LLH-Berater Christian Dyroff unterstützt Betriebe
Witzenhausen/Kassel. In der Region um Witzenhausen hat die Kirschblüte begonnen: Die Bäume verwandeln die Landschaft in ein frühlingshaftes Blütenmeer. Zwischen den Zweigen sind derzeit zahlreiche Wild- und Honigbienen sowie Hummeln unterwegs. Mit ihrer Bestäubungsarbeit sichern sie die Fruchtbildung – und damit den Ertrag der kommenden Ernte. „Bereits Anfang April öffneten die ersten frühen Süßkirschensorten ihre Blüten und damit zwei Wochen früher als im langjährigen Durchschnitt“, berichtet Christian Dyroff aus dem Beratungsteam Gartenbau des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH). Er ergänzt: „Je nach Wetterlage erstreckt sich die Blüte einer Sorte im Schnitt über vier bis acht Tage.“ Die zeitlich gestaffelte Blüte gilt als natürliche Schutzstrategie der Bäume, um trotz wechselhafter Witterung Bestäubung und Fruchtbildung zu sichern.
Erwerbsobstanbau in Nordhessen: Neuer LLH-Ansprechpartner
Beim LLH ist Christian Dyroff als neuer Obstbauberater für Nordhessen tätig. Dyroff studierte Gartenbau an der Hochschule Geisenheim und war zuletzt im LLH-Projekt „100 nachhaltige Bauernhöfe“ als Berater für Gartenbaubetriebe tätig. „Mein Ziel ist, die Betriebe bei der nachhaltigen Produktion von hochwertigem, regional erzeugtem Obst zu unterstützen“, betont Christian Dyroff. Angesichts der aktuellen Herausforderungen im Obstbau möchte er gemeinsam mit den Betrieben Strategien für Pflanzenschutz, Sortenwahl und produktionstechnische Verfahren weiterentwickeln.
Blick in die Praxis: Süßkirschenanbau in Witzenhausen
Wie diese Herausforderungen in der Praxis aussehen, zeigt der Obsthof Kiebe in Witzenhausen. Der Familienbetrieb wird von Berit und Markus Diegmann in dritter Generation geführt und baut seit rund 70 Jahren Süßkirschen an. Mit etwa 20 verschiedenen Sorten setzt der Betrieb auf Vielfalt und Qualität im regionalen Obstbau. Die Kirschblüte markiert dabei alljährlich den Start in eine arbeitsintensive, aber entscheidende Phase der Saison, in der die Grundlage für eine erfolgreiche Ernte gelegt wird. „Die Witterung in den kommenden Tagen und Wochen ist entscheidend. Bleiben Spätfröste und im weiteren Verlauf Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hagel oder Hitzewellen aus, so kann auch diese Saison eine gute Kirschernte bringen“, berichtet Berit Diegmann.
Hessische Kirschenernte 2025 mit deutlichem Plus
Auf rund 5.700 Hektar werden in Deutschland Süßkirschen angebaut – etwa 238 Hektar davon liegen in Hessen (Destatis, 2026). Zu den wichtigsten Anbauregionen zählen die Gebiete rund um Witzenhausen, Friedberg-Ockstadt und Wiesbaden-Frauenstein. Besonders Witzenhausen profitiert von seinen günstigen Hanglagen, dem milden Klima entlang der Werra und einer langen Tradition im Obstbau. Die Kirschenernte fiel im vergangenen Jahr mit rund 4.300 Tonnen deutlich besser aus als im witterungsbedingt schwachen Vorjahr 2024, in dem lediglich rund 3.200 Tonnen geerntet wurden (Destatis, 2025). „Milde Frühlingstemperaturen, ein weitgehend frostfreier April und regelmäßige Niederschläge während der Fruchtentwicklung sorgten für gesunde Bäume und eine hohe Fruchtqualität. Hagel- und Schädlingsschäden traten kaum auf, was die Erntemengen zusätzlich stabilisierte“, erklärt Christian Dyroff. Damit steigerten die hessischen
Obstbaubetriebe ihren Anteil an der bundesweiten Gesamternte – ein wichtiger Erfolg nach dem schwachen Vorjahr.
Herausforderungen für den heimischen Anbau
Das Jahr 2024 hatte mit seinen verheerenden Spätfrösten deutlich gezeigt, wie Extremwetterereignisse wie Hagel, Trockenheit oder Starkregen die Kirschernte hessischer Betriebe bedrohen und ihre Rentabilität spürbar mindern. Gleichzeitig belasten steigende Energie- und Mindestlohnkosten für Saisonarbeitskräfte die Betriebe zusätzlich. Kosten, die sich nur selten an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben lassen. Auch strengere Pflanzenschutzauflagen und hohe Marktanforderungen erhöhen den wirtschaftlichen Druck. Ohne gezielte Beratung, passende Förderinstrumente und das Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher für den Wert regionaler Kirschen droht insbesondere kleineren, familiengeführten Obstbaubetrieben mittelfristig der Rückzug aus dem Anbau – mit entsprechenden Folgen für Kulturlandschaft, Biodiversität und regionale Wertschöpfung.

