Schutz vor Grippe und Covid-19 ist für Herzpatienten besonders wichtig

Grafik: Copyright- Deutsche Herzstiftung

Viele Klinikeinweisungen lassen sich verhindern

Frankenberg(pm). Die Klinik für Innere Medizin, Abteilung Kardiologie am Kreiskrankenhaus Frankenberg beteiligt sich auch in diesem Jahr anlässlich der Herzwochen der deutschen Herzstiftung wieder an deren Aufklärungskampagne zur Herzgesundheit. Der in Frankenberg etablierte Herztag, mit Fachvorträgen und Informationsständen, der im letzten Jahr sein 20jähriges Jubiläum feiern konnte, findet in diesem Jahr auf Grund der Corona Pandemie leider nicht statt. Daher möchte die Chefärztin Dr. med. Elisabeth Pryss auf diesem Weg über das diesjährige Thema: „Das schwache Herz“ informieren.

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Von einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) sind bis zu vier Millionen Deutsche betroffen. Die wichtigsten Ursachen für diese Erkrankung sind die koronare Herzkrankheit (KHK- Durchblutungsstörung wegen verengter Herzkranzgefäße) und der Bluthochdruck, die rund 70 Prozent der Herzschwäche-Fälle verursachen. Beides trifft häufig gemeinsam auf. Kommt dazu noch Diabetes, entwickeln deutlich mehr Patienten eine Herzinsuffizienz. Für die verbleibenden etwa 20 bis 30 Prozent sind defekte Herzklappen, Vorhofflimmern, angeborene Herzfehler, entzündliche Herzmuskelerkrankungen (Myokarditis) oder Alkohol- und Drogenmissbrauch verantwortlich.

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Rund 465.000 Patienten werden jährlich stationär in eine Klinik aufgenommen, weil ihre Herzschwäche entgleist ist. „Im Kreiskrankenhaus Frankenberg sehen wir jährlich etwa 500 solcher Patientinnen und Patienten, berichtet Dr. Pryss. „Um die Herzschwäche zu behandeln können ärztlicherseits kathetergestützte oder chirurgische Verfahren zur Beseitigung von Gefäßverschlüssen (Stent, Bypass-Operation), Klappendefekten (TAVI, MitraClip, chirurgischer Klappenersatz) oder Rhythmusstörungen (Vorhofflimmer-Ablation) eingesetzt werden. Ein weiterer unverzichtbarer Therapiebaustein sind Herzschrittmacher und implantierbare Defibrillatoren. Ihr Nutzen muss für das individuelle Krankheitsprofil jedoch gesichert sein“, so die Fachärztin.

Chefärztin Dr. med. Elisabeth Pryss, MHBA -Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Kardiologie. Foto: Kreiskrankenhaus Frankenberg


Um ein Voranschreiten der Pumpschwäche des Herzens zu verlangsamen oder aufzuhalten, kommen je nach Ursachen und Beschwerden verschiedene Medikamentengruppen zum Einsatz. Betablocker schirmen das Herz gegen Stresshormone ab. ACE-Hemmer und Sartane (auch Mineralkortikoidrezeptorantagonisten: MRAs) verhindern die schädlichen Umbauprozesse im Herzmuskelgewebe und steigern die Leistungsfähigkeit des Herzens, ARNI (Sacubitril/Valsartan) steigern körpereigene Schutzmechanismen vor einer Überstimulation im Herzen. Diuretika zur Behandlung der Flüssigkeitseinlagerungen im Körper entlasten das Herz, fördern aber auch die Ausscheidung von Mineralstoffen, was gefährliche Herzrhythmusstörungen begünstigen kann. Daher sollte besonders der Kaliumspiegel bei Einnahme von Entwässerungsmitteln regelmäßig kontrolliert werden.

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„Ärztliche Maßnahmen und regelmäßige Kontrollen sind von Anfang an nur zwei Säulen der Therapie. Die Mitwirkung des Patienten ist genauso wichtig“, unterstreicht Dr. Pryss. „Wer seine Herzschwäche kennt, kann selbst viel dazu beitragen, dass es nicht zu einer Entgleisung kommt. Ein gesunder Lebensstil mit Gewichtsnormalisierung, maßvollem Ausdauertraining, z.B. Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking oder Radfahren 3-mal pro Woche jeweils 30 Minuten (bei stabiler Herzschwäche), gesunde Ernährung (Mittelmeerküche) und Verzicht auf Rauchen und Alkohol bilden die Basis. Wegen der Einnahme von Entwässerungsmitteln (Diuretika) sollten Herzschwächepatienten übermäßigen Salzverbrauch im Essen und zu große Flüssigkeitsmengen (über 2 Liter am Tag) vermeiden.“

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„Die Verschlechterung kündigt sich häufig mit einer deutlichen Gewichtszunahme um mehr als zwei Kilo in drei Tagen an, die durch Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe, sogenannte Ödeme verursacht wird. Betroffene sollten sich daher täglich wiegen. Hinzu kommen eventuell Kurzatmigkeit oder sogar Atemnot. Häufig gibt es dafür einen zusätzlichen Grund wie Herzrhythmusstörungen, ein plötzlicher Blutdruckanstieg, Fehler bei der Medikamenteneinnahme aber auch Infektionskrankheiten wie Grippe. Auch eine Covid-19 Infektion kann zu einer cardialen Beteiligung bzw. Verschlechterung führen“, erklärt Dr. Pryss. „Eine weltweite Studie, für die die Covid-19-Verläufe von mehr als 10.000 Patienten in 920 Kliniken ausgewertet wurden hat gezeigt, dass Patienten mit Herzschwäche ein deutlich höheres Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit haben und wesentlich häufiger beatmet werden mussten als Patienten ohne eine Vorerkrankung des Herzens.“

Deshalb sollten Menschen mit einer Herzinsuffizienz jetzt ganz besonders auf sich Acht geben, indem sie die bekannten Schutzmöglichkeiten vor dem Corona-Virus konsequent umsetzen. „Um einen weiteren Risikofaktor zu bannen, raten wir Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dringend, sich gegen Grippe und ggfs. auch Pneumokokken impfen zu lassen,“ betont Pryss. „Außerdem sollten Patienten mit Herzschwäche ihre Medikamente zuverlässig einnehmen und auf mögliche Warnzeichen achten. Wichtig ist beispielsweise, dass Betroffene regelmäßig ihr Gewicht kontrollieren und den Blutdruck messen, um Blutdruckkrisen zu verhindern.“ Die Deutsche Herzstiftung hat auf ihrer Internetseite (www.herzstiftung.de) Informationsmaterial zur Herzinsuffizienz für betroffene Patienten anschaulich und leicht verständlich aufbereitet.

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