Akutkliniken in Waldeck-Frankenberg fordern sofortigen Inflationsausgleich

Alarmstufe rot – Krankenhäuser in Gefahr

Waldeck-Frankenberg(pm). Volle Notaufnahmen, Corona-Pandemie, Fachkräftemangel, Personalausfälle und jetzt auch noch explodierende Kosten – die massiven Preissteigerungen als Folge des Ukrainekrieges stellen die Krankenhäuser vor weitere große Herausforderungen. Ohne Inflationsausgleich und Corona-Hilfen werden Krankenhäuser zu Leistungseinschränkungen gezwungen, warnen die vier Akutkrankenhäuser im Landkreis Waldeck Frankenberg. Die Asklepios Kliniken Bad Wildungen, das Krankenhaus Bad Arolsen (Gesundheit Nordhessen), das Kreiskrankenhaus Frankenberg und das Stadtkrankenhaus Korbach fordern daher im Schulterschluss mit der Landeskrankenhausgesellschaft Hessen sowie der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) einen sofortigen Inflationsausgleich, um kurzfristig wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben.

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Die aktuelle Roland Berger Studie kommt zu dem Ergebnis, dass überwältigende 96 Prozent der Kliniken mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den nächsten fünf Jahren rechnen. Auch die Ausgleichzahlungen des Bundes, mit denen pandemiebedingte Umsatzausfälle und Kostenanstiege kompensiert werden sollten, haben kaum für Entlastung gesorgt: Bei mehr als der Hälfte der befragten Kliniken haben die Zahlungen die Mehrkosten schon im vergangenen Jahr kaum gedeckt, im laufenden Jahr ist die Lücke noch größer. Die Folge: Knapp 70 Prozent der Kliniken erwarten in diesem Jahr ein Defizit, bei den Häusern in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft sind es sogar 90 Prozent. Als Gründe nennen die Kliniken verschiedene Effekte, die aktuell zusammenkommen und deutsche Krankenhäuser hart treffen:

•Der große Beitrag in der Versorgung der Corona-Patienten sowie die anstehenden Herausforderungen der Herbst/Winter-Welle werden immer wieder betont, die finanziellen Corona-Hilfen wurden jedoch gestrichen.

•Unabwendbare Kostensteigerungen (u. a. Inflation, Gasumlage, Tarifsteigerungen) der Krankenhäuser treffen auf staatlich regulierte Preise ohne Ausgleichsmechanismen.

•Rückgang der stationären Fallzahlen: noch immer schieben Patienten aus Angst vor Corona planbare Eingriffe auf.

•Durch Covid-19-bedingte hohe Krankenstände und Stationsschließungen. Viele Mitarbeitende, insbesondere in der Pflege, haben den Beruf gewechselt oder stehen nach zwei Jahren extremer Mehrbelastung nicht mehr im früheren Umfang zur Verfügung. Aufgrund der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung können dadurch verfügbare Betten oft nicht belegt werden.

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Um die Öffentlichkeit und wiederholt auch die Bundespolitik für die existenzbedrohende Lage vieler Krankenhäuser zu sensibilisieren, wurde mit Hilfe der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) die bundesweite Kampagne „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Gefahr“ gestartet. Mit einem Infomobil reist die DKG aktuell durch die Bundesländer, um über die aktuelle Situation zu informieren und einen umgehenden Inflationsausgleich für die Kliniken zu fordern. Insolvenzen sollen verhindert werden. Am 20. September kommt das Infomobil nach Hessen und macht in Gelnhausen halt. Zwar sei es aus Sicht der Kliniken in Waldeck-Frankenberg begrüßenswert, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, MdB jüngst in der Haushaltsdebatte des Bundes erstmals verlautbaren ließ, „dass man Krankenhäuser nicht im Stich ließe und sie über den Herbst und über den Winter bringen werde“. „Aber unklare Versprechungen helfen uns hier nicht“, mahnt Sassan Pur, Geschäftsführer des Stadtkrankenhaus Korbach. „Vielen Kliniken steht jetzt bereits das Wasser bis zum Hals. Allein die massiven Steigerungen im Bereich der Energieversorgung bringen immer mehr Kliniken unverschuldet in wirtschaftliche Schieflage. Wir können die gestiegenen Preise nicht einfach weitergeben, wie es im Einzelhandel oder der Gastronomie möglich ist.“ Die Politik müsse jetzt tätig werden, um Krankenhausschließungen zu verhindern, damit die Versorgung der Patienten gewährleistet bleibe, fordert Pur. Bürgermeister Klaus Friedrich bringt es in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender des Stadtkrankenhaus Korbach auf den Punkt: „Aktuell liegt die Inflationsrate bereits bei rund acht Prozent, Tendenz weiter steigend. Und insbesondere die Preise für Strom und Gas haben sich vervielfacht. Der Gesetzgeber hat hingegen für dieses Jahr nur eine Anpassung der Preise für Behandlungsleistungen der Kliniken in Höhe von rund 2,3 Prozent vorgesehen. Die verbleibende Finanzlücke können Krankenhäuser nicht aus eigener Kraft schließen.“

