Wewelsburg nutzt digitale Daten für interaktive Vermittlungsangebote
Kreis Paderborn(krpb). Das Projekt „Digitale Wewelsburg“ steht für Innovation im ländlichen Bereich und ist für den kulturellen Bereich von besonderer Nachhaltigkeit und weitreichendem Nutzen. Ziel des Projekts war es, anhand des historischen Ortes Wewelsburg modernste Vermessungstechnik mit kulturellen Bildungsinhalten zu verknüpfen. Die Wewelsburg wurde zunächst durch 3D-Laserscanner, Fotodrohnen und 360-Grad-Panoramakameras komplett von außen und innen vermessen. Anschließend wurden die Vermessungsdaten für die Entwicklung interaktiver Bildungsangebote für das Kreismuseum Wewelsburg genutzt. Diese Angebote ermöglichen neue Wege in der Museumspädagogik: Eines der neuentwickelten digitalen Vermittlungsangebote sind die Epochenmodelle des historischen Gebäudes Wewelsburg in den 900 Jahren seines Bestehens. Es wurden digitale Modelle der mittelalterlichen Burganlage (12. Jh.), dem Ausbau zum Schloss (1609), der teilweisen Zerstörung im Jahr 1815 sowie des massiven Umbaus während der Nutzung durch die SS 1934-1945 angefertigt. Es wurde eine Vision geschaffen, wie die Wewelsburg in der jeweiligen Epoche ausgesehen haben könnte. Die Modelle werden nun in den Ausstellungsräumen zur Baugeschichte der Wewelsburg im „Historischen Museum des Hochstifts Paderborn“ gezeigt.
Zu den weiteren digitalen Angeboten gehören u.a. die barrierefreien, virtuellen Rundgänge (in deutscher und englischer Sprache) durch das Historische Museum des Hochstifts Paderborn, die nun mobilitätseingeschränkten Besuchenden die Möglichkeiten geben, Museumsräume und Objekte in den sonst für sie nicht zu erreichenden Kelleretagen zu erschließen (z. B. Hexenkeller oder Raum 7/Zeiterfahrung in der vorindustriellen Zeit). Auch können sich Besuchende die beiden nicht barrierefreien Räume im Nordturm des Schlosses digital erschließen. Außerdem wird ein spezieller Kellerraum, der sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, digital erlebbar. Es handelt sich dabei um das sogenannte Norbertsloch. Weiterhin wurden 22 ausgewählte Objekte mit hochaufgelöster Präzision in 3D visualisiert und mit Zusatzerläuterungen (in deutscher und englischer Sprache) auf Tablets zugänglich gemacht. Die App-Anwendung auf den Tablets gibt Interessierten nun die Möglichkeit, diese besonderen Objekte umfassend von allen Seiten zu betrachten und zusätzliche fachliche Informationen oder auch Hinweise auf Vergleichsobjekte, die nur im Magazin aufbewahrt werden, zu erhalten.
Ein besonderes Vermittlungsangebot ist die Virtual-Reality (VR)-Entdeckungsreise des Museumsmaskottchens Falko. Hierfür wurden die digitalen Messdaten und 3D-Aufnahmen der Wewelsburg zugrunde gelegt und in ein animiertes, interaktives neu programmiertes Spiel, das mit einer VR-Brille genutzt werden kann, integriert. Die digitale Anwendung wird bereits regelmäßig für die Besuchenden im Historischen Museum angeboten und ist sehr beliebt bei den jungen und junggebliebenen Gästen. Das Projekt „Digitale Wewelsburg“ des Kreises Paderborn startete 2021 und wurde als „Heimat-Zeugnis“ durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

