Ohne Torf erfolgreich gärtnern: LLH testet torffreie Substrate

Kassel. Mit der bundesweiten Aktionswoche zum torffreien Gärtnern, die am 13. März startete, soll das Bewusstsein für klimafreundliche und nachhaltige Pflanzsubstrate gestärkt und Hobbygärtner ermutigt werden, diese zu nutzen. Doch wer auf torffreie Erde umsteigt, sollte ein paar Aspekte beachten, wie Sebastian Bartsch vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH)
weiß: „Torffreie Substrate speichern Wasser anders als Torf. Statt selten große Mengen zu gießen, sollte man häufiger kleinere Mengen geben.“ Auch die Düngung muss angepasst werden, da viele torffreie Erden Holzfasern als Ersatzstoff enthalten. Während deren Zersetzung binden Mikroben Stickstoff (N), der dann den Pflanzen fehlt. Gleichzeitig liefern häufig enthaltene Kompostanteile reichlich Phosphor (P) und Kalium (K). Bartsch rät daher, die Substratzusammensetzung zu prüfen und gezielt zu düngen – in diesem Fall mit reinem Stickstoffdünger statt
eines Volldüngers.
LLH unterstützt hessische Gartenbaubetriebe beim Umstieg auftorffreie Substrate
Fest steht aber auch: In torffreien Substraten wachsen Pflanzen tendenziell etwas schlechter und ungleichmäßiger – das belegen Vergleichsstudien. Hobbygärtnern mag dies kaum auffallen, doch im Erwerbsgartenbau birgt der Verzicht auf Torf Risiken. „Die Produkte müssen bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, insbesondere Einheitlichkeit innerhalb einer Partie ist entscheidend. Zudem tun sich einige Pflanzenarten mit torffreien Substraten schwer, beispielsweise Zitruspflanzen und Weihnachtssterne“, erklärt LLH-Versuchsingenieur Bartsch. Um Gartenbaubetriebe bei der erfolgreichen Umstellung auf torffreie Substrate zu unterstützen, führt die Fachinformation Gartenbau des LLH am Gartenbauzentrum Geisenheim praxisorientierte Versuche mit
torffreien Substraten durch. „Mit unseren unabhängigen und fundierten Fachinformationen fördern wir die Transformation der Branche“, so Bartsch weiter.

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Vielfältige Versuche
Seit 2024 beteiligt sich der LLH am Substratvergleich der Arbeitsgemeinschaft ‚Wiesbadener Friedhofsgärtner‘. An 13 Standorten werden dazu bepflanzte Grabschalen mit torffreien Erden verschiedener Hersteller getestet. „Die Blühergebnisse überzeugten durchweg – torffreies Gärtnern ist also möglich, wenn die Pflege professionell erfolgt“, resümiert Bartsch. In diesem Jahr stellt der LLH weitere Hersteller dem bisherigen Testsieger gegenüber. Parallel sind im Geisenheimer Gewächshaus Versuche mit Beet- und Balkonpflanzen (u.a. Fleißiges Lieschen, Kapkörbchen, Zauberglöckchen und Petunie) in torffreien Erden geplant. Ziel ist es, die Wasserversorgung der Pflanzen zu verbessern – etwa durch Zuschlagstoffe, die Wasser länger speichern, oder durch sogenannte Pflanzenstärkungsmittel, die die Trockenheitstoleranz erhöhen sollen. Des Weiteren prüft der LLH in einem Langzeitversuch zehn torffreie Substrate auf ihre Eignung für Zitrusgewächse. Da Zitruspflanzen selbst in torfhaltigen Substraten oft nur mäßig wachsen, ist die Suche nach geeigneten torffreien Alternativen besonders anspruchsvoll.
Hintergrund: Warum torffreies Gärtnern wichtig ist
Torf war lange das bevorzugte Substrat im Gartenbau, da es Wasser speichert, gut durchlüftet und leicht zu handhaben ist. Doch der Abbau von Torf zerstört Moore, die als CO₂-Speicher eine wichtige Rolle im Klimaschutz spielen – weshalb der Umstieg auf torffreie Alternativen angestrebt wird. Die Aktionswoche „Torffrei Gärtnern“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in Zusammenarbeit mit der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).

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