Korbach/Bad Arolsen(pm). Vor genau 10 Jahren, im März 2011, erhielt der Rotary-Club Korbach-Bad Arolsen einen starken Werbeträger, mit dem er europaweit auf den Kampf der Rotarier gegen die Kinderlähmung (Polio) aufmerksam machen konnte. Die Korbacher Unternehmerin Susanne-Petra Heinemann stattete einen der LKW-Aufleger ihrer Spedition mit einer Werbeplane aus, mit der auf das Engagement des Service-Clubs im weltweiten Kampf gegen Polio aufmerksam gemacht wurde. Seitdem hat der rollende Werbeträger rund 560.000 km durch Deutschland und die europäischen Nachbarländer absolviert und Millionen von Menschen die Botschaft vermittelt, dass dank des Engagements der weltweit 1,2 Rotarier in mehr als 35.000 Clubs mit Polio schon bald die zweite schlimme Infektionskrankheit nach den Pocken ausgerottet sein könnte.
Susanne-Petra Heinemann stammt aus einer rotarischen Familie und ist selbst Rotarierin. Wie sie berichtet, hat sich schon ihre mittlerweile verstorbene Mutter aktiv für den Kampf gegen Kinderlähmung eingesetzt, denn sie hatte in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts noch selbst die Folgen dieser schlimmen Infektion sehen können. Damals kam es zu mehreren Massenausbrüchen der Krankheit in Deutschland, die letzte große Epidemie war 1961. Seit 1990 hat es keinen registrierten Poliofall mehr in Deutschland gegeben. Die Idee für die Nutzung der mobilen Werbefläche hat Susanne-Petra Heinemann von einem österreichischen Kollegen aus dem oberösterreichischen Ried im Innkreis übernommen. „Dieser Speditionskollege hatte die Idee, auf seinen Fahrzeugen Werbung für das Programm Polioplus zu machen und ich fand das sehr überzeugend“, berichtet die Korbacher Unternehmerin. „Nur vier Wochen später haben wir nachgezogen und zwar als erste und bislang auch einzige Spedition in Deutschland“.
Auch der damalige Präsident des Rotary Clubs Korbach-Bad Arolsen, Willy Schaumburg, unterstützte die Idee. „Informationen sind heute im Überfluss verfügbar, aber flüchtig; sie können kaum Aufmerksamkeit erregen und gehen in der Fülle des Datenflusses leicht unter“, so Schaumburg. Ein Werbemittel wie die 14 x 2,7 m große Plane eines Sattelauflegers präge sich ein und bleibe im Gedächtnis.
Und der Erfolg gibt der Initiative der Rotarier recht. Seit 1985, als die Rotarier den Beschluss „End Polio Now“ fassten, konnte dieses Ziel zu 99 Prozent erreicht werden. Damals gab es weltweit 125 Länder, in denen die Krankheit auftauchte, bis zu 350.000 Menschen erkrankten jährlich daran. Die Zahl der Neuinfektionen lag 2010 bei 940 und konnte bis 2019 auf 173 gesenkt werden. Nur noch in zwei Ländern ist Polio akut, in Afghanistan und Pakistan, wo die Impfung aus religiösen und ideologischen Gründen untersagt wird. Dennoch sind die Rotarier zuversichtlich, bis 2023 weltweit die Übertragungskette unterbrochen zu haben. Mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC und der UNICEF konnten starke Partner für das Projekt gefunden werden. Ein ganz besonderer Dank gilt aus Sicht der Rotarier der „Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung“, die jeden Dollar, den die Mitglieder des Serviceclubs spenden, verdoppelt.
„Diese starke Kooperation zeigt, was möglich ist, wenn man über alle politischen, sozialen und weltanschaulichen Grenzen hinweg ein gemeinsames Ziel verfolgt“, freut sich der amtierende Rotary-Präsident Andreas Schwarzer. „Dies sollte eigentlich auch Hoffnung in der aktuellen Situation machen“. Die Pandemie sei überwindbar, wenn man sich auf die Gemeinsamkeiten besinne. Der Rotary Club Korbach-Bad Arolsen wird sich auch weiterhin für das Programm Polioplus engagieren. In der Vergangenheit wurde bei Gelegenheiten wie dem Mittelalterlichen Markt in Korbach oder dem Weinfest in Bad Arolsen mittels einer symbolischen Schluckimpfung auf das Programm aufmerksam gemacht. Man werde nach neuen Möglichkeiten suchen, die Menschen zu informieren und zu motivieren, so Präsident Andreas Schwarzer. Ganz sicher wird der eindrucksvolle Sattelauflieger der Spedition Heinemann wieder einen gewichtigen Part dabei spielen. Mittlerweile wurde die Plane restauriert und aktualisiert, so dass sie weitere Jahre als Werbeträger für eine Welt ohne Kinderlähmung fungieren kann.

