Bio-Power am Mehlener Holz

In wenigen Tagen ist Erntebeginn auf Blühwiesenfeldern
Mehlen(von Wolfgang Lübcke und Uli Klein). Der Parkplatz an der Dinkelsburg hoch über Mehlen ist ein empfehlenswerter Ausgangspunkt für Nationalpark-Wanderungen. Von der benachbarten Schutzhütte aus bietet sich ein weiter Blick ins Edertal. Auf dem Weg in Richtung Mehler Holz und Rabenstein erstaunen in der Feldflur große Blühflächen. Diese hat der Pächter der Gemeindejagd von Mehlen, Michael Bischoff aus Malsfeld, angelegt. Er hat auf vier in seinem Eigentum befindlichen Flächen eine mehrjährige Blühmischung für Biogasanlagen ausgebracht. Diese enthält 26 Wildpflanzenarten, zum Beispiel Färberkamille, Flockenblume, Natternkopf, Weißer und Gelber Steinklee, Rote und Weiße Lichtnelke sowie Königskerze. Insgesamt umfassen die Blühflächen mosaikartig sechs Hektar. Die Flächen werden ab Mitte Juli nach und nach gemäht. Das Mahdgut wird in die Biogasanlage an der alten Bad Wildunger Kläranlage gebracht.

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Als Vorteile dieses Verfahren nennt Bischoff folgende Punkte:

  • Es handelt sich um Dauerkulturen, die keine jährliche Bodenbearbeitung erfordern.
  • Auf mineralische Düngung und chemische Pflanzenschutzmittel kann weitgehend verzichtet werden.
  • Die Blühflächen wirken der Bodenerosion entgegen und verbessern die Humusbilanz.
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Michael Bischoff sagt: „Wir planen auf jedem Stück eine kleine Fläche stehen zu lassen, damit die Insekten und verschiedene Wildarten noch Schutz haben im Winter. Wenn es gut läuft, werden wir die Fläche erst in acht Jahren erst wieder neu bearbeiten und einsäen.“ Als „herausragendes Engagement“ im Sinne von mehr Artenvielfalt würdigt Wolfgang Lübcke vom NABU Edertal das Projekt von Bischoff. Die Blühmischung biete ein Eldorado für Honig- und Wildbienen sowie Lebensraum für Wildtiere wie Feldhase und Rebhuhn, aber auch Kleinvögel, insbesondere Feldlerchen. Untersuchungen im Rahmen des Rebhuhn-Projekts an der Universität Göttingen hätten gezeigt, dass größere Blühflächen einen wesentlich besseren Schutz gegen Beutegreifer wie Fuchs und Waschbär bieten als schmale Blühstreifen entlang von Wegen.

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Aktuelle Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass im Vergleich zu herkömmlichen Biomassekulturen deutlich geringere Nitratausträge in tiefere Bodenschichten oder das Grundwasser stattfinden, da der Stickstoff in den Wurzelsystemen gebunden wird. Gerade in Wasserschutzgebieten und auf Ackerflächen mit hoher Wind- und Wassererosion bietet dieses Anbausystem so ein riesiges Vorsorgepotential zum Umweltschutz. Werner Kuhn vom Netzwerk Lebensraum Feldflur aus dem unterfränkischen Güntersleben sagt: „Zwar bringt der Mais mehr Ertrag, allerdings bedarf es bei seiner Zucht jährlicher Bodenbearbeitung, jährlicher Aussaat, mineralischer Düngung und Pflanzenschutz. Auch die Schäden durch Wildschweine sind größer.“ Der Anbau mehrjähriger Wildpflanzenkulturen zur Biomassennutzung werde den Mais nicht komplett ersetzen können. Da der Ertrag und die Gasausbeute der Energieblühmischung nicht so hoch seien, brächte dies Landwirten und Biogasanlagenbetreibern weniger ein. „Damit bei den Anbauern kein wirtschaftlicher Verlust entsteht ist ein finanzieller Ausgleich notwendig“, erklärt Werner Kuhn.

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Tipp: Broschüre „Energie aus Wildpflanzen. Praxisempfehlungen für den Anbau von Wildpflanzen zur Biomasseproduktion“ des Netzwerks Lebensraum Feldflur: www.lebensraum-feldflur.de

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