NABU:Land muss Streuobst besser vermarkten

Rubrikbild: by Rainer Sturm pixelio.de

Streuobstexperten aus ganz Deutschland zu Gast in Geisenheim

Wetzlar/Geisenheim(nh). Eine professionellere Vermarktung von Streuobstprodukten fordern Experten des NABU-Bundesverbandes bei einem Treffen in Geisenheim. Am kommenden Wochenende führt der NABU-Bundesfachausschuss (BFA) Streuobst im hessischen Geisenheim seine 75. Tagung durch. „Streuobstwiesen sind die Lebensräume mit der höchsten biologischen Vielfalt in Deutschland, unsere „Hotspots der Biodiversität“. Über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie rund 3.000 Obstsorten sind allein in Deutschland nachgewiesen“, so Beate Kitzmann und Dr. Markus Rösler, Sprecher des NABU-BFA Streuobst. Vor diesem Hintergrund besäßen Maßnahmen für den Schutz und die naturverträgliche, möglichst rentable Nutzung dieser Lebensräume höchste Priorität. „Die schwarz-grüne Landesregierung muss sich die gezielte Vermarktung pestizidfreier Streuobst-Produkte wie Apfelsaft und Apfelwein auf die Fahnen schreiben“, so Kitzmann.

 Für diese Kernforderung des NABU-BFA Streuobst an die Landesregierung wäre nach Angaben der Streuobst-Experten ein eigenständiges Förderprogramm für die Vermarktung von getrennt erfassten Streuobstprodukten nach dem Vorbild von Baden-Württemberg hilfreich: „Auf dem deutschen Getränkemarkt gibt es leider einen zigmillionenfachen Missbrauch des ungeschützten Begriffes Streuobst“, erläutert Rösler. Keltereien, die das Hochstamm-Obst getrennt erfassen und den Landwirten bei klaren Umweltstandards wie dem Verzicht auf synthetische Pestizide faire Preise bezahlen möchten, benötigten eine offensive und deutlich bessere Unterstützung durch die hessische Landesregierung, um sich mit ihren Streuobstgetränken auf dem Markt behaupten zu können. Der NABU-BFA Streuobst unterstützt größere Keltereien mit dem NABU-Qualitätszeichen für Streuobstprodukte und kleine Keltereien mit kostenlosen Einträgen im Internet unter www.Streuobst.de sowie im NABU-Streuobstrundbrief. Für Hessen sind derzeit 19 stationäre und sechs mobile Mostereien eingetragen, die nahezu das ganze Land abdecken. Diese 25 Mostereien bieten an, aus eigenem Obst auch individuell eigenen Saft pressen zu lassen und mitnehmen zu können. So kann jede Familie selbst entscheiden, wie viele Äpfel, Speierlinge, Birnen oder Quitten welcher Sorten in ihrem eigenen Saft enthalten sind. „Vielfalt ist Trumpf beim Streuobst, sowohl bei der Landschaft und der Ökologie als auch bei den Produkten und beim Genuss“, sind Kitzmann und Rösler von den gesunden Produkten begeistert. Eine große Chance für den Streuobstbau der Zukunft sehen Kitzmann und Rösler auch in der Verwendung von Tafelobst aus dem Streuobstbau in Kindergärten und Schulen, in Ernährungszentren und Kantinen: „Wer einmal eine Ananasrenette, eine Gewürzluike oder einen Roten Berlepsch gerochen und gegessen hat, will danach nur noch solche Leckerbissen aus den Streuobstwiesen. Gerade für die Zielgruppe der Kinder kann das Geschmacks-Erlebnis von Dutzenden unterschiedlicher Apfel- und anderer Obstsorten prägend für die Zukunft sein“, sind Kitzmann und Rösler überzeugt. 

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Die Streuobst-Experten widmen sich unter anderem den Agrarumweltprogrammen sowie der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz in den Bundesländern. Außerdem bereiten Sie ein Gespräch mit den Spitzenvertretern des Bundes deutscher Baumschulen sowie ein bundesweites Treffen mobiler Mostereien vor. Weitere Themen der NABU-Streuobst-Experten sind eine Empfehlung für die Obstbaumpflege zum Umgang mit Misteln. Uns erreichen zwischenzeitlich aus nahezu ganz Deutschland Nachrichten von einer geradezu invasiven Verbreitung der Mistel in den Streuobstbeständen – da besteht dringlicher Forschungs- und Handlungsbedarf.“, so Kitzmann und Rösler Der NABU-BFA Streuobst sowie der NABU Hessen fordern die Keltereien daher auf, künftig faire Preise für Obst aus Streuobstanlagen zu zahlen: „Genauso wie die Milchbauern zu Recht 40 Cent je Liter Milch fordern, bedarf es im Streuobstbau rund 20 bis 25 Euro je Doppelzentner für Mostobst, um langfristig rentabel wirtschaften zu können“, so Rösler. Vor Ort werden sich NABU-Fachleute gemeinsam mit Michael Ludwig, dem Betriebsleiter des Getränketechnologischen Zentrum der Hochschule Geisenheim sowie mit Prof. Dr. Peter Braun als Institutsleiter Obstbau ein Bild von der Arbeit und dem Campus machen.

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Hintergrund

Der 1992 gegründete NABU-BFA Streuobst stellt das einzige Gremium in Deutschland dar, das sich auf Bundes- und internationaler Ebene systematisch mit Fragen rund um den Streuobstbau beschäftigt. Unter Streuobstbau versteht man den Hochstamm-Obstbau ohne Einsatz synthetischer Behandlungsmittel. Die NABU-Experten bieten bereits seit 1992 zahlreiche Dienstleistungen für Verbraucher und Fachleute an:

– Streuobst-Materialversand mit allen Produkten rund ums Streuobst.

– Viermal jährlich Streuobst-Rundbrief.

– Streuobst-Qualitätszeichen als UnterstĂĽtzung von Vermarktern.

– Liste der mobilen und stationären Mostereien: www.Streuobst.de.

– Liste von Kleinbrennereien, die eigenes Obst und eigenem Obstbrand verarbeiten.

– Regelmäßig international und national ausgerichteten Tagungen.

Damit versteht sich der NABU-BFA-Streuobst als „Spinne im Netz“ der Streuobstaktivitäten in Deutschland und verbindet Verbraucher, Keltereien und Baumschulen, Politik und Wissenschaft.

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