Waldeck-Frankenberg. Über 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause von Angehörigen versorgt. Diese große gesellschaftliche Leistung stand im Mittelpunkt eines Gesprächs zwischen der gesundheits- und pflegepolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Daniela Sommer aus Waldeck-Frankenberg, und der Pflegeberaterin Julia Seipp aus dem Oberen Edertal. Pflegende Angehörige stehen häufig vor großen organisatorischen, emotionalen und finanziellen Herausforderungen. Pflegeberatung und Pflegestützpunkte spielen deshalb eine zentrale Rolle, wenn Familien Orientierung im komplexen Pflegesystem suchen. „Mehr als vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt – meist von ihren Angehörigen. Diese Menschen leisten jeden Tag Enormes für unsere Gesellschaft. Damit sie diese Aufgabe bewältigen können, brauchen sie verlässliche Beratung, Orientierung und Unterstützung“, betont Sommer.
Im Austausch mit Pflegeberaterin Julia Seipp ging es insbesondere um die wichtige Arbeit der Pflegeberatung. Seipp hilft Familien dabei, passende Unterstützungsangebote zu finden, Leistungen zu beantragen und individuelle Lösungen für die Pflegesituation zu entwickeln: „Pflegeberaterinnen und Pflegeberater begleiten Angehörige durch den oft unübersichtlichen Dschungel an Leistungen und Zuständigkeiten. Die Pflegestützpunkte sind deshalb eine unverzichtbare Anlaufstelle. Ich setze mich dafür ein, diese Beratungsstrukturen weiter zu stärken und noch besser bekannt zu machen“, erklärt Sommer und dankt Julia Seipp für ihre Einblicke und wertwolle Arbeit.
Aus der Praxis berichtete Julia Seipp, dass viele Angehörige zunächst versuchen, die Pflege allein zu organisieren und erst sehr spät Beratung in Anspruch nehmen. Niedrigschwellige Angebote und eine gute regionale Vernetzung seien daher besonders wichtig. Sie sagt: „Es ist mir ein großes Anliegen, Angehörige und Pflegebedürftige in dieser oft herausfordernden Lebenssituation zu begleiten. Niemand sollte sich mit Fragen, Sorgen oder Entscheidungen rund um die Pflege allein gelassen fühlen – ich möchte dafür sorgen, dass meine Klienten die Unterstützung und Hilfe bekommen, die sie wirklich brauchen.“
Für Daniela Sommer steht schon lange fest, dass Pflegepolitik künftig noch stärker die Situation pflegender Angehöriger in den Blick nehmen muss und ist stolz darauf, dass der Koalitionsvertrag in Hessen darauf abzielt. Neben einer starken Pflegeberatung sieht sie weiteren Handlungsbedarf beim Ausbau von Entlastungsangeboten. „Wir brauchen mehr Kurzzeit- und Tagespflegeplätze, bessere Unterstützung für pflegende Angehörige und Arbeitsbedingungen in der Pflege, die Fachkräfte im Beruf halten. Gleichzeitig müssen Pflege und Beruf besser miteinander vereinbar sein, daher wird in Hessen gerade das Landespflegekonzept erarbeitet, um Lücken zu erkennen und schließen zu können.“
Der Austausch habe einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine starke Beratungsstruktur vor Ort ist. „Pflegeberatung ist ein unverzichtbarer Kompass im Pflegesystem. Wer pflegende Angehörige stärkt, stärkt die Pflege insgesamt“, sagte Sommer abschließend.

