Grünen-Abgeordnete fordern konkrete Lösungen
Wiesbaden/Waldeck-Frankenberg(pm). Die ärztliche Versorgung im Landkreis Waldeck-Frankenberg steht vor einem dramatischen Engpass, wenn nicht schnell gehandelt wird. Wie aus einer kleinen Anfrage der Landtagsabgeordneten Jürgen Frömmrich und Daniel May (Bündnis 90/Die Grünen) hervorgeht, droht in den kommenden Jahren ein massiver Ärztemangel. Die Landesregierung bewertet die Lage hingegen als „gut“, was die Abgeordneten angesichts der Zahlen als „realitätsfremd“ kritisieren. Nach Auskunft der Landesregierung sind 36,57 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte im Landkreis über 60 Jahre alt. Sie werden voraussichtlich in den kommenden fünf bis zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Weitere 25,58 Prozent sind zwischen 50 und 59 Jahre alt. Besonders kritisch ist die Situation bei den Frauenärzten: Hier sind 53,85 Prozent über 60 Jahre alt. Hinzu kommt, dass es seit 2016 für 12,75 hausärztliche Versorgungsaufträge keine erfolgreiche Nachbesetzung gab.
„Gerade in einer älter werdenden Bevölkerung ist das ein ernstes Warnsignal“, so Daniel May und Jürgen Frömmrich. „Mit zunehmendem Alter steigt der Bedarf an ärztlicher Betreuung. Wenn gleichzeitig Praxen wegfallen, verschärft sich die Situation weiter.“ Besonders prekär ist die Situation bei der kinderärztlichen Versorgung: In Korbach fehlt seit Jahren eine Praxis, während die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessens offiziell keine Unterversorgung ausweist. „Dass es in einer Kreisstadt mit der Größe und dem Einzugsgebiet von Korbach nur eine Kinderärztin gibt, ist es ein untragbarer Zustand. Eltern warten monatelang auf Termine. Kinderärzte sprechen in der Presse von Überlastung, aber die Statistik weist Überversorgung aus. Die Menschen fühlen sich zu Recht nicht ernstgenommen und verlieren im schlimmsten Fall das Vertrauen in die Politik.“, betont Daniel May. Auch bei Hautärzten offenbart sich ein eklatantes Missverhältnis: Zwar gibt es laut KV-Hessen mit 120,47 Prozent eine Überversorgung, doch in Korbach gibt es keine einzige Praxis – Patienten müssen weite Wege auf sich nehmen. Jürgen Frömmrich fordert die Landesregierung auf, endlich konkrete Maßnahmen einzuleiten: „Die Zahlen belegen: Wir steuern auf eine Versorgungslücke zu, die ganze Regionen treffen wird. Statt die Lage schönzureden, brauchen wir jetzt ein Sofortprogramm für Nachwuchsförderung, Anreize für Landärzte und eine ehrliche Bestandsaufnahme – besonders in strukturschwachen Gebieten. Die Menschen in Waldeck-Frankenberg haben ein Recht auf eine flächendeckende medizinische Grundversorgung.“

