Aufgaben sind noch so aktuell wie vor einem halben Jahrhundert

Wasserverband Obere Lippe vor 50 Jahren gegründet
Kreis Paderborn (krpb). Manchmal erreichen den Wasserverband Obere Lippe (WOL) Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern, was der „alte, ungenutzte“ Damm am Fluss soll. „Das zeigt doch, dass wir unsere Aufgabe gut machen“, lacht Volker Karthaus, Geschäftsführer des WOL. Denn die 14 Hochwasserrückhaltebecken des WOL sind keineswegs ungenutzt, sondern schützen vor Hochwasser durch die ständige Betriebsbereitschaft. Früher waren zahlreiche Ortslagen durch Hochwässer bedroht, die hohe Sach- und manchmal auch Personenschäden verursachten. Heute wird der Hochwasserabfluss durch die Hochwasserrückhaltebecken so deutlich gedämpft, dass die Bevölkerung die Bedrohung durch ein solches Naturereignis fast vergessen hat. In diesem Jahr begeht der Wasserverband seinen 50. Geburtstag.

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Was heute ein Grund zum Feiern ist, entstand einst aus einem traurigen Anlass: Am 16. und 17. Juli 1965 fielen im oberen Lippegebiet, wie in ganz Ostwestfalen, Nordhessen und Südniedersachsen bis dahin nicht gemessene Niederschlagsmengen und verursachten ein Katastrophenhochwasser, wie es nur alle 500 Jahre vorkommt. Es schüttete wie aus Kübeln, selbst aus kleinen Bächen wurden reißende Ströme, Ortschaften versanken in den trüben Fluten. Allein am 17. Juli 1965 gingen 130 mm Niederschlag im Bereich Paderborn nieder. Neben den verheerenden Schäden an privaten und öffentlichen Anlagen, die 1965 zu 71 Millionen Deutsche Mark festgestellt wurden, waren elf Tote zu beklagen. Nach der sogenannten Heinrichsflut wurde 1971 auf Initiative der Bezirksregierung Detmold der Wasserverband Obere Lippe gegründet, dem heute die Kreise Paderborn und Soest angehören. „Der Grundgedanke des Wasserverbandes war damals etwas ganz Neues. Die Gründer orientierten sich nicht an Kreis- und Gemeindegrenzen, sondern an den Läufen der Flüsse“, erklärt Landrat Christoph Rüther. „Wollen wir Mensch und Eigentum wirksam schützen, können wir das nur gemeinsam erreichen. Dies galt damals genauso wie heute“, so Landrat Rüther weiter.

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Die erste Aufgabe, die der WOL nach seiner Gründung anging, war der Bau von 14 Hochwasserrückhaltebecken (HRB). Im Jubiläumsjahr 2021 werden an all diesen verbandseigenen HRBs Info-Tafel zur Funktionsweisen der Becken aufgestellt. Alle Becken sind mit technischen Pegelmessern ausgestattet, die im Falle eines Hochwassers Daten an die Zentrale des WOL in Büren liefern. Hier laufen nicht nur die Daten der 14 verbandseigenen Hochwasserrückhaltebecken ein, sondern von insgesamt 27 Becken und weiteren 46 Messstationen zusammen. Diese haben ein Rückhaltevolumen von ca. 20 Mio m³ und werden im Verbund gesteuert. Dadurch haben die Becken eine überregionale Wirkung, die sich bis auf die Wasserstände an der Lippe in Lippstadt positiv auswirkt. „Im Falle eines Hochwassers leisten die 14 Mitarbeiter hochkonzentrierte Arbeit. Jede Anpassung des Wasserpegels in dem einen Becken hat später am unteren Lauf des Flusses Auswirkungen. Sie müssen den Zeitverzug und die örtlich unterschiedlichen Regenfälle in die Berechnung einbeziehen“, erklärt Betriebsleiter Martin Lehmann. Jeder Mitarbeitende sei sich dann bewusst, dass von seinen Entscheidungen auch Menschenleben abhängen können, ergänzt Karthaus.

Nach und nach wandelten sich die Aufgaben des WOL im Laufe seines 50-jährigen Wirkens. „Seit Inkrafttreten der Wasserrahmenrichtlinie vor über 20 Jahren betreiben wir nicht nur Hochwasserschutz, sondern auch Renaturierungsprojekte“, erläutert Volker Karthaus. Durch Maßnahmen werden die Bach- und Flussauen wieder häufiger überschwemmt und Wasser in der Fläche zurückgehalten. Hier sind die Überschwemmungen gewünscht, denn so verbleibt das Wasser in der Landschaft und bietet den einheimischen Tieren und Pflanzen neue Lebensräume. „Bei den Projekten legen wir zum Beispiel auch durch Rohre kanalisierte Quellen und Drainagen wieder offen und vernässen dadurch unsere Flächen. So können wir das Austrocknen der Gebiete durch ausbleibende Regenfälle deutlich verlangsamen“, so Karthaus. Als dritte Aufgabe ist der WOL für die Unterhaltung von 60 Bächen und Flüssen mit einer Gesamtlänge von rund 500 km zuständig. Das umfasst u.a. die Kontrolle und Unterhaltungsarbeiten (Mahd etc.) der Gewässer. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Gewährleistung des Hochwasserabflusses in den Ortslagen. Darüber hinaus muss auch die naturnahe Entwicklung berücksichtigt und gefördert werden.

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„Die Natur lässt sich nichts vorschreiben. Hochwasser werden, wie zuletzt im Mai 2019, auch bei uns auftreten. Wir sind heute jedoch deutlich besser darauf vorbereitet als vor 50 Jahren. Alle Aufgaben des WOL, egal ob Hochwasserschutz oder Renaturierung, dienen dem Schutz der Menschen und unserer Natur. Dafür hat das Team des Wasserverbandes nicht nur im Jubiläumsjahr unser aller Dank verdient“, betont Landrat Christoph Rüther. Zur Feier des Jubiläums hatte der WOL ein umfangreiches Programm geplant, dass für alle interessierte Bürgerinnen und Bürger kostenlose Exkursionen angeboten hätte. „Sobald die Corona-Lage es zulässt, werden wir diese Exkursionen anbieten und nachholen“, verspricht Geschäftsführer Karthaus. Für September ist dann eine Jubiläumsfeier mit geladenen Gästen geplant.

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