Gülle – besser als ihr Geruch

Richtiger Umgang mit Wirtschaftsdüngern

Kassel(pm). Mit dem Ende der Sperrfrist dürfen ab 1. Februar Äcker und Grünland wieder gedüngt werden, um Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. „Dabei haben der Gewässer- und Bodenschutz oberste Priorität. Gedüngt werden darf nur, wenn der Boden tragfähig ist und keine Nährstoffe abgeschwemmt werden. Da viele Böden derzeit noch feucht sind, ist eine sorgfältige Planung besonders wichtig“, erklärt Karl-Josef Walmanns, Pressesprecher des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH). Sobald dann wieder Gülle ausgebracht wird, fühlen sich manche Menschen im ländlichen Raum vom Geruch gestört. Dabei wird oft übersehen, welchen Wert sogenannte Wirtschaftsdünger haben. „Gülle ist besser als ihr Ruf. Der organische Dünger aus der Tierhaltung bietet Vorteile gegenüber mineralischen Düngemitteln – und Gerüche lassen sich heute durch moderne Technik deutlich reduzieren“, so Walmanns weiter.
Gülle – ein Allrounder?!
Gülle, Mist und Co. sind in der Regel kostengünstiger als mineralische Dünger und machen Betriebe unabhängiger von stark schwankenden Düngerpreisen. Zudem enthalten sie alle wichtigen Pflanzennährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium und Schwefel. Darüber hinaus fördern sie das Bodenleben und unterstützen den Aufbau von Humus – einer wichtigen Kohlenstoff-Senke.
Gleichzeitig entstehen bei Lagerung und Ausbringung organischer Dünger Emissionen. Maßnahmen wie die Abdeckung von Güllelagerstätten, eine zügige Einarbeitung in den Boden oder ihre
Vergärung in Biogasanlagen mindern diese Effekte und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz.


Schnell in die Erde
Wie stark Gerüche wahrgenommen werden, hängt neben Wetter und Wind vor allem von der Ausbringungstechnik ab. Diese hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt: Moderne Verfahren wie Schleppschlauch-, Schleppschuh- oder Schlitztechnik bringen die Gülle bodennah aus oder arbeiten sie direkt in den Boden ein. Im Ackerbau sind diese Techniken seit 2020 vorgeschrieben, im Grünland und im Feldfutterbau seit 2025. Dadurch werden Stickstoffverluste und Gerüche spürbar reduziert. Der LLH beteiligt sich zudem an Versuchen zur weiteren Minderung von Nährstoff- und Emissionsverlusten, etwa durch den Einsatz von Gesteinsmehl oder Pflanzenkohle. Auch eine Ansäuerung der Gülle kann Ammoniakemissionen senken, hat sich in Deutschland bislang jedoch nicht durchgesetzt.


Mach Energie aus Gülle!
Die Vergärung von Gülle in Biogasanlagen trägt nicht nur zur Energiewende bei, sondern reduziert auch Methanemissionen aus der Güllelagerung. Die verbleibenden Gärreste werden als Dünger genutzt, enthalten weiterhin wertvolle Nährstoffe und riechen deutlich weniger. Laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. wird rund ein Drittel der in Deutschland anfallenden Wirtschaftsdünger bereits so doppelt genutzt – das spart rund 8,1 Mio. Tonnen CO2-Äq.
Nährstoffkreislauf im Blick behalten
Wirtschaftsdünger schließen Nährstoffkreisläufe, da ein Großteil des enthaltenen Stickstoffs und Phosphors auf die Felder zurückgeführt wird. Probleme entstehen dort, wo hohe Viehbestände und Nährstoffimporte die Kreisläufe überlasten. Hessen ist mit rund 388.000 Großvieheinheiten und circa 767.000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche davon weniger betroffen (Quelle: Agrarstrukturerhebung 2023, Hess. Stat. Landesamt). Sinkende Tierbestände haben die Abhängigkeit von Düngerimporten zuletzt sogar erhöht.
Fazit: Auch wenn es manchmal riecht – Gülle, Mist und Co. sind wertvolle Bestandteile einer nachhaltigen Landwirtschaft. Richtig 1 In Hessen darf stark verdünnte, dünnflüssige Gülle unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin mit dem Breitverteiler ausgebracht werden. eingesetzt, schonen sie Klima und Ressourcen und sichern die Nährstoffversorgung der Pflanzen.