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Auch Katrin Kern, Geschäftsführerin der Asklepios Kliniken Bad Wildungen, begrüßt die jüngste Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, kurzfristig ein Hilfspaket für Deutschlands Krankenhäuser zu schnüren. „Dies muss dann aber schnellstmöglich und ohne Umwege auf den Weg gebracht werden sowie die Auswirkungen der Inflation kompensieren“, mahnt Kern. „Leere Versprechungen helfen uns nicht weiter, die Zeit rennt. Zudem sind die Corona-Hilfen im Sommer ausgelaufen“, so Kern weiter. „Insgesamt brauchen wir dringend verlässliche und langfristige Struktur- und Finanzierungsreformen, damit wir unsere Kliniken weiterentwickeln und so die zukünftige Patientenversorgung sicherstellen können. Um es noch einmal deutlich zu sagen: Noch nie war die wirtschaftliche Lage der Kliniken so bedrohlich wie gegenwärtig. Eine wirtschaftlich solide Finanzplanung ist für uns aktuell fast unmöglich. Es besteht dringender Handlungsbedarf seitens des Bundes, daher schließen auch wir uns der Kampagne Alarmstufe ROT an.“

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Magarete Janson, Geschäftsführerin des Kreiskrankenhaus Frankenberg hält die Lage für besorgniserregend: „Die Pandemie hat schon zu hohen Erlösminderungen geführt und jetzt kommen die explodierten Energiekosten noch dazu. Gerade kleinere Krankenhäuser leiden extrem unter den aktuellen Belastungen. Es muss einen schnellen und unkomplizierten Ausgleich geben, sonst können wir nicht mehr gewährleisten, den Betrieb zu 100% aufrecht zu erhalten. Das gilt es abzuwenden.“

 

Auch Landrat Jürgen van der Horst steht auf der Seite der Kliniken in seinem Landkreis. Sein Appell an die Regierung: „Es ist zwingend erforderlich, dass eine Vereinbarung gefunden wird, wie die Kostensteigerungen abgefangen werden können. Eine Einsparung bei der Versorgung am Patienten, zu der die Häuser dann gezwungen wären, ist nicht hinnehmbar.“

 

Florian Rupp, Geschäftsführer der Krankenhaus Bad Arolsen ergänzt, dass das Personal in den Krankenhäusern Planungssicherheit benötigt, um vollumfänglich gute Medizin gewährleisten zu können: „Im Krankenhaus Bad Arolsen haben wir ein qualifiziertes und hoch motiviertes Team. Es ist angetreten, um eine gute medizinische Versorgung zu leisten. Dafür benötigen die Beschäftigten aber auch die entsprechenden Strukturen und Planungssicherheit“, so Florian Rupp. „Viele Herausforderungen, die insbesondere kleinere Häuser im ländlichen Raum in den letzten Jahren lösen mussten, sind wir aus eigener Kraft angegangen. Aber nach fast drei Jahren Pandemie und angesichts der massiv steigenden Energie- und Sachkosten, können wir die finanzielle Notlage nicht mehr alleine bewältigen. Die Gesundheit Nordhessen beteiligt sich daher aktiv an der Kampagne Alarmstufe ROT und unterstützt die Forderungen nach einer kurzfristigen finanziellen Unterstützung sowie einer Reform der Krankenhausversorgung und des Finanzierungssystems.“

 

Die Krankenhäuser brauchen schnellstmöglich wirtschaftliche Planungssicherheit, andernfalls geraten die Kliniken flächendeckend in eine gravierende wirtschaftliche Schieflage. Unstrukturierte Krankenhausschließungen müssen zum Wohl der Patientinnen und Patienten verhindert werden, sind sich die Kliniken im Landkreis einig.

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