Der Landgraf wirft lange Schatten: Die Synode von Homberg wird als Theaterstück in Haina aufgeführt

Haina/Kloster(Klaus Brill). Es war ein epochales Ereignis. Im Oktober 1526 kamen in Homberg (Efze) mehrere Dutzend Ritter, Pfarrer, Äbte und Vertreter der Städte aus Hessen zu einer Konferenz zusammen, die der Landgraf Philipp der Großmütige einberufen hatte. Anschließend verkündete er als erster deutscher Territorialfürst die Einführung der Reformation und gab damit den Anstoß zu einer Zeitenwende, die bis heute nachwirkt. Wenn sich das Ereignis nun in diesem Jahr zum 500. Mal jährt, wird in Homberg und im Kloster Haina mit einem Schauspiel daran erinnert. Rund zwei Dutzend Akteure stellen historische Szenen nach und fragen kritisch nach ihrer Bedeutung für die heutige Zeit.Initiatorin des Unternehmens ist die Homberger Kulturaktivistin und Geschäftsfrau Almuth Karger, die das betreffende Theaterstück geschrieben hat. Unter ihrer Leitung setzen Amateur-Schauspieler und technische Helfer der Kleinen Bühne Schwalm-Eder die historische Synode von Homberg als „ein Spiel um Macht, Glauben und Erneuerung“ in Szene. Nach der Premiere in Homberg am 25. September und zwei weiteren Aufführungen in der dortigen Stadtkirche St. Marien wird die Theatertruppe am Samstag, dem 10. Oktober, um 19:00 Uhr auch in der Kirche des Klosters Haina erwartet. Der Eintritt ist frei, doch wird um freiwillige Spenden gebeten.

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Szenen aus dem genannten Stück, aufgenommen bei Proben. Foto: Luisa Döls

„Das Kloster Haina ist ebenso wie die Stadt Homberg (Efze) ein bedeutender Ort der Reformation in Hessen“, erkärte dazu der Verein der Freunde des Klosters Haina, der die Homberger Theatertruppe eingeladen hat und in Haina als Mitveranstalter auftritt. „Haina war das größte Kloster in Hessen und wurde 1533 vom Landgrafen Philipp in eine mildtätige Stiftung umgewandelt, aus der ein bedeutendes psychiatrisches Zentrum hervorgegangen ist“, sagte die Vereinsvorsitzende Heike Hartmann-Frank weiter. „Deshalb waren die Ereignisse in Homberg vor 500 Jahren auch für unsere Region und weit über Hessen hinaus von großer Bedeutung. Wir laden die Menschen ein, darüber nachzudenken, wie das nachwirkt.“ Bei der Veranstaltung wird in Auszügen der Ablauf der Synode von 1526 nachgestellt. Bei der Konferenz in der Homberger Stadtkirche St. Marien waren damals neben dem Landgrafen Philipp und seinem Kanzler Johann Feige auch der hessische Reformator Adam Krafft und ein radikaler Prediger namens François Lambert aus Avignon aufgetreten. Lambert verlangte die Aufhebung aller Klöster und des „gottlosen Zölibats“ sowie ein Ende der Heiligenverehrung. Ihm widersprach als Anhänger der katholischen Kirche der Vorsteher des Marburger Franziskaner-Klosters Niklaus Ferber mit dem Argument, über Fragen der Religion hätten nur der Papst und die Bischöfe zu befinden. Sie hätten die „lutherische Ketzerei“ aber schon verurteilt.

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Szenen aus dem genannten Stück, aufgenommen bei Proben. Foto: Luisa Döls

Um die Thematik für die Gegenwart aufzubereiten und „in so ein trockenes Thema ein bisschen Spannung zu bringen“, ergänzte die Autorin Almuth Karger den historischen Stoff durch eine Auseinandersetzung zwischen zwei jungen Mädchen von heute, die sich über die Bedeutung der Konfirmation unterhalten. Wie aus dem Nichts tauchen dann auch zwei „komische Typen“ auf, „die sich ständig in den Haaren liegen“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Almuth Karger hatte das Theaterstück bereits 2017 zum 500. Jahrestag der Veröffentlichung der Wittenberger Thesen von Martin Luther verfasst und damals mit der Kleinen Bühne Schwalm-Eder in Homberg (Efze) aufgeführt. Der Verein hat rund 100 Mitglieder, von denen etwa zwei Dutzend regelmäßig an Aufführungen mitwirken. In Homberg fügt ihr Auftritt sich jetzt in eine ganze Serie von mehr als 100 Veranstaltungen ein, mit denen in diesem Jahr an die Synode von 1526 und die Einführung der Reformation in Hessen erinnert wird (Siehe www.synode500.de). Dabei spielt auch die Konfirmation eine große Rolle, weil ihre Einführung 1539 auf einer geheimen Theologen-Konferenz in der Festung Ziegenhain beschlossen wurde und sich von dort aus in der ganzen protestantischen Welt verbreitete.

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