Zwischen Barockkulisse und digitaler Zukunft

Herbstversammlung der Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg

Bad Arolsen(pm). Die Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg hat ihre Mitglieder am Montag, 3. November 2025, zur Herbstversammlung eingeladen und dafür einen besonderen Rahmen gewählt. Der Nachmittag begann mit einer Führung durch das Barockschloss Bad Arolsen, das mit seinen prächtigen Räumen eindrucksvoll zeigt, wie Handwerk, Architektur und Lebenswelt vergangener Jahrhunderte miteinander verwoben waren. Dieser historische Auftakt setzte einen bewussten Kontrast zu den aktuellen Themen des Handwerks, die im Anschluss diskutiert wurden. Im Restaurant Friedrichs begrüßte Obermeister Michael Bienhaus die Anwesenden und berichtete über zentrale Ergebnisse des Landesverbandstags. Dabei standen die aktuelle Preisentwicklung, mögliche Vorratskäufe und die Verlagerung des Berufsschulstandorts nach Gießen ebenso im Fokus wie Bonpflicht, Lieferkettengesetz, die digitale Plattform „Bäckerfinder 2.0“, der Immobilienverkauf des Bäckerverbands Südwest und laufende Tarifverhandlungen. Ergänzend wies er auf steigende Abgaben sowie intensivere Kontrollen durch das Gewerbeaufsichtsamt hin. Bienhaus machte deutlich: „Wir stehen vor der Aufgabe, Bewährtes zu bewahren und gleichzeitig neue Technologien verantwortungsvoll zu nutzen. KI wird das Bäckerhandwerk nicht ersetzen, aber dort unterstützen, wo sie Abläufe erleichtert und Qualität sichert.“

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Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildete der Impulsvortrag von Christian Höhle, Geschäftsführer der Firma Setaro, der die neue EU-KI-Verordnung erläuterte und ihre Bedeutung für handwerkliche Betriebe skizzierte. Besonders anschaulich zeigte er auf, wie künstliche Intelligenz bereits heute im Bäckerhandwerk eingesetzt werden kann: KI-gestützte Absatzprognosen verknüpfen Wetterdaten, Wochentage und Verkaufsstatistiken und erleichtern so die tägliche Produktionsplanung; bildbasierte Systeme erkennen Qualitätsabweichungen an Teigen und Backwaren in Echtzeit und unterstützen konstante Produktstandards; automatisierte Bestands- und Lagerüberwachungen reduzieren Engpässe und entlasten Mitarbeitende bei Routineaufgaben. Der Blick richtete sich auch auf regionale Unterstützungsmöglichkeiten: Die Gründung der Regionale Energieagentur Waldeck‑Frankenberg e.V. wurde vorgestellt; dieser neue Verein bietet kleinen und mittelständischen Betrieben im Landkreis kostenlose Erstberatungen zu Energieeffizienz, Klimaschutz und nachhaltigen Betriebsabläufen. So können etwa energieintensive Backbetriebe gezielt Potenziale zur Reduzierung von Betriebskosten und CO-Ausstoß erschließen.

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Zu den weiteren Themen gehörte die anstehende Brot- und Brötchenprüfung. Eine ursprünglich geplante Kooperation mit dem Schwalm-Eder-Kreis wird aufgrund der weiten Entfernung nicht zustande kommen, sodass die Prüfung erneut im Raum Waldeck-Frankenberg erwartet wird. Mit einem gemeinsamen Abendessen und intensiven Gesprächen klang die Versammlung aus. Kai Bremmer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Waldeck‑Frankenberg, betonte: „Unsere Betriebe brauchen Orientierung und verlässliche Partner – gerade in Zeiten, in denen Anforderungen komplexer werden. Die Herbstversammlung zeigt, wie wichtig der Austausch in der Region ist.“

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Die Innung zählt derzeit 36 Gesamtmitglieder sowie 18 Auszubildende in den Berufen Bäckerin/Bäcker und Bäckereifachverkäuferin/Bäckereifachverkäufer. Aktuelle Strukturzahlen, Branchenentwicklungen und Informationen zum hessischen Bäckerhandwerk stellt der Bäcker-Innungsverband Hessen unter www.bivhessen.de zur Verfügung. Weitere Auskünfte erteilt die Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg unter Telefon 05631 9535-100.

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