Ein Jahr nach erstem Lockdown rund ein Fünftel mehr Arbeitslose

Besonders Langzeitarbeitslose betroffen
Korbach(pm). 1358 Arbeitslose mehr und ein Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,8 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent – diese Bilanz zieht Uwe Kemper, Leiter der Agentur für Arbeit Korbach, ein Jahr nach Beginn des ersten Corona-Lockdowns Mitte März 2020. Die Datenabfrage für die Arbeitsmarktstatistik erfolgt jeweils um die Monatsmitte, so dass die März-Zahlen Rückschlüsse auf die Corona-Auswirkungen erlauben. Als entscheidendes Instrument zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes nennt Kemper die Kurzarbeit. „Kurzarbeit hat erheblich dazu beitragen, in etlichen Branchen die Entlassung von Beschäftigten zu verhindern.“ In welchem Umfang die Kurzarbeit genutzt wurde, lässt sich unter anderem an der Kurzarbeiterquote ablesen, die den Anteil der Kurzarbeiter an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten darstellt. Diese hatte im Agenturbezirk ihren Höchststand im April 2020 mit 18,4 erreicht und war bis Oktober allmählich auf 5,3 (Hochrechnung) gesunken. Mit dem erneuten Lockdown im November stieg sie wieder auf 6,9 (Hochrechnung) an. Neuere Zahlen liegen auf Agenturebene noch nicht vor, weil die Arbeitgeber drei Monate Zeit haben, um die realisierte Kurzarbeit anzuzeigen.

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Trotz der aktuell erweiterten Kurzarbeitsmöglichkeiten hat die Zahl der Arbeitslosen innerhalb eines Jahres um 21,2 Prozent zugelegt. Bei Betrachtung der einzelnen Personengruppen ist der deutlichste Anstieg bei den Ausländern (plus 421, entspricht 29,9 Prozent) und bei den Frauen (plus 746, entspricht 28,5 Prozent) zu verzeichnen. Bei den Männern war es ein Anstieg um 16,2 Prozent (612 Personen), bei den ab 50-Jährigen von 15,5 Prozent (375 Personen). Den geringsten Anstieg gab es bei den unter-25-Jährigen mit 6,8 Prozent (48 Personen). Kemper: „Was sich in der Vergangenheit schon abzeichnete, hat sich in Zeiten der Pandemie fortgesetzt – ungelernte Kräfte sind am ehesten von Arbeitslosigkeit betroffen.“

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Mit 15,8 Prozent Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung (Rechtskreis SGB III) zum März 2020 verzeichnet die Agentur Korbach hessenweit den mit Abstand niedrigsten Anstieg der Arbeitslosigkeit binnen Jahresfrist. Kemper: „Ein wesentlicher Grund für den relativ moderaten Anstieg ist einmal mehr die gute Betriebsstruktur. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt in der Grundsicherung (Rechtskreis SGB II) mit 27,2 Prozent gegenüber März 2020 zwar deutlich höher aus, ist vor dem Hintergrund, dass die Zahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen „nur“ um 0,5 Prozent gestiegen ist, aber kein Indiz für eine gegenläufige Entwicklung in der Grundsicherung.“ Ein Anstieg von 54,8 Prozent innerhalb eines Jahres ist bei der Langzeitarbeitslosigkeit zu verzeichnen. 2063 Menschen zählten Mitte März 2021 in beiden Rechtskreisen als langzeitarbeitslos, wobei sich der prozentuale Anstieg in etwa gleich auf die beiden Rechtskreise (Grundsicherung +55,8 Prozent und Arbeitslosenversicherung plus 52,1 Prozent) verteilt.

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Auch bei den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zeigen sich noch die Corona-Auswirkungen. Ende März waren 3043 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzeichnet, 571 weniger als vor einem Jahr (minus 15,8 Prozent). Nach den Worten Kempers macht sich hier bemerkbar, dass zwischenzeitlich keine neuen Maßnahmen starten konnten bzw. nur unter erschwerten Bedingungen realisierbar waren.

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