REWE-Markt Zawisza macht den Anfang
Bad Arolsen. Auch in Waldeck-Frankenberg gibt es nun die Stille Stunde. Anfang März startete mit dem REWE-Markt Zawisza in Bad Arolsen der erste Händler im Landkreis mit dem Angebot. Die Stille Stunde findet im REWE-Markt Zawisza immer mittwochs von 15 – 16 Uhr statt. Ein erstes Resümee zeigt: Der Markt war gut vorbereitet, die Maßnahmen wurden vorbildlich
umgesetzt. Davon haben sich beim Start des Angebots der stellvertretende Landrat, Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese, und der Bad Arolser Stadtrat Ludger Brinkmann in Vertretung des Bürgermeisters der Residenzstadt überzeugt. In der Stillen Stunde werden regelmäßig für eine bestimmte Zeit Reize beim Einkaufen reduziert. Vor allem Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen und chronischen Erkrankungen profitieren davon, aber auch Personen, die empfindlich auf äußere Einflüsse reagieren. Die Stille Stunde sollte zumindest einmal pro Woche stattfinden und eine ruhigere Atmosphäre schaffen. Dafür kommen einige Maßnahmen in Frage, z. B. Musik und Durchsagen zu minimieren oder ganz abzustellen, Kassentöne nur minimal einzusetzen, auf Warenverräumungen zu verzichten oder das Licht zu dimmen. Die nächsten Anbieter der Stillen Stunde stehen bereits fest: Ab 14. April beteiligen sich die REWE-Märkte Sperlich in Willingen und Jürgens in Usseln, jeweils dienstags von 15 – 16 Uhr.
Am 22. April startet der Edeka-Markt Schmidt in Sachsenhausen mit dem Angebot, jeweils mittwochs von 14 – 15 Uhr. Die Stille Stunde bietet sowohl für Kunden als auch für Märkte viele Vorteile. Sie dient vorrangig der Inklusion, schafft aber auch eine angenehmere Atmosphäre, stärkt die Kundenbindung und das Markenimage und kann neue Kundengruppen erschließen. Die Initiatoren der Stillen Stunde in Waldeck-Frankenberg danken den vier Märkten, die inklusiv und engagiert im März und April den Anfang im Landkreis machen. Außerdem gilt der Dank den weiteren Unterstützern: Oberst a. D. Jürgen Damm, u. a. als ehrenamtlicher Sprecher der Aktion Barrierefreies Leben in Bad Arolsen, Reinhold Lohmar als Vorsitzenden des Behindertenbeirates der Gemeinde Willingen und Alex Kauk von Authaven e.V., „Anlaufhafen“ für das Autismusspektrum aus Twistetal. Alle Händlerinnen und Händler im Landkreis sind eingeladen, sich an der Stillen Stunde zu beteiligen. Nähere Informationen gibt es beim Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Landkreises unter E-Mail alexandra.koeck@lkwafkb.de oder unter Tel. 05631 954-1625.
Erfahrungen von Unternehmen, die das Konzept bereits umgesetzt haben Viele Kunden nutzen die entspannte Atmosphäre während der Stillen Stunde nicht nur gern, sie bleiben auch länger, stöbern mehr und rennen nicht einfach so durch. Es zeigt sich, dass die Stille Stunde nicht nur Betroffenen hilft, sondern die Aufenthaltsqualität für alle Kunden erhöht, insbesondere für Familien mit kleinen Kindern oder Senioreninnen und Senioren. Auch die Mitarbeitenden genießen die Ruhe. Sie finden das Arbeiten während der Stillen Stunde entspannter als sonst. Die Lichter zu dimmen und die Musik abzustellen, ist leicht umzusetzen und verursacht für Händler keine Kosten. In einem Marktwettbewerb, der oft auf Reizüberflutung setzt, hebt sich ein Händler mit einer stillen Stunde positiv ab. Daher unterstützt der Handelsverband Hessen die Initiative, um den stationären Handel in Hessen inklusiver zu gestalten. Ziel ist es, Menschen mit einer hohen Sensibilität gegenüber Sinnesreizen eine stressfreie Teilhabe am öffentlichen Leben zu erleichtern oder erst zu ermöglichen. „Der Handel versteht sich als Ort der Teilhabe und Begegnung für alle Menschen; Inklusion ist deshalb für Händler und Händlerinnen ein selbstverständlicher Aspekt des Alltagsgeschäfts“, so Funda Bakan vom Handelsverband Hessen.
Erstes Resümee und Empfehlungen von Marktleiter Michael Zawisza: „Den Start fand ich sehr, sehr gut gelungen. Wir haben ein wahnsinnig tolles Feedback. Wir stellen eine leichte Erhöhung der Frequenz fest. Wobei ich erst nach drei Monaten definitiv mehr dazu sagen kann. Die Herausforderung ist es, den Markt auf den Punkt ruhig zu bekommen. Empfehlung für andere Märkte: Vor der Umsetzung der Stillen Stunde können eine gute Vorbereitung (Werbung) und evtl. eine Checkliste (Mitarbeitende informieren, Musik ausschalten und jede Kasse leise stellen, Licht dimmen, keine Warenverräumungen usw.) hilfreich sein.“

