Medebach. Rund 120 Interessierte folgten am 11.09. der Einladung der Hospizdienste Hallenberg‑Winterberg, Korbach und Frankenberg zu einem besonderen Vortrag in der Verbundschule Medebach. Zu Gast war der Palliativmediziner Dr. Matthias Thöns, der seit Jahren bundesweit für eine patientenorientierte, würdevolle und medizinisch fundierte Begleitung schwerkranker Menschen eintritt. Sein Vortrag unter dem Titel „Ambulante Palliativ- und Hospizarbeit versus assistierter Suizid“ bot einen eindrucksvollen, fachlich fundierten und zugleich sehr persönlichen Einblick in die Herausforderungen der letzten Lebensphase – und in die Frage, wie Gesellschaft und Medizin damit umgehen sollten. Dr. Thöns begann mit dem, was die Palliativmedizin im Kern ausmacht: dem Lindern von Leid. Er stellte die drei Symptome in den Mittelpunkt, die schwerkranke Menschen am häufigsten und am stärksten belasten: Schmerz, Atemnot und Angst. Mit großer Klarheit und anschaulichen Beispielen zeigte er, wie moderne Palliativmedizin diese Beschwerden heute wirksam behandeln kann. Dabei verband er medizinisches Wissen mit persönlichen Anekdoten aus seiner langjährigen Arbeit – Begegnungen mit Patientinnen und Patienten, die ihm eindrucksvoll vor Augen geführt haben, wie viel Lebensqualität selbst in schweren Situationen möglich ist, wenn Menschen gut begleitet werden.
Seine Botschaft war eindeutig: Leid ist behandelbar. Niemand muss Schmerzen, Atemnot oder überwältigende Angst einfach hinnehmen. Er betonte, wie wertvoll die Zusammenarbeit zwischen medizinischen Teams ist – gerade im ländlichen Raum, wo Netzwerke und persönliche Beziehungen eine besondere Rolle spielen. Den Bogen spannte Thöns schließlich hin zu einem Thema, das derzeit gesellschaftlich intensiv diskutiert wird: der assistierte Suizid. Er schilderte, wie er persönlich mit Anfragen von Patientinnen und Patienten umgeht, die über einen assistierten Suizid nachdenken. Dabei wurde deutlich, dass seine Haltung nicht moralisch verurteilend ist, sondern medizinisch und menschlich begründet: Viele Menschen, die einen assistierten Suizid erwägen, tun dies aus Angst vor unerträglichem Leid. Doch genau dieses Leid könne die Palliativmedizin heute in den allermeisten Fällen wirksam lindern. Thöns plädierte dafür, zuerst alle Möglichkeiten der palliativen Versorgung auszuschöpfen, bevor über irreversible Schritte gesprochen wird. Sein Ansatz: Zuhören, verstehen, behandeln – und erst dann entscheiden.
Der Vortrag endete mit großem Applaus. Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, im Anschluss Fragen zu stellen. Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie wichtig eine frühzeitige Aufklärung und Informationseinholung über Palliativmedizin und Hospizarbeit ist – und wie sehr Menschen davon profitieren, wenn medizinische Expertise und menschliche Begleitung Hand in Hand gehen. Die Hospizdienste Hallenberg‑Winterberg, Korbach und Frankenberg kündigten an, auch künftig Informationsabende anzubieten, um das Thema Sterben, Tod und Trauer aus der Tabuzone zu holen und Menschen Mut zu machen, Unterstützung frühzeitig in Anspruch zu nehmen.

