Leitungswechsel im Bieneninstitut Kirchhain

Dr. Martin Gabel neuer Leiter des LLH-Fachgebietes 35 „Bieneninstitut Kirchhain“

Kirchhain. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) hat Dr. Martin Gabel zum 1. Juli 2026 die Leitung des Bieneninstituts Kirchhain (BIK) übertragen. Zuvor war der 33-Jährige
vor Ort als stellvertretender Fachgebietsleiter tätig und bringt umfassende Erfahrung in die neue Position ein. Er folgt auf Dr. Marina Meixner, die das BIK seit 2022 leitete und sich nach fast zwei Jahrzehnten im LLH in den Ruhestand verabschiedet. Als Teil des LLH nimmt das BIK eine zentrale Rolle in Hessen ein: Es ist Anlaufstelle für praxisnahe Beratung, Aus- und Weiterbildung sowie Fachinformation rund um Honigbienen, Imkerei und Wildbienen. Die eigene Forschung bildet dabei eine wichtige Grundlage, um gezielt auf aktuelle Fragestellungen der Imkerschaft reagieren zu können.
Herausforderungen für Imkerei und Bienenforschung im Blick
In seiner neuen Funktion möchte Gabel die bewährte fachliche Ausrichtung des Instituts weiterführen. Die Arbeitsbereiche Bildung, Beratung und Fachinformation bleiben eng mit der imkerlichen Praxis und den institutseigenen Laboren verzahnt. Inhaltlich sollen aktuelle Herausforderungen verstärkt in den Fokus rücken. „In Zukunft werden uns weiterhin die klimatischen Veränderungen, die sich zunehmend auch auf Bienen und Imkerei auswirken, das Auftreten neuer Parasiten und eine resilientere und umweltverträglichere Imkerei beschäftigen“, blickt Dr. Martin Gabel voraus. Ein weiteres zentrales Anliegen ist die Verbesserung der Lebensbedingungen von Wild- und Honigbienen gleichermaßen. „Hier gilt es, gemeinsame Lösungen zu entwickeln,
die sowohl der Imkerei als auch der Biodiversität insgesamt zugutekommen“, so Gabel.

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Imkerei als Brücke zwischen Landwirtschaft und Biodiversität
Die Imkerei versteht Dr. Martin Gabel als Teil der Landwirtschaft, die eine wichtige Verbindung zwischen Nutztierhaltung und Umwelt darstellt. Er betont: „Neben den direkt gewonnenen Bienenprodukten wie Honig und Wachs, leisten Honigbienenvölker eine unverzichtbare Bestäubungsleistung an Wild- und Kulturpflanzen – allein darin verbinden sich bereits landwirtschaftliche Produktion, Umwelt und Biodiversität.“ Im Hinblick auf Umwelt und Biodiversität käme Imkerinnen und Imkern sowie allen mit Honigbienen befassten Akteuren zusätzlich eine besondere Bedeutung zu: Durch das tiefere Verständnis der Anforderungen von Honigbienen an ihre Umwelt (z. B. eine möglichst stetige Versorgung mit Nektar, Pollen und Wasser über die gesamte Saison
hinweg), werden Mangelsituationen, etwa Lücken in der Versorgung mit Pollen oder Wasser, in der Landschaft deutlicher wahrgenommen. Das Erkennen und Beheben solcher Mangelsituationen ist wiederum auch für viele andere Bestäubergruppen von enormer Bedeutung. „Der besondere Blick auf die Umwelt hilft also dabei, die Bestäuberdiversität im Allgemeinen zu unterstützen – durch direkte Maßnahmen in der Landschaft und Umweltbildung“, unterstreicht Gabel den Stellenwert der hessischen Bienenhaltung.


Handlungsfelder und Weiterentwicklung am BIK
Der neue Fachgebietsleiter des BIK wird in den kommenden Jahren Herausforderungen und Chancen nutzen, um das Institut zukunftsorientiert weiterzuentwickeln: Dazu zählen aus Gabels Sicht künftig ein steigender Beratungsbedarf und neue fachliche Fragestellungen im Bereich der Bienenhaltung. Ein erhöhter Beratungsbedarf ergebe sich aus der wachsenden Zahl an Imkerinnen und Imkern, aber auch aus den zunehmenden Herausforderungen für die Bienenhaltung: Klimawandel, neue Bienenschädlinge wie die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) sowie veränderte
Bedingungen im Umgang mit der Varroamilbe erfordern immer mehr fachliche Unterstützung und praxisnahe Beratung. Gleichzeitig gelte es, den anstehenden Generationswechsel im Personal aktiv zu gestalten und die damit verbundenen Wissensübergänge sicherzustellen.
Seine berufliche Laufbahn begann Gabel mit dem Biologiestudium an der Philipps-Universität Marburg, das er später mit einem Masterabschluss an der Justus-Liebig-Universität Gießen abschloss. Im Anschluss promovierte er an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Bereits früh sammelte er Erfahrungen in der angewandten Bienenforschung, unter anderem als wissenschaftliche Hilfskraft in einer Fraunhofer-Projektgruppe und vor rund zehn Jahren erstmals am BIK als Gastwissenschaftler. Dort war er seither in unterschiedlichen Funktionen tätig – sowohl im Bereich des Lehrgangswesens als auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter in verschiedenen Forschungsprojekten, die sich mit Themen der Bienenzucht, Selektion und nachhaltigen Imkerei beschäftigen. Heute ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Horizon Europe-Projekt „BEE-GUARDS“ tätig und als verantwortlicher Bearbeiter für den Bereich Imkerei und Zucht am BIK eingesetzt.


Hintergrund
Das LLH-Fachgebiet 35 „Bieneninstitut Kirchhain“ ist in Hessen für Beratung, Bildung und Fachinformation zu allen Belangen der Imkerei zuständig. Die Grundlage dafür bilden eine Imkerei mit etwa 380 Völkern und Labore mit einem Analyseumfang von etwa 6.000 Proben (Krankheiten, Immunsystem, physiologische Eigenschaften). 2025 waren 24 Mitarbeitende und vier Auszubildende beschäftigt. Das Institut wurde 1928 als Lehr- und Versuchsanstalt für Bienenzucht beim Zoologischen Institut der Universität Marburg gegründet und hat lange einen Schwerpunkt in der Zucht von Bienenköniginnen und der Analyse von Bienenkrankheiten. 1966 übernahm das Land Hessen die Trägerschaft des Instituts und übertrug die Verwaltung der Landwirtschaftskammer Kurhessen. Zur Verbesserung der räumlichen Gegebenheiten wurde kurz darauf eine Verlegung nach Kirchhain in das heutige Institutsgebäude veranlasst. Nach Auflösung der Landwirtschaftskammern in Hessen erfolgte 1970 eine Einbindung des Instituts als Abteilung für Bienenzucht in die Landesanstalt für Tierzucht. Die LLH-Mitarbeitenden
am BIK stehen in engem Austausch mit Imkereiverbänden und anderen Organisationen mit Bezug zur Bienenhaltung in Hessen. Forschungsvorhaben führt das BIK teilweise zusammen mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen durch.