Psychiatrie nach modernstem Standard: Vitos Haina eröffnet Neubau

7 Millionen Euro investiert

Haina. Mit einem Festakt im Beisein von rund 100 geladenen Gästen ist am Mittwoch der Neubau der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina eröffnet worden. Das Gebäude bietet Platz für vier Stationen. Der neue Trakt mit einer Grundfläche von 3000 Quadratmetern und das 18 Jahre alte Bestandsgebäude wurden miteinander verbunden und bilden nun Haus 1 der Klinik. Der Neubau war bereits im Juli 2025 nach 16-monatiger Bauzeit bezogen worden, die Sanierung des angrenzenden Bestandsbaus schloss sich an. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen, in den nächsten Tagen ziehen Patientinnen und Patienten sowie die Mitarbeitenden in die Stationen. Vitos Haina hat insgesamt 17 Millionen Euro in Bau und Sanierung investiert. „Dieser Neubau ist weit mehr als ein Bauprojekt. Er ist Ausdruck unseres Anspruchs, die psychiatrische Versorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln und an den Bedürfnissen der
Menschen auszurichten. Er steht für Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten, gegenüber den Beschäftigten und gegenüber der Gesellschaft“, sagte Susanne Simmler, LWV-Landesdirektorin und Vitos Aufsichtsratsvorsitzende während des Festakts im historischen Kapitelsaal des Klosters. Etwa jeder vierte Erwachsene leidet jährlich an einer psychischen Erkrankung, aber viele Betroffene meiden den Arztbesuch. Der Klinikneubau soll auch entstigmatisieren und Vorurteile abbauen. In der Erwachsenenpsychiatrie in Haina behandelt ein multiprofessionelles Team alle psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter, von der Depression bis zur Demenz.


Unter anderem verfügt jede Station über einen eigenen Garten. Insbesondere demenzkranke Patientinnen und Patienten sollen von einem ausgefeilten Farbkonzept profitieren, das ihnen die Orientierung erleichtert. Der Eingangsbereich trägt dazu bei, dass sich Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen willkommen fühlen – und nicht nur die: „Mit diesem Gebäude wollten wir nicht nur einen zeitgemäßen Rahmen für die Behandlung von psychisch erkrankten Menschen schaffen“, sagte Vitos Konzerngeschäftsführer (COO) Philipp Schlösser. „Sondern auch ein Umfeld, in dem unsere gut ausgebildeten Fachkräfte gerne arbeiten.“


Vitos hat hessenweit seit 2009 an zehn Standorten neue Kliniken errichtet und fast 300 Millionen Euro investiert. Auch Vitos Haina hat saniert und neu gebaut. „Wir haben in den vergangenen Jahren die psychiatrische Versorgung in Waldeck-Frankenberg schrittweise ausgebaut – mit zwei neuen zu den beiden bereits bestehenden Ambulanzen, einer neuen Tagesklinik und vier Teams, die stationär behandlungsbedürftige Menschen im häuslichen Umfeld behandeln“, sagte Geschäftsführer Rouven Raatz. Im Jahr 2019 wurde der Neubau für die Psychiatrie und Psychotherapie in der strategisch-baulichen  Zielplanung von Vitos Haina verankert. Die konkrete Planung des Neubaus folgte 2020. Der Bauantrag wurde im Juli 2022 gestellt, ab März 2023 wurde gebaut. Nach der Fertigstellung des Neubaus im vergangenen Jahr wurde das neue Gebäude an das bestehende Haus 1 angeschlossen. Der Neubau in Haina ist der zentrale Ankerpunkt dieser Strategie: „Jetzt haben wir auchim stationären Bereich ein Umfeld geschaffen, dass die starke inhaltliche Arbeit unserer multiprofessionellen Teams auch räumlich unterstützt“, sagte Rouven Raatz. Er ist Nachfolger von Dr. Philipp Kirchner, der zu Vitos Gießen-Marburg gewechselt ist. „Am dritten Arbeitstag einen solch bedeutenden Anlass wie die Fertigstellung eines
Bauprojektes mit einem Investitionsvolumen von 17 Millionen Euro feiern zu können – das ist sicherlich einmalig in der 493-jährigen Geschichte dieses Krankenhaus-Standorts“, sagte er.


