Bad Arolsen(edr). Jürgen Rönsch bietet rund um Bad Arolsen Deutsch-Kurse für ausländische Mitarbeiter und Auszubildende an. Der 57jährige ist vor gut zwei Jahren von Münster in die Region gekommen und arbeitet heute schon für verschiedene Einrichtungen in der Region. Im Interview erklärt er unter anderem, warum sich auch deutsche Führungskräfte anstrengen müssen.
Eder-Dampradio: Herr Rönsch, an wen richtet sich Ihr Angebot genau?
Rönsch: Meine Kunden sind Unternehmen und Organisationen, die Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln beschäftigen und sich für diese bessere Deutsch-Kenntnisse für diese wünschen. Das können Hotels genauso sein wie Speditionen oder Pflegeeinrichtungen. Unterrichtsort kann das Unternehmen selbst, das AroVation in Bad Arolsen oder das Göbels Landhotel in Willingen sein. Das Niveau der Kurse reicht von A1 bis C1.
Eder-Dampfradio: Welche Qualifikation haben Sie, um diese Kurse anzubieten?
Rönsch: Ich habe Russisch, Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert und war im englischsprachigen Ausland aktiv. Zudem besitze ich eine so genannte BAMF-Zulassung und habe Erfahrung als Integrations– und Berufscoach für Flüchtlinge.
Eder-Dampfradio: Warum sollten Unternehmen in Ihre Deutsch-Kurse investieren?
Rönsch: Vielen Unternehmen ist gar nicht bewusst, wie viel es kostet, wenn bei Mitarbeitern nur eingeschränkte Sprachkenntnisse vorhanden sind. Nicht nur, dass vieles mehrfach oder mithilfe von Übersetzungsapps erklärt werden muss, es müssen auch Arbeitsanweisungen und Prozessbeschreibungen in verschiedenen Sprachen erstellt werden. Oft leiden auch der wichtige interne Austausch und die Teamleistung von Mitarbeitern. Weil man sich nicht versteht, sprechen Deutsche nur mit Deutschen, Ukrainer nur mit Ukrainern.
Eder-Dampfradio: Die Sprachausbildung von Flüchtlingen übernimmt doch der Staat?
Rönsch: Meine Erfahrung ist: Weil in vielen staatlichen Kursen generell nur in Deutsch unterrichtet wird, bleibt der Spracherfolg oftmals sehr überschaubar. Die Situation lässt sich am besten vergleichen mit einem Deutschen, der noch nie Chinesisch gelernt hat und dessen Lehrer vor Ort ausschließlich in dieser Sprache spricht. Wenn man die Muttersprache der Teilnehmer spricht und die deutsche Grammatik mit deren Hilfe erklären kann, ist der Erfolg meistens höher.
Eder-Dampfradio: Das heißt, Unternehmen sollten auf jeden Fall eigene Deutsch-Kurse für ausländische Mitarbeiter anbieten?
Rönsch: Ich meine ja, schließlich sorgt häufig auch die jeweilige Unternehmenskultur für Herausforderungen. Wenn im Betrieb vor allem dialektale oder umgangssprachliche Formulierungen wie „Mach hinne“ oder „haste mal“ verwendet werden, lohnt sich ein Kurs auf jeden Fall. Gleiches gilt, wenn aus Frust zur Baby-Sprache gegriffen wird und Sätze wie „Du komm“ oder „Du machen“ zu hören sind. Manchmal ist ein Deutsch-Kurs für ausländische Mitarbeiter auch ein Signal für Einheimische, einfacher, langsamer und ohne das Verschlucken von Buchstaben zu sprechen.
Eder-Dampfradio: Deutsch gilt als sehr schwere Sprache. Teilen Sie diese Auffassung?
Rönsch: Deutsch ist – wie auch alle anderen Sprachen – besonders dann schwer, wenn das theoretisch Gelernte nicht in die richtige Praxis umgesetzt werden kann. Ich sehe häufig Unternehmen, in denen es nur noch in den Führungsebenen Deutsche gibt. Alle darunter liegenden Ebenen sind von ausländischen Mitarbeitern mit beschränkten Deutsch-Kenntnissen besetzt. Ein Sprachkurs-Teilnehmer sagte zu mir einmal: Anstatt richtiges Deutsch habe ich in den letzten sechs Monaten perfektes Russisch gelernt.
Eder Dampfradio: Sind auch Mitarbeiter bereit, für die Sprach-Kurse zu bezahlen?
Rönsch: Meine Erfahrung ist: Wenn die Teilnehmer das Gefühl haben, der Kurs bringt etwas, ist eine eigene finanzielle Beteiligung der Mitarbeiter überhaupt kein Thema.





