Seltene Einblicke in das Leben des Schwarzstorchs zum Tag des Baumes

Neue Wildkameras im Nationalpark zeigen Brutgeschehen des scheuen Waldvogels

Bad Wildungen. Pünktlich zum Tag des Baumes am Samstag, 25. April, eröffnen sich im Nationalpark Kellerwald-Edersee besondere Einblicke in das verborgene Leben des Schwarzstorchs. In Kooperation mit der Staatlichen Vogelschutzwarte des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hat die Nationalparkverwaltung Wildkameras an sogenannten Horstbäumen – also Bäumen, die von großen Vögeln als Nistplätze genutzt werden – angebracht. Durch die neuen Einblicke erhoffen sich die Forschenden Rückschlüsse auf die entscheidenden Faktoren für den Bruterfolg der seltenen Vögel, für die der Nationalpark eine besondere Verantwortung trägt. Bereits kurz nach der Ankunft der Tiere lieferten die Kameras bemerkenswerte Aufnahmen. „Wir konnten beobachten, wie die Tiere aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückkehren, den Horst beziehen, kopulieren und Eier legen“, freut sich Prof. Simon Thorn, Leiter der Vogelschutzwarte. Im weiteren Verlauf werden nun Verhaltensweisen und das Brutgeschehen der Waldvögel erfasst, ohne sie dabei zu stören.

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Ansonsten ist der scheue Schwarzstorch tatsächlich nur mit Glück zu beobachten. Er fällt unter Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie und gehört damit zu den nach europäischem Recht geschützten Vogelarten, für deren Schutz der Population besondere Maßnahmen ergriffen werden müssen. „Wir versuchen wirklich alle Störungen von den uns bekannten Brutpaaren fernzuhalten. Der Nationalpark Kellerwald-Edersee bietet mit seinen naturnahen, Buchenwäldern, idealen Horstbäumen, ruhigen Rückzugsräumen und einem reichen Nahrungsangebot beste Voraussetzungen für die ansonsten sehr seltenen und störungsempfindlichen Schwarzstörche,“ erläutert Manuel Schweiger, Leiter des Nationalparks Kellerwald-Edersee.

Ihre Horste bauen sie meist in alte Buchenkronen, deren stabile Äste den schweren Horst tragen können. Dabei ist wichtig, dass die Nester gut angeflogen werden können, denn die Tiere weisen eine Flügelspannweite von bis zu zwei Metern auf. Kehren die Tiere aus ihren Überwinterungsgebieten zurück, suchen sie jedes Jahr aufs Neue denselben Horst auf. Die Horstbäume liegen idealerweise in abgelegenen, naturnahen Laub- und Mischwäldern der Mittelgebirge mit offenen Wiesentälern und kleineren Fließgewässern. Als Nahrung dienen den Schwarzstörchen vor allem Wasserinsekten, kleine Fische, Frösche und Molche, die in den umliegenden Bächen und Feuchtgebieten des Nationalparks und am Edersee zu finden sind. Der Schwarzstorch war in der Region lange verschwunden. Bereits 1909 galt er im Landkreis Waldeck-Frankenberg als ausgestorben, nachdem das letzte Exemplar geschossen wurde. Erst im Jahr 1982 gelang wieder ein Brutnachweis. „Umso bedeutender ist es heute, seine Rückkehr und seine seit Jahren erfolgreiche Fortpflanzung im Nationalpark zu beobachten und zu sichern,“ ergänzt Schweiger. Die neuen Kameras ermöglichen nun wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse und schaffen gleichzeitig ein stärkeres Bewusstsein für den Schutz sensibler Arten, die an intakte Waldlebensräume gebunden sind – ganz im Sinne des Tags des Baumes.