Wenn das Wetter über die Ernte entscheidet

Welttag der Meteorologie: Wie Wetterdaten der Landwirtschaft helfen

Kassel. Regen zum falschen Zeitpunkt, Trockenheit nach der Aussaat, Frost in der Blüte: Für die Landwirtschaft und den Gartenbau spielt das Wetter  seit jeher eine entscheidende Rolle. Anlässlich des Weltwassertags am 22. März und des direkt folgenden Welttags der Meteorologie am 23. März macht der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) auf die Bedeutung präziser Wetterdaten aufmerksam. Der diesjährige Welttag der Meteorologie steht unter dem Motto „Heute beobachten, morgen schützen“ – ein Leitsatz, dem der LLH in seiner täglichen Arbeit konkret folgt. Denn wer in der Landwirtschaft sowie im Gartenbau auf verlässliche Entscheidungsgrundlagen setzt, braucht mehr als die allgemeine Wettervorhersage: Es braucht agrarmeteorologische Daten, die auf die spezifischen Bedürfnisse von Pflanzenbau, Gartenbau und Tierhaltung zugeschnitten sind.
Ein Messnetz für ganz Hessen
Dafür betreibt der LLH ein flächendeckendes Netz von rund 30 Wetterstationen, welches die klimatisch vielfältigen Regionen Hessens – von der Rhön bis zum Rheingau und vom Westerwald bis zur Wetterau – bestmöglich abdeckt. „Alle Stationen erfassen im Zehn-Minuten-Takt kontinuierlich Lufttemperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und -richtung sowie Sonneneinstrahlung und Bodentemperaturen in verschiedenen Tiefen“, erklärt Philipp Graf aus der LLH-Fachinformation Pflanzenbau.

Die Messwerte werden digital übermittelt und stehen unter www.wetter.llh-hessen.de interaktiv und kostenfrei zur Verfügung. Das Besondere: Aus den gesammelten Wetterdaten entstehen direkt nutzbare Entscheidungshilfen. So zeigt das Portal beispielsweise den aktuellen Bewässerungsbedarf für verschiedene Kulturen, liefert Prognosen zur Spargeldammtemperatur für den Gemüsebau oder warnt vor erhöhtem Infektionsdruck durch Pilzkrankheiten wie Apfelschorf und Falschem Mehltau. Agrarmeteorologische Hinweise zum Pflanzenschutz berücksichtigen dabei auch die Windverhältnisse; ein wesentlicher Faktor, um die unerwünschte Abdrift von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden und Anwendungsverbote bei zu starkem Wind einzuhalten.


Wasser als knappe Ressource – auch in Hessen
Der Weltwassertag am 22. März rückt in diesem Jahr Wasser als Lebensgrundlage in den Fokus – ein Thema, das auch in der hessischen Landwirtschaft deutlich spürbar ist. Mehrere aufeinanderfolgende Trockenjahre haben gezeigt, dass ausreichende Wasserverfügbarkeit nicht selbstverständlich ist. Der LLH begleitet Betriebe daher mit Bewässerungsversuchen und fachlicher Beratung: Welche Kulturen profitieren von Zusatzbewässerung? Wann ist der optimale Zeitpunkt? Welche Technik ist betriebswirtschaftlich sinnvoll? Die Wetterstationen liefern dafür die Datengrundlage: Über die Berechnung der klimatischen Wasserbilanz – also dem Verhältnis von Niederschlag und Verdunstung – lässt sich der tatsächliche Wasserbedarf von Flächen und Kulturen standortgenau einschätzen. Solche Analysen helfen, Wasser dort einzusetzen, wo es tatsächlich gebraucht wird und damit eine knapper werdende Ressource effizienter zu nutzen.


Klimawandel macht genaue Daten unverzichtbarer
„Der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in Hessen spürbar“, sagt Karl-Josef Walmanns, Pressesprecher des LLH. Er ergänzt: „Wir sehen frühere Vegetationsbeginne, häufigere Trockenphasen im Sommer und ein verändertes Auftreten von Schaderregern.“ Um darauf reagieren zu können, brauche es eine solide Datenbasis – etwa bei der Wahl widerstandsfähigerer Sorten, bei der Bewässerungsplanung oder im vorausschauenden Pflanzenschutz. Langfristige Zeitreihen aus dem LLH-Messnetz ermöglichen genau das: Sie machen regionale Klimaveränderungen sichtbar und geben der Praxis, aber auch Beratung und Wissenschaft, belastbare Grundlagen für Anpassungsstrategien.

Beratung und digitale Angebote aus einer Hand
Wer die agrarmeteorologischen Angebote des LLH nutzen möchte, findet unter www.wetter.llh-hessen.de aktuelle Wetterdaten, Karten, Prognosen und kulturspezifische Auswertungen. Für eine individuelle Beratung, etwa zur Bewässerungsplanung oder zum standortgerechten Pflanzenschutz, stehen die Beratungskräfte des LLH in den regionalen Beratungszentren zur Verfügung.