Aus „Clever Sole“ wird „nearby“: Nähe statt Technik
Friedberg. Das Start-up nearby von der THM in Friedberg hat sich umbenannt und sucht für die nächste Pilotphase Menschen und Einrichtungen, die den Alltag mit der unsichtbaren Einlegesohle mitgestalten. Aus „Clever Sole“, der klugen Sohle, ist dafür „nearby“ geworden, auf Deutsch „in der Nähe“. Der alte Name sprach über Technik. Das Team möchte aber über etwas anderes sprechen, nämlich über das Gefühl, dass jemand in der Nähe ist. „Mit ‚Clever Sole‘ haben wir über die Sohle gesprochen. Mit ‚nearby‘ sprechen wir über die Menschen, die sie tragen, und über die, die sich um sie sorgen“, sagt Vincent Dern, Mitgründer von nearby. „Die Technik ist nur das Mittel. Entscheidend ist die Nähe.“
Unsichtbare Begleiterin
nearby ist eine Einlegesohle für Menschen mit Demenz und für andere, die eine Hinlauftendenz haben, bei denen also der Weg hinaus ein natürlicher Impuls ist, ohne dass sie immer wissen, wie sie zurückfinden. Die Sohle liegt in dem Schuh, den die Person ohnehin trägt, und ist von außen nicht zu sehen. Es gibt kein Armband, keinen Anhänger und kein Gerät, das vergessen oder abgelegt wird. Der gewohnte Alltag bleibt, wie er ist. Die Idee dahinter ist einfach: Wer einen Menschen begleitet, möchte ihm Bewegung und Selbstständigkeit lassen und hat doch die Sorge im Hinterkopf, dass er sich verlaufen könnte. nearby soll diese Sorge deutlich verringern. Es geht nicht darum, jemanden zu kontrollieren, sondern darum, dass im richtigen Moment jemand da sein kann. So bleiben Freiräume erhalten, für die Menschen selbst und für die, die sich um sie kümmern.
Von der Hochschule zur Gründung
Hinter nearby stehen Vincent Dern, Emily Schmidt und Schlemun Danho. Die Idee entstand an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg, im Sommer 2025 gründeten die drei die TrackTech GmbH, unter der nearby als Start-up auftritt. An der THM hat das Team bis heute sein Büro. Es arbeitet an Hardware, App und den Abläufen, die im Pflegealltag funktionieren müssen. Seit Juli wächst das Team: Die ersten Mitarbeiter sind an Bord.
Drinnen und draußen
nearby soll Menschen im Haus und draußen begleiten, und beides ist in der Entwicklung weit fortgeschritten. Die Begleitung im Freien testet das Team zurzeit noch intern, sie ist deshalb noch nicht Teil der Tests mit Menschen. Die Begleitung im Haus ist dagegen schon so weit, dass sie im Alltag helfen kann, und steht deshalb in den laufenden Tests an erster Stelle. Dafür stecken kleine, unauffällige Funkpunkte in Steckdosen. In Pflegeheimen geht es dabei um Bereiche: Je nach Bedarf der Einrichtung sitzen sie zum Beispiel auf den Fluren, in den Wohnbereichen, im Treppenhaus und an den Ausgängen. So weiß die Sohle, in welchem Bereich sich die Person gerade aufhält. Wechselt sie von ihrer Station ins Treppenhaus oder verlässt sie das Haus, erfahren die Menschen, die sich kümmern, davon in der nearby-App und können dazukommen und begleiten. Bei Menschen, die zu Hause leben, ist es einfacher: Hier geht es allein darum, ob die Person das Haus verlässt.

Schon das ist eine Hilfe, denn wer sich kümmert, weiß, ob sich die Person noch im Haus befindet. Ist sie draußen, kann nearby im Moment noch nicht sagen, wo sie ist. Das kommt später: In den kommenden Monaten soll auch die Begleitung im Freien mit den Menschen im Alltag erprobt werden. Aus „Die Person ist draußen“ wird dann „Die Person ist dort“. Danach soll eine Sturzerkennung folgen, die in der Sohle steckt.
Gemeinsam gestalten
Die ersten Tests mit privaten Testpersonen und in Pflegeheimen laufen bereits. Was das Team dort lernt, fließt in die nächste Phase ein. nearby soll nämlich ganz nah mit den Menschen entstehen, die es am Ende nutzen: mit denen, die die Sohle tragen, mit ihren Angehörigen und mit den Pflege- und Betreuungskräften. Für die zweite Pilotphase ab Mitte oder Ende November sucht das Team deshalb weitere Partner. Gedacht ist an drei Gruppen:
• Pflegeheime und Senioren-Residenzen, in denen sich die Begleitung im Haus im Alltag ausprobieren lässt
• Tagespflegen, in denen Menschen mit Demenz oder Hinlauftendenz tagsüber betreut werden
• Familien und Angehörige, die zu Hause einen Menschen mit Demenz oder Hinlauftendenz begleiten
Für die zweite Pilotphase sucht das Team Pflegeheime, Senioren-Residenzen und Tagespflegen sowie Familien, die einen Menschen mit Demenz oder Hinlauftendenz zu Hause begleiten. „Wer neugierig ist, wie das bei ihm aussehen könnte, darf sich gern bei mir melden“, sagt Vincent Dern. „Am einfachsten per E-Mail an vincent.dern@mynearby.de.“





