden sich Familien dafür, ihren Betrieb an Töchter zu übergeben oder ihnen frühzeitig Führungsverantwortung zu übertragen. Damit diese Entwicklung gelingt, braucht es neben fachlicher Qualifikation auch verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und Beratung. Strukturell besonders schwierig: Mutterschutz und Elternzeit lassen sich kaum mit einem Betrieb vereinbaren, da die Arbeit nicht einfach pausieren kann. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) unterstützt versicherte Frauen zwar mit Betriebs- und Haushaltshilfe, doch insbesondere selbständig Tätigen fehlt häufig ein verlässlicher Einkommensersatz. Hinzu kommen Fragen zur sozialen Absicherung bei Arbeitsunfähigkeit, Scheidung, Hofgründung, im Alter oder im Todesfall – Situationen, in denen Frauen in der Landwirtschaft oft auf nachteilige Regelungen treffen.

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Der LLH greift diese Themen gemeinsam mit dem Landfrauenverband Hessen e. V. gezielt auf. Seit Mitte April läuft die gemeinsame Qualifizierungsreihe „Empowerment von Frauen in und aus der Landwirtschaft“. In 23 Präsenz- und Digitalterminen vermittelt sie Fachwissen, unternehmerische Kompetenzen, persönliche Stärke und bietet zudem Vernetzungsmöglichkeiten. Gemeinsam mit dem Landfrauenverband und weiteren Akteuren im ländlichen Raum will der LLH das Thema weiter Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen voranbringen. Ziel ist es, Frauen nicht nur symbolisch sichtbar zu machen, sondern ihnen konkrete Möglichkeiten für Ausbildung, Beratung, Führung und Betriebsentwicklung zu eröffnen. „Wer die Landwirtschaft zukunftsfähig machen will, muss Frauen konsequent mitdenken – in der Ausbildung, in der Nachfolge, in der Beratung und in der öffentlichen Wahrnehmung“, so Katrin Walmanns. Sie betont: „Denn starke Höfe
brauchen starke Frauen.“
Zum Hintergrund:
Der Aktionstag fällt in das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026. Für den LLH ist das Anlass, nicht nur Leistungen zu würdigen, sondern auch die strukturellen Fragen dahinter stärker in den Fokus zu rücken. Denn nach Angaben des Thünen-Instituts sind rund 35 Prozent der Beschäftigten in der deutschen Landwirtschaft weiblich, geleitet werden jedoch nur etwa 11 Prozent der Betriebe von Frauen. Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag für die Landwirtschaft, erhalten aber weiterhin seltener Zugang zu Eigentum, Führungsverantwortung und öffentlicher Sichtbarkeit.

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