Zum Einzugsgebiet der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie zählen der gesamte Landkreis Waldeck-Frankenberg und im Schwalm-Eder-Kreis. „Vitos Haina ist mit rund 1.500 Mitarbeitenden nicht nur der drittgrößte Arbeitgeber Waldeck-Frankenbergs“, sagte Landrat Jürgen van der Horst. „Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie setzt auch eine Tradition der beispielhaften Krankenversorgung fort, die bereits vor fast 500 Jahren begann. Mit dem weitläufigen, freundlichen Neubau gibt Vitos Haina nun ein zukunftsweisendes Bekenntnis für den Standort am Rande des Kellerwalds. Der Landkreis kann sich glücklich schätzen über einen solch engagierten Sachwalter des Wohlergehens psychisch Erkrankter.“ Dass Vitos Haina nach der Eröffnung der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina im vergangenen Jahr nun schon wieder einen Neubau bezieht, sichere die Zukunft des Standorts und zahlreiche Arbeitsplätze, sagte Hainas Bürgermeister Alexander Köhler. „Die Vitos-Kliniken sind ein fester, ja sogar ein historischer Bestandteil unseres sozialen Gefüges. Das Zusammenspiel zwischen Klinik und Gesellschaft ist hier etwas ganz besonderes, mit anderen Standorten nur schwer, vielleicht überhaupt nicht vergleichbar.“ Die Besonderheit: Auf dem historischen Klostergelände stehen moderne Psychiatriegebäude neben jahrhundertealten Bauten mit der Klosterkirche als Mittelpunkt – ein Ensemble, das über die Jahrhunderte gewachsen ist. Anders als an anderen Vitos Standorten in Hessen, an denen ebenfalls in der jüngsten Vergangenheit neue Klinikgebäude entstanden sind, ging es nicht allein um einen Neubau. „Für Haina kann es keine Lösung von der Stange geben“, sagte Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Florian Metzger.


„Haina braucht eine eigene, eine individuelle Antwort auf die Frage nach seiner Zukunft.“ Rasch sei klar geworden, dass diese Antwort einen Teilneubau einschließen muss. Prof. Metzger war eng in die Planungen eingebunden. Für ihn steht fest: „Mit diesem Haus sind und bleiben wir die schönste Psychiatrie Deutschlands“. Im Haus 1 befindet sich die Station für Abhängigkeitserkrankte. Vom Mutterhaus ziehen in wenigen Tagen die Schwerpunktstation für Menschen mit Störung der Intelligenzentwicklung und die gerontopsychiatrische Station für Menschen mit demenziellen Erkrankungen sowie akuten Verwirrtheitszuständen ins Haus 1 um. Sie profitieren am meisten von den hervorragenden Bedingungen des Neubaus wie Barrierefreiheit und hellen, übersichtlichen Räumen. Das Farbkonzept sorgt für eine möglichst wohnliche Umgebung statt einer nüchternen Klinikatmosphäre. Der Neubau allein veränderte noch nichts: „Was einen Ort lebendig macht, sind die Menschen, die in ihm arbeiten, und die Art, wie sie Versorgung gestalten“, sagte Pflegedirektorin Nina Kuhl. „Psychiatrische Pflege bedeutet weit mehr als Versorgung im klassischen Sinne. Sie bedeutet, Beziehung aufzubauen, wo Vertrauen oft schwerfällt. Sie bedeutet, Halt zu geben, wenn innere Ordnung verloren gegangen ist. Und sie bedeutet, präsent zu sein – auch in belastenden Situationen.“ Der neue Gebäudekomplex umfasst drei Etagen mit Technik- und Logistikräumen, Personalbereichen im Untergeschoss und jeweils zwei Stationen samt Dienst- und Therapieräumen im Erd- und Obergeschoss. Im historischen Mutterhaus sind noch drei Stationen untergebracht: die beiden allgemeinen Psychotherapiestationen und eine alterspsychotherapeutische Station. Die behaglichen Räume mit verwinkelten Fluren eignen sich unverändert für die Behandlung der Patientinnen und Patienten.


Tag der offenen Tür am Freitag, 8. Mai
An den Festakt schlossen sich Rundgänge durch das Haus 1 an. Bevor Patientinnen und Patienten in den Neubau einziehen, haben auch alle weiteren Interessierten die Möglichkeit, die Klinik zu besichtigen: Am Freitag, 8. Mai, findet von 14 bis 18 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Neben Führungen durch den Neubau gibt es Impulsvorträge zu psychiatrischen Themen, Informationen über die Tiergestützte Intervention der Vitos begleitenden psychiatrischen Dienste (BPD), Geländeführungen, Einblicke in die Arbeit der verschiedenen Berufsgruppen und einiges mehr. „Ich höre manchmal den Satz: Psychiatrie hat ein Imageproblem“, sagte Geschäftsführer Rouven Raatz während des Festakts. „Ich glaube, das stimmt – aber
nicht wegen der Menschen, die hier arbeiten oder behandelt werden. Sondern weil zu viele noch nie hinter diese Türen geschaut haben. Am Freitag haben alle Interessierten die Gelegenheit dazu.“