Bad Hersfeld(pm). Am Landwirtschaftszentrum Eichhof wurde das neu gestaltete Deckzentrum für Sauen offiziell vorgestellt. Damit setzt Hessen ein wichtiges Signal für eine zukunftsfähige Tierhaltung, die sowohl den gesetzlichen Anforderungen als auch dem durch Verbraucherinnen und Verbraucher geforderten höheren Anspruch an das Tierwohl gerecht wird.
Gesetzlicher Rahmen
Kern der Veränderungen ist die Anpassung der Sauenhaltung an die Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Spätestens ab dem 9. Februar 2029 müssen abgesetzte Sauen – sowohl Alt- als auch Jungsauen – in Gruppen gehalten werden. Jedem Tier müssen mindestens fünf Quadratmeter nutzbare Bodenfläche zur Verfügung stehen, wovon 1,3 Quadratmeter als Liegefläche auszugestalten sind. Alle Betriebe, die diesen baulichen Anforderungen noch nicht nachgekommen sind, haben bis spätestens 9. Februar 2026 Zeit, die entsprechende Umsetzung in Form eines Bauantrags bei ihrer Veterinärbehörde nachzuweisen. Da die bisherigen Deckzentren in vielen Betrieben diese Anforderungen nicht erfüllen können, müssen sauenhaltende Betriebe in Umbauten investieren. Das neue Deckzentrum am Eichhof zeigt jetzt Möglichkeiten auf, wie dies praxisgerecht in und an bestehenden Gebäuden erfolgen kann.
Umbau in drei Bauabschnitten
Die Baumaßnahmen am Eichhof erfolgten in drei Modulen: Modul I: Umgestaltung des Deckzentrums hin zur Gruppenhaltung ohne dauerhafte Fixierung in Kastenständen. Modul II: Erweiterung um überdachte Ausläufe für Besamungssauen sowie Anpassung des Platzangebotes auf 5 Quadratmeter pro Tier. Modul III: Verlagerung des Zugangs zum Wartestalls aufgrund der
Gestaltung des Außenklimabereichs. Durch die Umgestaltung entstanden moderne Gruppenställe mit frei gelüfteten, überdachten Ausläufen. Diese bieten den Tieren Aktivitäts- und Ruhebereiche und fördern das Ausleben arttypischen Verhaltens. Gleichzeitig erhalten die Tiere die gewünschten Außenklimareize, die wesentlich zu einer tiergerechteren Haltung beitragen.
Förderung und betriebswirtschaftliche Perspektive
Die Investitionen am Eichhof wurden mit Mitteln des Ökoaktionsplans (ÖAP) gefördert. Im Rahmen eines Fachforums beleuchteten Expertinnen und Experten heute vor Ort, welche finanziellen Fördermöglichkeiten landwirtschaftliche Betriebe in Anspruch nehmen können und gingen auf Kosten des Umbaus ein. Zudem nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, die neuen Stallanlagen zu besichtigen und sich auszutauschen.
Vorbildfunktion für die Landwirtschaft
„Mit dem Umbau des Deckzentrums am Eichhof zeigt Hessen, dass die gesetzlichen Anforderungen praxisnah auch mit Bestandsgebäuden umgesetzt werden können. Die umgebaute Anlage dient gleichermaßen als Lern- und Anschauungsobjekt für Landwirte, Auszubildende und Fachkräfte“, erklärte Landwirtschaftsstaatssekretär Daniel Köfer. Das Landwirtschaftszentrum Eichhof übernimmt damit eine zentrale Rolle in der Aus- und Weiterbildung zukünftiger Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter. Es setzt Maßstäbe, wie moderne, tierwohlorientierte Tierhaltung auch unter veränderten Rahmenbedingungen erfolgreich gestaltet werden kann. „Für eine hochwertige Ausbildung und fundierte Fachinformationen sind Investitionen in moderne Stallkonzepte Tierhaltung unerlässlich. Wir setzen uns derzeit intensiv mit den neuen Anforderungen der Tierschutznutztierhaltungsverordnung im Abferkelbereich auseinander“, so Anna Mawick, Abteilungsleiterin Fachinformation beim LLH und Leiterin des LWZ Eichhof.

Hintergrund
Die sogenannte Kastenstandhaltung war seit dem Magdeburger Urteil von 2016 verstärkt Gegenstand der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Mit der Novelle der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (zuletzt geändert 2021) wurde verbindlich festgelegt, dass die bisher übliche Einzelhaltung im Deckzentrum künftig entfallen muss. Der Eichhof hat die Umbaumaßnahmen deshalb frühzeitig begonnen und abgeschlossen. Hier steht nun eine praxisgerechte und rechtssichere Lösung bereit, die als Vorbild für sauenhaltende Betriebe in Hessen und darüber hinaus dienen kann.





